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Ministerin Köpping besucht Lebenshilfe Borna: Pflege von behinderten Flüchtlingen

Integration Ministerin Köpping besucht Lebenshilfe Borna: Pflege von behinderten Flüchtlingen

Mit der Zahl der Flüchtlinge in Sachsen nimmt auch die Zahl der Menschen zu, die wegen einer Behinderung in einer speziellen Einrichtungen betreut werden. Welche Herausforderungen diese Entwicklung mit sich bringt, diskutierten am Montag Integrationsministerin Petra Köpping und Uwe Drechsler, Geschäftsführer der Lebenshilfe Borna.

Petra Köpping (hinten, l.) besucht die Lebenshilfe Borna und diskutiert mit Geschäftsführer Uwe Drechsler, vor welchen Herausforderungen die Einrichtung steht.

Quelle: Julia Tonne

Borna. Mit der Zahl der Flüchtlinge in Sachsen nimmt zugleich die Zahl derjenigen zu, die wegen einer Behinderung eine zusätzliche oder Rundum-Betreuung in speziellen Einrichtungen benötigen. Vor welchen Herausforderungen sowohl die Politik als auch die Einrichtungen selbst stehen, war am Montag Thema zwischen Petra Köpping (SPD), der sächsischen Ministerin für Gleichstellung und Integration, und Uwe Drechsler, Geschäftsführer der Lebenshilfe Borna.

Eines wurde schnell deutlich: Etliche Fragen sind offen und trotz der Dringlichkeit nicht geklärt. Unter anderem die elementare nach der Finanzierung. Zwar beinhaltet das Asylbewerberleistungsgesetz Leistungen für Gesundheit, Unterkunft, Versorgung und Taschengeld (insgesamt 10 600 Euro jährlich pro Flüchtling), doch ob auch eine notwendige besondere Betreuung davon bezahlt wird, steht noch immer nicht fest. Das, so Köpping, müsse dringend in den kommenden Wochen mit den Landkreisen geklärt werden. Allerdings machte sie auch deutlich, dass genau dieses Thema in den Gesundheitsbereich falle – und dafür sei wiederum das sächsische Ministerium für Soziales unter Leitung von Barbara Klepsch (CDU) zuständig. Köpping versprach aber, das Gespräch mit ihr zu suchen. Sogar schon aus Thüringen gibt es Anfragen nach Plätzen bei der Lebenshilfe in Borna. „In den Fällen steht die Finanzierung, aber für sächsische Flüchtlinge mit Behinderungen gibt es noch immer keine klare Regelung", kritisiert Drechsler.

Doch Einrichtungen wie die Lebenshilfe stehen laut Geschäftsführer noch vor anderen Schwierigkeiten: „Der Betreuungsaufwand ist bei Flüchtlingen – sowohl in der Werkstatt als auch im Förder- und Betreuungsbereich – wegen der Sprachbarriere deutlich höher.“ Hier jedoch kann Köpping auf den Dolmetscher-Service verweisen, den in absehbarer Zeit neben Städten wie Leipzig und Dresden auch die Landkreise bekommen sollen und der angefordert werden könne. „Das alles ist ja gerade im Aufbau, die Netzwerke müssen funktionieren. Deshalb bitte ich um Geduld“, macht die Ministerin deutlich, die das Treffen mit Drechsler kurzfristig vereinbart hatte.

Drechsler kann sich gut vorstellen, Menschen mit Migrationshintergrund als Pflegekräfte und Helfer einzustellen. „Sie kennen die Mentalität, die Gepflogenheiten in den entsprechenden Ländern“, betont er. Aber was das Thema Ausbildung von Flüchtlingen zu Pflegekräften betrifft, müssen sich die Einrichtungen in Geduld üben. Zum einen sei das Erlernen der deutschen Sprache unerlässlich, zum anderen seien Pflegeberufe in anderen Ländern zum Teil unbekannt. „Oft übernehmen die Familien selbst die Betreuung und Pflege“, begründet Köpping. Deshalb müsse unter den Asylbewerbern für eine derartige Ausbildung geworben werden – auch, um dem Fachkräftemangel Herr zu werden.

Zudem beschäftigt die Mitarbeiter der Lebenshilfe das Essen (so dürfen Moslems beispielsweise kein Schweinefleisch essen) und das Verhalten während des Ramadans (Fastenmonat). Köpping rät dazu, mit den Familien der Bewohner in Kontakt zu bleiben und das individuell zu klären. Eins aber macht sie deutlich: „Flüchtlinge müssen sich auch ein Stück weit an die Gegebenheiten hier anpassen.“ Der Alltag könne nicht von Ausnahmen bestimmt werden. „Schon gar nicht sind Ausnahmen zur Regel zu machen.“

Von Julia Tonne

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