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Geithain Mit einem Zeitungsaufruf fing alles an
Region Geithain Mit einem Zeitungsaufruf fing alles an
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15:51 19.05.2015
Seit nunmehr 20 Jahren betreut Andreas Fester (r.) Pflegekinder. Zurzeit wohnen Manuela Arnhold, Eric Reichenbach und dessen Mutti Heike Reichenbach (v.l.) in seinem Haus. Quelle: Jens Paul Taubert

Aber warum sollen wir nicht kurzfristig helfen." Aus der kurzfristigen Hilfe wurden inzwischen 20 Jahre.

Das Jugendamt war begeistert. Schon am gleichen Tag, an dem die damals in der Geithainer Eisenbahnstraße wohnende Familie nach vorheriger eingehender Prüfung der Verhältnisse durch das Amt den Beginn zur Kurzzeitpflege von Kindern zwischen null und zwölf Jahren bereit stand, kamen die ersten. "Acht Uhr wurde telefoniert; um zwölf Uhr waren die ersten da", kann sich Andreas Fester noch genau erinnern. Von da an hatte die Großfamilie zu den vier eigenen auch immer drei fremde Kinder in den eigenen vier Wänden. 1996 zogen Festers ins Dachgeschoss des Gebäudes der heutigen Kita "Wirbelwind" um, um dieses Haus füllen und als Kita erhalten zu helfen. "Das war eine schöne, aber auch bewegte und aufregende Zeit, weil die Kinder unterschiedlich lange bei uns blieben - von sechs Wochen bis zu vielen Jahren. Und zudem bin ich ja auch noch arbeiten gegangen", so der gelernte Fernmeldemonteur.

Etwa 20 Pflegekinder betreuten Festers in diesen zwei Jahrzehnten. "Und seit nunmehr 20 Jahren betreuen wir ein Mädchen, das wir kurz nach der Geburt aus dem Krankenhaus holten. Es wohnt auch heute - inzwischen 18 Jahre alt - noch bei uns", so der 50-Jährige.

Mit der Zeit wurden die Kinder immer größer, das Dachgeschoss des Hauses am Paul-Guenther-Platz immer kleiner. Ein neues Haus musste gesucht werden. Und wurde vor genau zehn Jahren in Gestalt des Gebäudes hinter dem heutigen Ärztehaus, wo einst medizinische Abteilungen und Büros ihr Domizil hatten, gefunden. Ein Jahr wurde kräftig umgebaut. Im Haus wurden dabei auch mehrere kleine Einraumwohnungen geschaffen, um Pflegekindern, die hier nach dem Erwachsenwerden weiter wohnen wollten, das als Mieter zu ermöglichen. 16 Folgen drehte damals der Fernsehsender Pro 7 über die Geithainer Großfamilie. Alles lief bestens.

Bis 2005 ein schwerer Schicksalsschlag die Familie traf. Ramona Fester verstarb an einer schweren Krankheit. Die eigenen Kinder waren zu diesem Zeitpunkt zwischen fünf und 17 Jahren alt; dazu drei Pflegemädchen im Haus. "Doch wir haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt. Und uns geschworen: Wir machen weiter. Ich bin auch stolz, dass sowohl die eigenen wie die Pflegekinder alle eine Lehre absolviert haben", so Andreas Fester, der seit vielen Jahren auch auf eine engagierte Haushaltshilfe, die in dieser Situation mit eine Mutterrolle übernahm, bauen konnte.

Durch eine Knieverletzung nach einem Arbeitsunfall 1998 konnte Fester seinen Beruf nicht mehr ausüben, absolvierte eine Ausbildung als Erzieher in Bad Lausick, besuchte zahlreiche Lehrgänge des Jugendamtes, arbeitete lange als Erzieher mit gehörlosen Jugendlichen in Leipzig und Behinderten in anderen Einrichtungen.

Die Zusammenarbeit mit den Behörden war immer gut, schätzt er ein. Auch die Hilfe untereinander in der Familie und durch viele Freunde, das große Verständnis seiner Kinder und Eltern, waren ein Unterpfand, dass er anlässlich des Jubiläums mit einigem Stolz auf diese zwei Jahrzehnte zurückschauen kann. "Viele unserer Schützlinge sind ja inzwischen erwachsen und ausgezogen. Aber alle halten noch Kontakt, kommen zu Familienfeiern. Eine ist sogar selbst Erzieher geworden", schildert er. Und hat kürzlich überlegt, ob sie in dieser Richtung weitermachen sollten. "Ich habe mich dazu entschieden, jetzt auch eine geistig behinderte Mutti mit ihrem sechsjährigen Kind im Haus aufzunehmen. So etwas gibt es nur zweimal im Landkreis Leipzig."

Übermorgen wird das Jubiläum mit einem Hausfest begangen. Dann, ist sich Andreas Fester sicher, werden alle wieder in Geithain zusammenkommen. Und er freut sich darauf.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.09.2013

Thlang

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