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Mitteldeutscher Verkehrsverbund plant mehr Busse für Bad Lausick

Wer soll das bezahlen? Mitteldeutscher Verkehrsverbund plant mehr Busse für Bad Lausick

Halbstündlich mit dem Stadtbus zum Bahnhof, zum Supermarkt, zum Arzt, zur Musikschule: Für Bad Lausick ist das mehr als nur eine Vision – es ist Teil des Konzeptes namens Muldentaldreieck. Das sieht für die Kurstadt, für Grimma, Colditz und Brandis und das Land dazwischen völlig neue und vor allem vervielfachte Fahrtangebote vor.

Das Konzept sieht ausgeweitete Regionallinien und zusätzlich Stadtverkehr vor.

Quelle: dpa

Bad Lausick. Steffen Lehmann und Ron Böhme, der Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) und sein Verkehrsplaner, stellten dieses Konzept dem Bad Lausicker Stadtrat vor. Sie stießen auf überraschte Gesichter, grundsätzliche Zustimmung zum planerischen Ansatz, aber auch auf erhebliche Skepsis.

Zwei Säulen hat das Muldentaldreieck: die jetzt schon bestehenden, dann aber vertakteten und ausgeweiteten Regionalbuslinien und neu zu schaffende Stadtbusse. Aktuell richte sich der Busfahrplan im Landkreis vor allem nach den Schülerströmen, sagte Lehmann. Damit aber gehe er an den Interessen vieler potenzieller Nutzer vorbei.

Das wolle man ändern, und zwar radikal: durch mehr und regelmäßige Busse zu den Bahnhöfen, durch innerörtliche Fahrtmöglichkeiten, verbunden mit einer Vervielfachung auch der Haltestellen. Ziel: Ein- und Zwei-Stunden-Takte, innerorts halbstündliche Angebote. Unter der Woche sei das „prinzipiell machbar. Dafür würde das bisherige Budget ausreichen“, so Verkehrsplaner Böhme. Für ein attraktives Wochenend-Angebot brauche man aber zusätzliches Geld – und das müsse zu einem Teil von den davon profitierenden Kommunen kommen.

So skizziert das Konzept einen Stadtbus für Bad Lausick, der auf drei Linien neben Kernstadt und Neubaugebiet Buchheim und – man staune – auch Flößberg anbinden würde. An 72 (!) Punkten könnte man dann zu- oder aussteigen, fände aller 150 Meter eine Haltestelle, wo man heute viele Hundert Meter laufen muss.

Hochgerechnet auf die Stadtverkehre aller vier genannten Städte, die mit kleinen, neu anzuschaffenden Bussen gefahren werden würden, nannte Ron Böhme einen Zuschussbedarf in den ersten Jahren der Stadtphase von 2,2 bis 2,8 Millionen Euro jährlich. Daran müsste sich auch Bad Lausick – neben dem Land Sachsen, dem Landkreis Leipzig, den Verkehrsunternehmen – angemessen beteiligen.

Per Stadt- und Regionalbus würden 85 Prozent der Menschen in Bad Lausick und den Ortsteilen erreicht, sagte Steffen Lehmann: „Darüber müssen wir in den nächsten Wochen diskutieren.“
„Ich sehe nicht, wo ein solcher Zuschuss aus unserem Stadtsäckel herkommen soll“, dämpfte Manfred Hönig (SPD) die Euphorie. Statt den Frohburger Ortsteil Flößberg via Stadtbus anzubinden, sollte man das lieber mit Steinbach, Glasten, Ebersbach tun. „Unter einem Stadtbus-Konzept stelle ich mir die gesamte Stadt vor“, unterstützte das Mirco Töpfer (Linke).

„Das sieht gut aus, keine Frage“, meinte Udo Goerke (CDU). Allerdings habe er seine Zweifel, das Fahrgastaufkommen verdoppeln oder verdreifachen zu können. „Sehr positiv, dass man sich über die bessere Anbindung der Dörfer Gedanken macht“, sagte Gerhard Köpping (Unabhängige Wählervereinigung); allerdings erscheine ihm das Konzept etwas zu ambitioniert. André Trautner quittierte die Überlegungen mit viel Sympathie, verwies allerdings auf den künftigen Finanzierungsschwerpunkt Grundschul-Sanierung. Horst Juhlemann (AfD) äußerte die Befürchtung, ein Stadtbus bringe nicht mehr Leute in die Innenstadt-Geschäfte, sondern transportiere die heutige Kundschaft bequem in die Märkte an der Peripherie: „Das ist ein Beitrag, die Innenstadt weiter zu veröden.“

Auf der Sitzung Ende Oktober will sich der Bad Lausicker Stadtrat positionieren. Vorher soll das MDV-Konzept in den Gremien diskutiert werden. Das neue Regionalbusnetz könnte, so die Initiatoren, ab dem kommenden Sommer funktionieren. Für die Stadtbusse plane man – so sie gewollt seien – für einen Start im Winter 2016.

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