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Müllberge zeigen das Ausmaß

Müllberge zeigen das Ausmaß

Der zweite Tag des Aufräumens nach dem Hochwasser war gestern in und um Geithain angesagt. Müllberge vor manchen Häusern türmen sich. Per Gartenschläuche wurden Häuser vom Schlamm gereinigt.

hochwasser in geithain - am tag danach - sperrmüllberge in der altenburger strasse

Quelle: Jens Paul Taubert

Region Geithain. Durchnässte Teppiche und Möbel aus Häusern geräumt. Bagger wirkten an verschiedenen Stellen, um Steine und Erdmassen aus Bächen und Gräben zu beseitigen...

"Der Kindergarten hat am 10.6. geöffnet", zeugt ein Schild am Eingangstor zur Kita "Wirbelwind" am Geithainer Paul-Guenther-Platz davon, dass man hier um Normalität bemüht ist. Dabei hat es auch diese Kindereinrichtung arg getroffen. Die Küchenmöbel aus dem Kellerbereich sind nur einige Teile, die in Mitleidenschaft gezogen wurden und nun neben zahlreichen kleineren Gegenständen, die im dortigen Spiel- und Bastellager aufbewahrt waren, am Straßenrand landeten. Der Zaun und Garten der Kita wurden ebenfalls ramponiert. "Wir haben unsere Kinderküche vorerst zur Essenausgabe umfunktioniert", so Erzieherin Marion Beyer. 20 Zentimeter stand das Wasser am Sonntag im Keller. "Erzieherinnen und viele helfende Eltern von der Tagesgruppe und der Einrichtung haben am Sonntag fünf Stunden gewirkt, um die betroffenen Räume leer zu machen, damit heute der Betrieb weitergehen kann", so Erzieherin Elke Heinzig,

Wenige Meter entfernt sind an der Eula Mitarbeiter der Flussmeisterei mit einem Bagger beschäftigt, die großen Steine einer weggebrochenen Ufermauer aus dem Wasser zu bergen. "Falls weiterer Regen kommt, müssen wir ja dafür sorgen, dass die Hindernisse aus dem Weg geräumt werden", begründet Wasserbauer Holger Roefke das. Die Steine werden vorerst auf dem Hartplatz gelagert, um sie mal wieder verwenden zu können.

Ziemlich gefasst ist wenige Meter weiter Elfriede Linke in der Bruchheimer Straße 19 mit anderen beim Aufräumen. "Ich wohne nun 37 Jahre hier. Aber solch einen Ansturm habe ich noch nie erlebt. Es war, als hätte man eine Talsperre geöffnet", hat die 84-Jährige Geithainerin das Geschehen noch genau vor Augen. "Zum Glück haben mir viele Freunde und Nachbarn geholfen. Sonst wäre ich völlig hilflos gewesen." Auch Peter Kertzscher ist hier noch gestern mit Schubkarre und Schaufel damit befasst, Nebengebäude vom Schlamm zu befreien. "Mein eigenes Haus war zum Glück nur durch die Schleuse ein wenig betroffen. Das habe ich am Sonntag alles beseitigt. Nun helfe ich", ist für den am Paul-Guenther-Platz Wohnenden Ehrensache.

Reiner Voigt in Theusdorf dagegen hatte nicht so viel Glück. "30 Zentimeter stand die braune Brühe im Erdgeschoss" zeigt er Besuchern. Dicke Baumstämme hätte es wie Spielzeug durch den Hof geschwemmt. "Wir waren ja hier immer mal von Hochwasser betroffen. Aber so schlimm war's noch nie. Ich kann das nun nur trocknen lassen", setzt er jetzt auf Zeit. In seinem Zweirad-, Forst- und Gartentechnik-Betrieb muss es aber weitergehen, auch wenn dessen Eingang gestern noch Sandsäcke zierten.

Ähnlich schmerzliche Eindrücke hat Familie Fritzsche in Wickershain Nr. 36. Wie viele Nachbarn überraschte sie der Guss am Sonnabendnachmittag. "So schnell konntest du nicht gucken, wie das Wasser von der Eula und den Feldern ins Haus geschossen kam", so Ingolf Fritzsche gestern. Gerade hatte er einen weiteren Polstersessel auf den großen Haufen von in Mitleidenschaft gezogenen Möbeln geworfen. Die untere Etage des Hauses wurde überschwemmt, Mülltonnen riss es mit. "Die habe ich später im Stadionbereich gefunden, so Manuela Fritzsche. "Da kommt sicher eine fünfstellige Summe an Schaden zusammen", schätzt der Familienvater. Denn Fußböden und Türeinfassungen seien dahin, das Auto vollgelaufen... "Wir sind bloß froh, dass in der zweiten Etage alles trocken blieb", tröstet ihn.

Ganz so schlimm ist es bei Uwe Weber in der Kohrener Töpferstraße 25 nicht. "Bei mir stand das Wasser nur im Keller. Die Sandsäcke in den Fenstern haben gewirkt. Aber es hat durch die Mauer gedrückt", beschreibt er. Mit drei Pumpen hat er dem Nass nach draußen geholfen.

In Walditz hat es Frank Richter viel ärger erwischt. Zum Trocknen aufgehangene Decken zierten gestern das Bild. Das Wohnhaus und der Ladenraum der Meerwasseraquaristik standen 60 Zentimeter unter Wasser. In 45 Minuten gingen hier 70 Liter Wasser runter, berichtet er. "Zum Glück blieb es zwei Zentimeter unterhalb der untersten Aquarien", ist er dennoch froh. Wie auch darüber, dass über 20 Helfer bei ihm wirkten. "Mit Technik und Muskelkraft haben sie viele Stunden ohne Pause bis weit nach Mitternacht zugepackt, auch am Sonntag noch", möchte er herzlich danken.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.06.2013

Thomas Lang

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