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Münzner stellt in Geithain aus

Münzner stellt in Geithain aus

Geithain. „Und weil ich ein Esel, so rat‘ ich Euch, den Esel zum König zu wählen; wir stiften das große Eselreich. Wo nur die Esel befehlen", heißt es in Heinrich Heines Fabel „Die Wahlesel".

. Die Farbzeichnung, mit der Rolf Münzner diesen Heine-Text 1989 illustrierte, ist seit Sonntag mit anderen Blättern zu deutschen Fabeln in der Geithainer Stadtbibliothek zu sehen. Die meisten entstanden für den Band „Deutsche Fabeln aus neun Jahrhunderten", herausgegeben von Karl Wolfgang Becker. Mit dem Buch ist Münzner nicht ganz glücklich. Vom Format her größer und in zwei Bänden war es ursprünglich angedacht. Mit Grafiken von Grass und einer Mappe Münzners zum Simplicissimus erschien es 1991 als letztes im „alten" Reclam-Verlag – angesichts der Wende geschrumpft.

Er kenne viel von Heine, habe diesen Text aber erstmals gelesen, als er das Manuskript zum Buch bekam, erzählte Münzner gestern im Eröffnungsgespräch mit Bibliothekarin Ramona Kratz. Da hatte er vor zahlreich erschienenem Publikum bereits einen kleinen Exkurs zum Thema Fabel gehalten. Karsten Pietsch rezitierte temperamentvoll einige fabelhafte Texte – zur Freude der Besucher und Münzners. „Der sieht ja aus wie Moliere", kommentierte dieser den Auftritt des Leipzigers; auch die „Wahlesel" kamen zum Vortrag. „Heine liegt mir besonders am Herzen", erklärte Münzner, nannte außerdem Lessings „Der Fuchs und der Storch".

1989 und 1990 entstanden die Farbzeichnungen zum Buch. „Natürlich war mein ganzes Arbeiten auch von dem geprägt, was damals um mich herum geschah", blickte Münzner zurück, sieht Fabeln auch heute noch als politisch relevant an. 2004 entstanden seine ebenfalls ausgestellten „Talkfrösche". „Wir sehen alle Talkshows, man hat den Eindruck, da sitzen sechs, sieben Frösche zusammen und quaken", fabulierte der Geithainer Künstler.

Der Mensch als Tier und das Tier als Mensch findet sich in seinem Werk des Öfteren, nicht zufällig fiel damals die Wahl des Verlages als Fabel-Illustrator auf ihn. „Tiere zu zeichnen, ist nur möglich, wenn man versteht, ein Stück weit frei damit umzugehen", erklärte der emeritierte Professor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Die Ausstellung in der Geithainer Stadtbibliothek ist bis zum 19. Juni zu sehen, als besonderer Beitrag zur 825-Jahr-Feier lädt die Einrichtung auch am Sonnabend und Sonntag des Festwochenendes dazu ein.

Inge Engelhardt

Inge Engelhardt

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