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Nachfolger fehlt: Ingrid und Albrecht Heß schließen den Gasthof in Flößberg

Mitte April Nachfolger fehlt: Ingrid und Albrecht Heß schließen den Gasthof in Flößberg

Ein weiterer typischer Landgasthof schließt: Ingrid und Albrecht Heß, die das Haus in Flößberg zur Pacht betrieben, setzen sich zur Ruhe. Sie schließen den Gasthof Mitte April. Der Stadt Frohburg als Eigentümerin gelang es bisher nicht, einen Nachfolger zu finden. Für das Dorf stirbt damit auch ein Stück Kultur und Geselligkeit.

Abschied von der Gaststube: Ingrid und Albrecht Heß wollen kürzer treten – und künftig häufiger bei (Familien-)Feiern auch mal Gäste sein.

Quelle: Andreas Döring

Frohburg/Flößberg. Am Abend des 16. April die allerletzten Gäste, großes Aufräumen, am Wochenende drauf der Verkauf des letzten Inventars: Ingrid und Albrecht Heß schließen mit dem Landgasthof Flößberg ihre Lebensaufgabe als Gastronomen ab. Sich gänzlich zur Ruhe zu setzen, sind die 60-Jährige und der fast 62-Jährige noch ein bisschen zu jung. Doch achtzehneinhalb Jahre als Pächter des Gasthofes spüren sie, dass die Kräfte schwinden. Aufzuhören, wenn es läuft, wenn die Gäste diesen Abschied bedauern – dazu haben beide sich durchgerungen. Leicht fällt ihnen dieser Schritt nicht, zumal es der Stadt Frohburg als Eigentümer der Immobilie in den vergangenen Monaten nicht gelang, einen Nachfolger zu finden.

Die Wildecker Herzbuben kennen den Flößberger Saal. Als die Randfichten kamen, brauchte es ein zweites Konzert am Sonntag drauf, um keinen der Fans vor der Tür stehen zu lassen. Für Albrecht Heß und seine Frau war Gastronomie mehr, als Bier und Bauernfrühstück unters Volk bringen. „Eine ganz große Sache waren unsere Schlachtfeste, da kamen sie von überall her. Und viele Jahre der Fasching. Und Silvester. Und die Familienfeiern.“ Die Flößberger Rentner trafen sich Mitte März zu ihrer letzten monatlichen Kaffeetafel. Sie werden wohl die ersten sein, die am eigenen Leib spüren: Ab sofort bleibt die Küche kalt. Und auch bei traurigen Anlässen wird dieser Mangel bewusst, denn Trauergesellschaften müssen sich nach einer Beerdigung nun andernorts zusammenfinden.

„Manchmal sind wir nur zum Schlafen heimgegangen“, erinnert sich Ingrid Heß, die in der Küche Regie führte. Unmittelbar nach der Wende hatte das Paar in Flößberg eine Bierstube eröffnet, sich dann aber für den großen Gasthof entschieden. „Bissel Wehmut ist jetzt dabei, bei uns und bei denn Gästen auch“, sagt ihr Mann. Doch um aufzuhören, sei jetzt der geeignete Zeitpunkt. Zumal die Arbeit nicht weniger und nicht leichter werde und Personal schwer zu finden sei: „Wir sind sehr dankbar über unser Team von Aushilfen, das uns immer zur Seite stand, wenn der Druck besonders groß war“, so Heß.

„Wir suchen nach wie vor einen Käufer mit einen Nutzungs- und Investitionskonzept“, sagt Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) zur ungewissen Zukunft des Flößberger Gasthofes. Mit den bisherigen Ausschreibungen der Immobilie, die verkehrsgünstig direkt an der Ortsdurchfahrt der B 176 im Herzen des Dorfes liegt, habe man keinen Erfolg gehabt. Das brauche offenbar mehr Zeit. Auch für andere städtische Liegenschaften seien die Nachfragen eher gering. Die Hoffnung aufzugeben, komme nicht in Betracht. „Wir haben in der Vergangenheit manchmal erst nach Jahren Käufer gefunden, die aus den Immobilen noch etwas Gutes gemacht haben.“ Warum sollte das nicht auch in Flößberg klappen?

Allerdings hat die Stadt gleich um die Ecke für Kaufinteressenten ebenfalls etwas in petto: das Grundstück des einstigen Flößberger Jugendclubs. Hiensch: „Für unsere Finanzplanung wäre außerdem der Verkauf der alten Schulgebäude in Roda, Prießnitz, Elbisbach, Hopfgarten und Tautenhain von großer Bedeutung.“

Von Ekkehard Schulreich

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