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Geithain Narsdorf gehört ab 1. Juli zu Geithain – die Gemeindechefs im Interview
Region Geithain Narsdorf gehört ab 1. Juli zu Geithain – die Gemeindechefs im Interview
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00:19 03.07.2017
Hier war die Eingliederung von Narsdorf nach Geithain besiegelt worden. Unterschrift und Stempel geben vor Stadtrats- und Gemeinderatsmitgliedern (vorn v. li.) Narsdorfs Bürgermeister Andreas Große und Geithains Stadtchef Frank Rudolph. Quelle: Andreas Döring
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Geithain/Narsdorf

Narsdorf, Rathendorf und Ossa sind ab 1. Juli Ortsteile der nördlich gelegenen Stadt Geithain. Dass ihre Gemeinden fusionieren, ist zumindest den Älteren durchaus nicht fremd, schlossen sich diese drei Dörfer doch in den Neunzigerjahren zu einer Landgemeinde zusammen. Doch der Raum für eine ländlich geprägte Verwaltungsstruktur wurde immer enger. Der Narsdorfer Gemeinderat macht vor allem landespolitische Rahmenbedingungen dafür verantwortlich, dass für kleine Orte zwischen den Kommunen finanziell keine Luft mehr bleibt. Der Schritt auf Geithain zu ist da folgerichtig, wenn auch keinesfalls leicht. Was er für die Bürger bedeutet, darüber sprach die LVZ mit dem Narsdorfer Bürgermeister Andreas Große (parteilos) und Frank Rudolph (UWG), dem Geithainer Stadtoberhaupt.

Herr Große, wie fühlt es sich an, eine Gemeinde zu übergeben?

Ein bisschen Wehmut ist schon da. Für mich selbst geht ein Lebensabschnitt zu Ende, denn acht Jahre hatte ich für die Gemeinde im Grunde jeden Tag ehrenamtlich zu tun. Wehmut aber auch darüber, dass diese kommunale Selbstverwaltung so nicht mehr gewollt ist. Mit Geithain haben wir einen fairen Partner gefunden und eine Regelung, mit der alle – die Narsdorfer wie die Geithainer – leben können.

Herr Rudolph: Was haben Menschen zwischen Kolka und Dölitzsch, Bruchheim und Oberpickenhain von Geithain zu erwarten?

So groß werden die Veränderungen nicht sein. Durch die Verwaltungsgemeinschaft sind die Kommunen seit Jahren verbunden. Verwaltungstechnisch wird manches einfacher. Nachteile muss niemand befürchten. Alles wird sich einspielen.

Was bringt die Fusion der wachsenden Kommune?

Mehr Effizienz und, das hoffe ich, ein bisschen mehr Service für die Bürger.

Ab wann gibt es für die Kommune mehr Geld?

Andreas Große: Mehr Schlüsselzuweisungen des Landes kommen erst 2018. Ein paar Kosten sparen wir aber schon zur Jahresmitte ein.

Frank Rudolph: Wobei keiner glauben soll, die Fusion machte uns reich. Wir reden hier von geschätzten 200 000 Euro jährlich, die wir gemeinsam mehr haben. Doch das hängt von unseren Steuereinnahmen ab. Bleiben die hoch – was ja gut ist -, gibt es weniger vom Land.

Welche Konsequenzen hat die Eingliederung mit Blick auf das Ortsrecht?

Wir werden nach und nach die Satzungen überarbeiten. Eine ist mir besonders wichtig: die der Feuerwehr. Wir wollen künftig nicht nur die Leitungsebene entschädigen, sondern alle Kameraden für Einsatz- und Dienststunden.

Andreas Große: Was die Steuern betrifft: Die zu vereinheitlichen, ist Sache des Stadtrates, wenn er den nächsten Haushalt diskutiert.

Frank Rudolph: Den beschließt der um sechs Narsdorfer Gemeinderäte aufgestockte Stadtrat. Ein gemeinsames Parlament wird regulär 2019 gewählt. Dann kehren wir zu den heute üblichen 18 Sitzen zurück.

Was wird mit den Narsdorfer Beschäftigten in Bauhof, Kindereinrichtungen, Verwaltung?

Andreas Große: Die gehen über auf die Stadt. Da ändert sich nichts.

Und die Unterhaltung der Straßen, die Pflege des Grüns?

Frank Rudolph: Darum kümmert sich der Bauhof, da werden wir sicher umstrukturieren. Wir haben im Vorfeld des Zusammengehens schon viel Technik erneuert. Das müsste passen.

Müssen die Vereine für Sportplätze und Einrichtungen höhere Gebühren fürchten?

Alles bleibt erst einmal, wie es ist. Das betrifft die Gebühren wie die Unterhaltung.

Haben beide Grundschulen Bestand?

Sie sind stabil.

Die nächsten Investitionen in den neuen Stadtteilen?

Wir machen im Sommer einen Nachtragshaushalt. Dort stellen wir Planungsleistungen für den Umbau der einstigen Narsdorfer Mittelschule ein und welche für die Aktualisierung des Bebauungsplanes Am Sandberg.

Wer vertritt ab morgen die Narsdorfer Interessen?

Andreas Große: Sechs ehemalige Gemeinderäte, die in den Stadtrat wechseln. Die anderen sechs bilden einen Ortschaftsrat, den ich als Ortsvorsteher leite.

Was bleibt von den Dörfern?

Die Einrichtungen, die etabliert sind. Wir können uns auch noch in fünf oder zehn Jahren in die Augen gucken. Daran zweifle ich nicht.

Frank Rudolph: Davon bin ich überzeugt. Nicht zuletzt aber haben das die Bürger vor Ort selbst in der Hand.

Von Ekkehard Schulreich

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