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Naturbelange bremsen Flutschutz in Kohren: Baustart für Rückhaltebecken nicht in Sicht

Stadtratssitzung Naturbelange bremsen Flutschutz in Kohren: Baustart für Rückhaltebecken nicht in Sicht

„Warum wird wegen eines Biotops das Hab und Gut vieler Familien aufs Spiel gesetzt?!“ Das wollte die Kohren-Sahliser Stadträtin Silke Reiße (CDU) am Dienstagabend wissen. Ihre Frage zielt ab auf den Bau eines Rückhaltebeckens bei Terpitz, dessen Planungen sich seit beinahe einem Jahrzehnt hinziehen – Baurecht oder gar ein Baubeginn sind noch immer nicht greifbar.

Eine Wasserwelle lief im Juni 2013 durchs Kohrener Land - am Töpfermuseum in Kohren-Sahlis musste mit Sandsäcken das Wasser in Schach gehalten werden. Das wollen die Leute nicht noch einmal erleben.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis. „Warum wird wegen eines Biotops das Hab und Gut vieler Familien aufs Spiel gesetzt?!“ Das wollte die Kohren-Sahliser Stadträtin Silke Reiße (CDU) am Dienstagabend wissen. Ihre Frage zielt ab auf den Bau eines Rückhaltebeckens bei Terpitz, dessen Planungen sich seit beinahe einem Jahrzehnt hinziehen – Baurecht oder gar ein Baubeginn sind noch immer nicht greifbar. Allerdings waren Henriette Salewski, bei der Landestalsperrenverwaltung im Bereich Rötha für Stauanlagen zuständig, und die Schömbacher Staumeisterin Claudia Schirmer die falschen Adressen dieses Nachhakens. Denn beide, die Bürgermeister Siegmund Mohaupt (CDU) eingeladen hatte, würden lieber heute als morgen das Bauwerk errichten. Doch die Verantwortung liegt bei der Landesdirektion Sachsen. Das Planfeststellungsverfahren, das eine Genehmigung bringen soll, läuft dort seit 2012. Die naturschutzrechtlichen Hürden und Einwände sind seither kaum geringer geworden. Das sorgte für Unmut nicht nur im Parlament, sondern auch auf den Besucherplätzen, wo besorgte Einwohner vergeblich auf gute Nachrichten hofften.

Ein 150 Meter langer Erddamm, bis zu acht Meter hoch, soll die Ratte nahe Terpitz im Gefahrenfall anstauen. Der Teich, der dann entstünde, könnte bis zu 218 000 Kubikmeter Wasser aufnehmen und so verhindern, dass Anrainer in Terpitz, Kohren-Sahlis, Streitwald und Frohburg von einer Flutwelle arg betroffen würden. Um so ein Bauwerk zu errichten, „müssen wir natürlich in Natur und Landschaft eingreifen“, sprach Salewski Klartext. Um Forderungen der Oberen Naturschutzbehörde nach einem Ausgleich zu entsprechen, habe man gemeinsam mit einem Planungsbüro fast zwei Jahre lang insgesamt zehn Varianten erwogen und sich letztlich dafür entschieden, einen vor Jahrzehnten abgeklemmten Altarm neu anzubinden. Doch das finde keine Akzeptanz, weil in einem heißen Sommer das Wasser nicht ausreichen könnte für eine ordnungsgemäße Befüllung. Die Landesdirektion versuche, an diesem Scheideweg eine Klärung herbeizuführen.

Und wenn das nicht gelinge: „Stehen wir dann wieder bei Null?“, wollte Daniel Ludewig (CDU) wissen. Sie hoffe es nicht, so Salewski, aber aus ihrer Sicht seien alle Möglichkeiten des Naturausgleichs ausgereizt. „Wir können doch nicht noch mal zehn Jahre warten“, bekräftigte Silke Reiße und schlug vor, mit einer Unterschriftensammlung den Behörden deutlich zu machen, wie dringlich und unverzichtbar der Becken-Bau sei.

Die Interessen der Landwirte und Flächeneigentümer zu wahren, mahnte Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) an. Eine zeitweilige Baustraße quer über einen Acker zu legen, sei nicht akzeptabel. Statt dessen sollten vorhandene Wege dauerhaft ausgebaut werden; sie stünden später dem Tourismus zur Verfügung. Damit rührte er ungewollt an einem nächsten wunden Punkt. Der Ausbau des Weges in Richtung Wenigossa verbiete sich, da in den alten Bäumen dort der Eremit wohne, sagte Claudia Schirmer. Gemeint ist kein Einsiedler mit langem Rauschebart, sondern eine Unterart des Rosenkäfers – und der ist durch Europarecht streng geschützt.

„Das ist alles für uns natürlich nicht befriedigend“, fasste Siegmund Mohaupt die Aussprache zusammen. Allerdings könnten die in der Runde Versammelten den Konflikt nicht lösen, denn alle seien sich ja einig darin, dass das Becken gebaut werden müsse, und zwar so schnell wie möglich. Man werde in engem Kontakt bleiben und darauf drängen, dass dieses Bauwerk des Hochwasserschutzes nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werde.

Von Ekkehard Schulreich

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