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Geithain Nenkersdorf: Theo Heils Dorfbuch ist gefragt
Region Geithain Nenkersdorf: Theo Heils Dorfbuch ist gefragt
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13:40 01.03.2016
Theo Heil ist der Nenkersdorfer Chronist und inzwischen der älteste Mann im Dorf. Quelle: Andreas Döring
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Frohburg/Nenkersdorf

Seit mehr als 70 Jahren führt Theo Heil Tagebuch. Präziser: Er notiert in einem Kalendarium Tag für Tag in wenigen Stichpunkten das wichtigste Geschehen, vor allem das dörfliche. Dass ihm diese Notizen in ihrer Authentizität einmal als Ortschronist von unschätzbarem Wert sein würden, konnte der 15-Jährige zu Beginn mitnichten ahnen. Heute ist Heil 87, und er befüllt seine Jahreshefte Tag für Tag mit Bemerkenswertem. Als er 2004 sein „Nenkersdorfer Dorfbuch“ vorlegte und darin die Geschichte seines Heimatortes von allem Anfang an beschrieb, musste er freilich weiter ausholen. Er recherchierte in Archiven, befragte Nachbarn. Mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Frohburg, zu der Nenkersdorf längst gehört, erfuhr die unermüdliche Tätigkeit des Heimatgeschichtlers eine öffentliche Würdigung.

Wer von Frohburg nach Nenkersdorf hereinkommt, sieht von Ferne schon das Dach einer prachtvollen Linde. Der Baum, 150 Jahre alt, beschirmt das am Dorfrand gelegene Elternhaus von Theo Heil, das dem agilen Mann in allen Jahren Heimstatt war. Hier ist er, gleich dieser Linde, verwurzelt. „Mein Lieblingsfach war mittelalterliche Geschichte“, blickt er auf seine Kinderjahre zurück. Das Interesse an Geschichtlichem, das ja der Gegenwart ganz unmittelbar folgt, hat ihn seinen Lebtag begleitet. Zeit, tiefer einzudringen in die Materie, das Zusammengetragene aufzuarbeiten, zu systematisieren und in Buchform niederzuschreiben, fand er erst, als die Wende seiner Berufstätigkeit ein erzwungenes Ende setzte.

Mit 16 Jahren holte ihn noch der Krieg. Er musste zur Fliegerabwehr, überlebte die Bomben auf Groitzsch unmittelbar vor dem Einmarsch der Amerikaner, überlebte die Gefangenschaft in Bad Kreuznach. Das Abitur hatte er, „doch nach dem Krieg war es schlecht mit Studieren“. Elektriker lernte er im Neukirchner Kohlenwerk, arbeitete im Beruf in der Böhlener Chemie, machte den Ingenieur im Fernstudium – und gehörte zu jenen vielen, die nach 1990 in den Vorruhestand abgeschoben wurden. Vor Müßiggang bewahrte ihn seine Affinität zur Regionalgeschichte. Der Gedanke, das Wissen über Nenkersdorf aufzuschreiben, reifte in den Siebziger-, Achtzigerjahren. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen. Er vertiefte sich in das Staatsarchiv, ging Überlieferungen nach, fragte die Alten im Dorf, erfuhr Ermutigung, Unterstützung – zum Beispiel von Wolfgang Müller, dem Bad Lausicker Heimatgeschichtler, mit dem er einst die Schulbank drückte. „Die ganz Alten sind inzwischen ausgestorben“, resümiert er, heute selbst der älteste Mann im Dorf. Seine mehr als 150 Seiten starke Publikation erzählt von der 1085 errichteten Kirche, dem Kloster, das bald folgte. Vom Ablasshandel, der in Nenkersdorf einst florierte; ein originaler Ablassbrief, den das Pfarrarchiv in Prießnitz verwahrt, bezeugt das. Wer im Dorfbuch blättert, für den werden mehr als 900 Jahre Geschichte lebendig; jeder einzelne Hof ist beschrieben bis in die Gegenwart hinein. Im Anhang folgen Fotodokumente, eine Chronologie im Überblick.

In vielen Nenkersdorfer Stuben steht Theo Heils Lebenswerk im Bücherschrank, ist in der Kommune zugänglich, ist geschätztes Kompendium anderer Heimatgeschichtler in der gesamten Region. Den Druck finanzierte er vor, musste aufgrund der großen Nachfrage nachdrucken lassen. „Dass ich dafür jetzt diesen Preis erhalten habe, hat mich gefreut“, sagt der Mann, der immer noch hellwach ist, der bis vor Kurzem zum Lesen keine Brille brauchte. Nach der Wende zählte er zu den Mitbegründern des Nenkersdorfer Heimatvereins, nimmt gerne teil an den monatlichen Zusammenkünften. Und erzählt gern über das Geschichtliche, wenn man ihn fragt. Zur 925-Jahr-Feier seines Heimatdorfes umriss er die Kirchengeschichte. Und er notiert unbeirrt, was heute geschieht und morgen schon Historie ist. Die kleinformatigen, äußerst aufschlussreichen Heftchen sind ein Schatz wie all die Dokumente, die auf dem Dachboden seines Hauses lagern. Sie werden jenen Quelle sein, die nach ihm die Geschichte Nenkersdorfs fortschreiben werden.

Von Ekkehard Schulreich

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