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Neue Nazis - Buchvorstellung und Diskussion in Geithain

Neue Nazis - Buchvorstellung und Diskussion in Geithain

„Neue Nazis – Populisten, autonome Nationalisten und der Terror von rechts" war die Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung Donnerstagabend im Geithainer Bürgerhaus überschrieben.

Geithain. Toralf Staud stellte sein gleichnamiges Buch vor, ein lebendiges Podiumsgespräch folgte, an dem auch SPD-Landtagsabgeordneter Henning Homann sowie Peter Frommelt, der Leiter des Geithainer Kinder- und Jugendhauses, teilnahmen.

 Fast 60 Zuhörer und Mitdiskutanten waren gekommen – in Bremen habe er elf Zuhörer gehabt, fand Staud die Resonanz nicht schlecht. „Wie viele aus Geithain sind denn hier? Die Leute halten sich raus", kritisierte dagegen ein Gast. Matthias Eisel vom Landesbüro Sachsen der Ebert-Stiftung bedankte sich bei Unterstützern der Veranstaltung wie der Initiative für ein weltoffenes Geithain und dem Leipziger Erich-Zeigner-Haus. Staud, Journalist und Autor, stellte sein gemeinsam mit Johannes Radke verfasstes Buch vor, verwies darauf, dass die „neuen Nazis" heute in der Öffentlichkeit oft unerkannt blieben. Der „rechte Rand" hat sich nach Ansicht der Autoren „zugleich radikalisiert und verbürgerlicht". Unsere Zeitung hat das Buch am Dienstag auf der Sachsen-Seite ausführlich vorgestellt.

„Wir haben Probleme an verschiedenen Stellen und Hoffnungsschimmer", erklärte Homann in der anschließenden Diskussion. Der Sprecher für demokratische Kultur und bürgerschaftliches Engagement war direkt von der Landtagssitzung in Dresden herbeigeeilt. „Sachsen ist Referenzprojekt der NPD" hielt er fest, die rechtsradikale Partei sei hier so stark wie in keinem anderen Bundesland. Das speise sich allerdings aus rechten Einstellungsmustern in der Mitte der Gesellschaft und die gebe es in ganz Deutschland. Dennoch hielt er zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus fest: „Wir sind in den letzten zehn Jahren in der bundesdeutschen und in den letzten fünf Jahren in der sächsischen Debatte vorangekommen." Mehr und mehr gäbe es Leute, denen es reicht, die etwas tun. Und dieses Engagement werde vom Staat gefördert und anerkannt, so der Abgeordnete.

Politikwissenschaftlerin Ellen Esen, Moderatorin der Runde, erinnerte an die Einschätzung des Sächsischen Innenministeriums, Geithain sei ein Schwerpunkt des Rechtsextremismus, in den Landkreisen Leipzig und Mittelsachsen und speziell in Geithain müsse „jederzeit mit Gewalttaten von Rechtsextremisten gerechnet werden", deren Ziel vor allem politische Gegner seien (die LVZ berichtete). Doch Esen erklärte auch: „Ich habe den Eindruck, hier bewegt sich was." „Es gibt ein Bedrohungsszenario, man kann sich nicht überall frei bewegen", bestätigte Peter Frommelt, der Leiter des Jugendhauses der Stadt. Dort versuche er, für die Besucher einen „geschützten Raum" zu schaffen. 

„Die Meinungsführer in kleineren Gemeinden sind wichtig", betonte Staud. Man müsse die Honoratioren dazu gewinnen, den Mund aufzumachen, um Orientierung zu geben, bestätigte Homann, der aus Roßwein stammt. Er sei bereit, Unterstützung zu geben – den Leuten, die „hier in Geithain in den letzten zwei Jahren aus einer richtig beschissenen eine nur noch beschissene Situation gemacht haben." Er habe ganz großen Respekt davor, wenn eine Stadt beginne, sich diesem Thema zu stellen, – man komme nicht drumherum.

Wer alle, die gegen rechts aufstehen, in die linksextreme Ecke stelle, gehe Nazis auf den Leim, betonte Homann. Das Gegenteil von Rechtsextremismus sei nicht Linksextremismus, sondern Demokratie, erklärte Staud. Stigmatisierung sei in Geithain ein Riesenproblem, sagte Frommelt. Das Jugendhaus gelte vielen als „linksextremistischer Club", egal welche Musik dort gespielt werde. Das sei „völliger Blödsinn", das Haus sei offen für alle, eine Ausschlussklausel für Rechtsextremisten hänge aber an der Tür. Geithains parteiloser NPD-Stadtrat Manuel Tripp habe Hausverbot wegen Verstoßes gegen die Hausordnung.

„Es gibt wenig Engagement, Demokratie zu leben", bedauerte Frommelt. Als „riesengroßes Arbeitsgebiet" sieht Geithains Bürgermeisterin Romy Bauer (CDU) alle, die nicht zur Wahl gehen. Die würde sie gern als Wähler im demokratischen Spektrum gewinnen.

Da zu diesem Thema keine sachliche Diskussion möglich scheint, müssen wir die Kommentare an diese Stelle schließen. LVZ-Online

Inge Engelhardt

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