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"Noch nie war das Dorf so massiv betroffen"

"Noch nie war das Dorf so massiv betroffen"

Eine Katastrophe hat sich in Niedersteinbach ereignet, teils mit betroffen waren die Nachbardörfer Wernsdorf und Langenleuba-Oberhain - alles drei Ortsteile der Stadt Penig, früher zum Kreis Geithain gehörig.

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David Wirth half gestern, den Schlamm aus dem Haus von Familie Jahn in Niedersteinbach zu schaffen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Niedersteinbach. Nahezu ganz Niedersteinbach habe Sonntagabend unter Wasser und Schlamm gestanden, berichtete gestern auf LVZ-Nachfrage Penigs Gemeindewehrleiter Thomas Cramer. Im unteren Teil von Oberhain war am Sonntag gegen 19 Uhr ein Auto von der Flut eingeschlossen und drohte mitgerissen zu werden. Feuerwehrleute retteten die beiden Insassen und übergaben sie leicht verletzt an den Rettungsdienst, berichtete Cramer. Ein Feuerwehrmann sei aus Erschöpfung quasi zusammengebrochen und kam ins Krankenhaus. Ansonsten habe es keine Verletzten gegeben, so der Brandinspektor.

 

 

Feiner Hagel hatte die Katastrophe am späten Sonntagnachmittag ganz leise eingeläutet. Dann folgte Starkregen, nicht mal eine Stunde lang, doch die Folgen waren verheerend. Auf Niedersteinbach, leicht im Tal gelegen, stürzten von allen Seiten Wasser und Schlamm von den Feldern nieder, der Bachlauf trieb es durch das ganze Dorf. Der Großteil der Häuser ist in Mitleidenschaft gezogen. Selbst die ältesten Einwohner könnten sich nicht daran erinnern, dass das Dorf schon einmal so massiv betroffen gewesen sei, sagt Thomas Cramer. Auch im Vergleich zum Hochwasser 2002 oder 2013 sei es dieses Mal viel schlimmer.

 

 

Die Feuerwehr war am Sonntag um 17.27 Uhr alarmiert worden. Von den Niedersteinbacher Kameraden gelangten viele zunächst gar nicht zum Gerätehaus, das nach kurzer Zeit rund einen halben Meter unter Wasser stand. Geistesgegenwärtig hatte ein Kamerad das Auto schnell rausgefahren, so dass die Niedersteinbacher ausrücken konnten. "Sie haben den Feuerwehr-Geist gelebt, nicht an sich selbst gedacht", hebt der Gemeindewehrleiter hervor, denn viele halfen an anderer Stelle, obwohl ihre eigenen Grundstücke betroffen waren. Sieben Peniger Ortswehren waren mit 82 Leuten und 15 Fahrzeugen im Einsatz - in der Nacht zunächst bis 3.30 Uhr. Dann verordnete Einsatzleiter Cramer eine Pause. "Jeder Körper verlang nach Schlaf", so der 43-Jährige gestern. Montag früh ab 6.30 Uhr waren die ersten wieder da, an diesem Tag arbeiteten Kameraden dann bis 21 Uhr vor Ort.

 

 

Gestern waren noch einmal etwa 20 Feuerwehrleute aus Obergräfenhain, Chursdorf und Niedersteinbach ab 8 Uhr im Einsatz, sie hofften, die restliche Arbeit bis zum Nachmittag zu schaffen. Das große Kellergeschoss eines städtischen Hauses galt es noch leerzupumpen. Dem Geruch nach Heizöl gingen die Brandschützer nach, holten Unrat aus dem Bachlauf. "Viel Unrat und Schmutz ist ins Dorf getragen worden", sagt der Gemeindewehrleiter. Die Aufräumungsarbeiten im kleinen Niedersteinbach seien umfangreicher als beim Hochwasser im Vorjahr in ganz Penig. "Die Leute hatten keine Chance, noch etwas zu retten", berichtet er. Wie eine Welle seien Wasser und Schlamm in das Dorf reingeschwappt. Innerhalb von Sekunden habe die Brühe bis 1,50 Meter hoch gestanden. Das ganze Ausmaß des entstandenen Schadens sei erst am Montag zu Tage getreten.

 

 

Die Ortsfeuerwehren hätten im Gefüge sehr gut funktioniert, betont Cramer. Unterstützung gab die Lunzenauer Wehr. Das Deutsche Rote Kreuz versorgte die Einsatzkräfte und die Betroffenen mit Essen und Getränken. Weil es keinen Strom gab, konnte ansonsten niemand kochen oder Tee machen. Cramer hebt die Hilfsbereitschaft untereinander in der dörflichen Struktur hervor. Wer selbst nicht ganz so stark betroffen gewesen sei, habe woanders zugepackt. Von Schock oder Panik sei im Dorf zunächst überhaupt nichts zu spüren gewesen. Die Erkenntnis, was passiert ist, werde bei vielen Betroffenen wohl jetzt erst kommen, erwartet er. Zunächst ging es nur ums Tun, ums Funktionieren.

Die Feuerwehrleute hatten das Dorf Sonntagabend komplett abgesperrt, niemand außer den Einsatzkräften kam rein oder raus. Die Katastrophe blieb in der Region fast unbemerkt. Vorteil für die Helfer: Sie hatten "freie Bahn" ohne Schaulustige. "Die Hilfsarbeiten liefen ungehindert, man konnte zügig und schnell eins nach dem anderen abarbeiten", hebt Thomas Cramer hervor. Er ist seit viereinhalb Jahren Gemeindewehrleiter in Penig. Nach dem Hochwasser vom Vorjahr sei das, was am Sonntag in Niedersteinbach passierte, das Zweitschlimmste gewesen, was er erlebt hat.

"Dass wir schon wieder dran sind, ist bedauerlich", erklärte gestern Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU) auf LVZ-Nachfrage. Er war bereits Sonntagabend vor Ort gewesen. "Ich bin stolz auf die Feuerwehren", so Eulenberger. Er dankte den Kameraden, das Zusammenspiel der Ortswehren habe gezeigt, dass die Gemeinde zusammensteht. Er dankte auch dem Roten Kreuz für dessen Einsatz sowie den Bürgern für die gegenseitige Hilfe. "Wir bemühen uns, nun schnellstmöglichst Normalität einziehen zu lassen", erklärt das Stadtoberhaupt. Das heiße, so schnell wie möglich die kreisliche und kommunale Infrastruktur wieder herzurichten. Für die Betroffenen will die Stadt ein Spendenkonto einrichten.

 

 

Nach erstem Überblick seien in Niedersteinbach rund 80 Prozent der Haushalte betroffen, erklärte gestern Rathaus-Sprecherin Manuela Tschök-Engelhardt. Ein älteres Ehepaar und zwei alleinstehende Damen mussten ihre Häuser verlassen und kamen bei Verwandten unter. Drei oder vier Häuser seien in Wernsdorf betroffen, in Langenleuba-Oberhain stand Wasser in acht Kellern. In Niedersteinbach sind mehrere Hundert Meter Fußweg beschädigt, das Feuerwehrgerätehaus ist betroffen. Grundhaft ausgebaut wird derzeit die Untere Hauptstraße, eine Kreisstraße. Hier wird auch die Brücke erneuert, die Schalung war schon gesetzt zum Betonieren. Nun müsse sie wohl erneuert werden, so Tschök-Engelhardt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.09.2014
Inge Engelhardt

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