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Notrufe aus dem Landkreis gehen ab 30. August in der Leipziger Leitstelle ein

Rettungszentrale Notrufe aus dem Landkreis gehen ab 30. August in der Leipziger Leitstelle ein

Ab 30. August ist die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) in Leipzig auch für den Landkreis Leipzig zuständig. Vertreter aller 32 Landkreis-Kommunen – in der Regel Stadt- und Gemeindewehrleiter – schlüpften vorab in die Rolle von Disponenten, um Alarmierungen zu simulieren.

Die Ortswehrleiter von Klinga und Grethen, Sven Medicke (l.) und Michael Pohl, beim Simulieren einer Alarmierung im Gemeindegebiet von Parthenstein.

Quelle: Simone Prenzel

Landkreis Leipzig. Sie soll geräuschlos und für den Bürger unbemerkt über die Bühne gehen: die Aufschaltung des Landkreises Leipzig auf die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) in Leipzig. Am 30. August ist es so weit. Ab früh 5 Uhr gehen alle Notrufe aus dem Landkreis bei den Disponenten in Leipzig-Großzschocher ein. Die Grimmaer Leitstelle geht dann vom Netz.

Die Integrierten Regionalleitstelle in Leipzig-Großzschocher, Gerhard-Ellrodt-Straße

Die Integrierten Regionalleitstelle in Leipzig-Großzschocher, Gerhard-Ellrodt-Straße.

Quelle: Andre Kempner

Dass alles reibungslos funktioniert, davon gehen die Verantwortlichen aus. „Seit Mitte August wurden die Disponenten geschult“, berichtet Kreisbrandmeister Nils Adam. Und vor allem hat man sich des Wissens aller 32 Stadt- und Gemeindewehren bedient. „Von allen Kommunen haben wir im Vorfeld Daten abgefordert“, erläutert Nils Adam.

 

Kameraden von 32 Wehren testen Alarmierung

An diesem Tag sitzen Abordnungen aus Thallwitz, Wurzen, Pegau, Parthenstein und Colditz vor den Monitoren. Sie sollen noch einmal ihre Ortskenntnis in die Waagschale werfen - so wie Vertreter aller Kommunen. Extra für die Stadt- und Gemeindewehrleiter wurde die Möglichkeit geschaffen, die Leitstelle von innen zu erleben. Stundenweise schlüpfen sie dafür in die Rolle von Disponenten. „So wird stichprobenartig überprüft, ob die Alarmvorschläge so klappen, wie das die Kommunen gewöhnt sind“, erklärt Nils Adam.

Thomas Pöge (r) und Michael Ferl  testen, wie die Alarmierung rund um Thallwitz funkttioniert

Thomas Pöge (r.) und Michael Ferl testen, wie die Alarmierung rund um Thallwitz funkttioniert.

Quelle: Simone Prenzel

Thomas Pöge, Bürgermeister der Gemeinde Thallwitz und selbst langjähriger Gemeindewehrleiter, sitzt gemeinsam mit seinem Nachfolger Michael Ferl vorm Monitor. In den Räumen der IRLS wird simuliert, welche Fahrzeuge im Ernstfall ausrücken, wenn es im nördlichsten Landkreiszipfel brennt. Pöge macht die Probe aufs Exempel, gibt einen Brand im Ortsteil Lossa ein, der leicht mit der Nachbarkommune Lossatal zu verwechseln ist. Michael Pohl, Chef der Klingaer Wehr, schaut sich an, ob die Bereichsfolge bei einem Brand in Großsteinberg am See so klappt, wie das die Kommune bisher praktiziert. Die Pegauer Abordnung macht die Probe aufs Exempel: Was passiert, wenn ein Anrufer einen Unfall in Peißen meldet? Der Colditzer Stadtwehrleiter Robert Zillmann und Stellvertreter Steffen Schmidt testen, welche Fahrzeuge beim Brand eines Mehrfamilienhauses in Colditz alarmiert werden. „Wir haben die Gelegenheit genutzt, einen Vorfall in jedem Ortsteil zu simulieren“, berichtet das Duo.

Steffen Schmidt (vorn, v

Steffen Schmidt (vorn, v. l.) und Robert Zillmann von der Feuerwehr Colditz schlüpften in der Leipziger Leitstelle in die Rolle von Disponenten. Hilfestellung gaben Administrator Thomas Ruhl (hinten, v. l.) und Kreisbrandmeister Nils Adam.

Quelle: Simone Prenzel

Um die Disponenten auf ihr neues Einsatzgebiet vorzubereiten, wurden die Computer in der Leipziger Gerhard-Ellrodt-Straße mit zusätzlichen 80 000 Datensätzen gespeist. Im Einsatzleitsystem ist alles hinterlegt: die Alarmierungsadressen von rund 3600 Kameraden, sämtliche Organisationsstrukturen und Ansprechpartner – von der Telefonnummer jedes einzelnen Bürgermeisters bis zu Verantwortlichen der Straßenmeistereien. „Sechs Mitarbeiter kümmern sich darum, dass alle Daten immer auf dem neusten Stand sind und alle Systeme ordnungsgemäß funktionieren“, informiert Holger Groß, Leiter Informationstechnik der IRLS. Die neue Notrufzentrale in Leipzig-Großzschocher ging im Januar 2016 in Betrieb. Bereits seit vorigem Jahr wird Nordsachsen von hier aus alarmiert. Mit der Aufschaltung des Landkreises Leipzig ist die Großleitstelle nun komplett.

Herzstück des millionenschweren Neubaus im Leipziger Südwesten ist der Leitstellen-Raum. Maximal 21 Disponenten können hier zeitgleich Notrufe entgegennehmen – und das rund um die Uhr 365 Tage im Jahr. Zum Team gehören 75 Mitarbeiter, diese erhalten ab 31. August Verstärkung durch zehn Kollegen der Leitstelle Grimma.

Jeder Disponent sitzt vor mehreren Monitoren. Wird zum Beispiel ein Unfall per Handy gemeldet, sieht er automatisch, woher der Anruf kommt. Diese Ortung funktioniert sehr genau. „So lässt sich der Standort des Anrufers bis auf ein Areal von wenigen Quadratmetern genau eingrenzen“, erläutert Holger Groß. Das sei oft hilfreich, denn in der Hektik wüssten viele nicht genau, wo sie sich gerade befinden. Auf einer Bildschirmmaske kann der Ort weiter eingegrenzt werden, idealerweise durch einen Straßennamen. „Aber auch in der Bevölkerung gebräuchliche Begriffe oder tradierte regionale Bezeichnungen sind hinterlegt“, so der Vertreter der IRLS, der im Ehrenamt selbst Feuerwehr-Vize einer Leipziger Wehr ist. Außerdem wurde das Einsatzleitsystem mit Plänen aller rund 300 Brandmeldeanlagen gefüttert, über die Schulen, Kliniken, Pflegeheime oder Firmen zum besonderen Schutz verfügen. Sobald in einem dieser Objekte die rote Lampe angeht, ploppt auf dem Disponenten-PC das hinterlegte Dokument mit weiteren Anweisungen auf. Auch sogenannte überörtliche Alarmierungspläne sind erfasst. „Im Landkreis Leipzig gibt es zwei davon, den Industriestandort Böhlen-Lippendorf und das Steinbruchunternehmen Maxam in Röcknitz. „Bei diesen Standorten besteht ein höheres Gefahrenpotenzial“, erläutert Kreisbrandmeister Nils Adam.

Helfer werden per Mausklick in Marsch gesetzt

Je nachdem, welche Hilfe benötigt wird, geht die Alarmierung raus: entweder an die zuständigen Feuerwehren, Rettungsdienstfahrzeuge oder Kräfte des Katastrophenschutzes. Binnen Sekunden werden die Helfer so per Mausklick in Marsch gesetzt. Am Bildschirm kann der Disponent verfolgen, ob die Hilfe auf dem Weg ist oder sich eventuell in die falsche Richtung bewegt. Ein Funkkontakt zwischen Rettern und Leitstelle ist in so einem Fall immer möglich. Außerdem ist Vorsorge getroffen, wenn größere Schadensereignisse wie Unwetter oder Hochwasser über die Region hereinbrechen, „dann stehen weitere sechs separate Arbeitsplätze in einem gesonderten Raum zur Verfügung“, erläutert IT-Chef Holger Groß. Außerdem kommen dann lokale Einsatzzentralen ins Spiel, die in 14 Gerätehäusern im Kreis etabliert werden.

„Der Bürger“, erklärt Nils Adam abschließend, „wird von der Umstellung nichts merken.“ Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadt Leipzig habe man alles dafür getan, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen.

Von Simone Prenzel

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