Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Oberschüler und Künstler Gunter Demnig verlegen in Bad Lausick Stolpersteine
Region Geithain Oberschüler und Künstler Gunter Demnig verlegen in Bad Lausick Stolpersteine
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:03 07.05.2016
Schüler der zehnten Klasse der Oberschule und der Künstler Gunter Demnig halten mit den Stolpersteinen die Erinnerung an die jüdische Familie Hirsch wach, die von den Nationalsozialisten ermordet worden ist.  Quelle: Foto: Julia Tonne
Anzeige
Bad Lausick

 Bisher war sie namenlos und in Vergessenheit geraten, seit Freitag erinnern die ersten Stolpersteine in Bad Lausick an die von den Nationalsozialisten ermordete jüdische Familie Hirsch. Zu verdanken ist das Schülern der Werner-Seelenbinder-Oberschule, die ein Jahr lang die Biografien von Siegmund, Sophie, Fanny, Margarethe, Else und Max Hirsch sowie von Johanna Michaelis, geborene Hirsch, recherchiert und am Freitag zusammen mit dem Künstler Gunter Demnig die Stolpersteine verlegt haben.

 Was die zehn mal zehn Zentimeter großen Steine mit den Namen der Opfer der Nationalsozialisten betrifft, war Bad Lausick „bisher ein weißer Fleck“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Manfred Hönig bei der Verlegung. „Das grausige Geschehen können wir nicht mehr rückgängig machen, aber wir dürfen diese dunkle Vergangenheit nicht vergessen“, machte er deutlich.

Monatelang haben Katharina Weidner, Hans Müller und ihre Klassenkameraden der 10 a den Schicksalen der Familie nachgespürt. Ursprünglich waren sie von drei Familienmitgliedern ausgegangen. Nach Besuchen im Stadt- und im Staatsarchiv hatten sie dann jedoch neun Namen ausfindig gemacht. „Wobei wir lediglich zu dem Familienvater Siegmund und zu den sechs von sieben Kindern die Schicksale und Verfolgung durch die Nazis rekonstruieren konnten“, wie Weidner sagt. Drei von ihnen gelang noch in den 30er-Jahren die Flucht ins Ausland, der Vater und drei Kinder wurden in verschiedene Konzentrationslager deportiert und dort kurze Zeit später ermordet. Die Recherche verlangte den Schülern einiges ab, „die Schicksale der Familie berühren einen sehr“, erklärte Müller. Bücher und Filme könnten zwar Wissen über die NS-Zeit vermitteln, „aber durch die Schicksale einzelner Menschen wird erst spürbar, wie grausam die Zeit war und welche perfiden Methoden die Nazis genutzt haben, um alle Andersdenkenden zu vernichten“, sagt der Schüler.

Henry Lewkowitz vom Erich-Zeigner-Haus in Leipzig betonte, wie wichtig diese Aufarbeitung sei. „Die Schüler haben konkrete Biografien gefunden und gezeigt, wie die Familie verfolgt worden ist“, sagte er lobend. Doch mit den sieben Stolpersteinen in der Straße der Einheit vor dem Haus mit der Nummer 40 (der letzte frei gewählte Wohnort der Familie Hirsch) sei am Freitag erst ein Anfang in Bad Lausick gemacht worden. „Es hat sich gezeigt, dass es noch mehr jüdische Familien hier gab. Jetzt gilt es, auch ihnen eine würdige Erinnerung zuteil werden zu lassen.“

Die sieben Bad Lausicker Steine gehören zu mittlerweile mehr als 50 000 bundesweit. „Damit sind die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt“, erklärt Müller. Der Künstler Demnig war am Freitag selbst in Bad Lausick, Frohburg und Grimma, um die Erinnerungssteine zu verlegen. 1992 hatte er mit dem Projekt begonnen. „Mit den Steinen, auf denen der Name, Geburtsname, die Lebensdaten, das Deportationsjahr und der Ermordungsort stehen, bekommen die Opfer des NS-Regimes ihre Identität zurück“, macht Demnig deutlich. Durch die Platzierung im Boden sei das Vorbeugen zum Lesen der Inschrift als symbolische Verbeugung vor den Toten anzusehen.

Der stellvertretende Bürgermeister Hönig betonte zum Abschluss noch einmal, wie wichtig es sei, die Erinnerung an die zwölf Jahre Schreckensherrschaft wach zu halten. „Gewalt und Hass haben in unserer Gesellschaft nichts zu suchen.“

Von Julia Tonne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die „Himmelsfahrer“ im Landkreis Leipzig machen Station im Garden Eden. Ob im Muldental oder im Kohrener Land – überall lockte Kaiserwetter zu Touren in die schönsten Ecken des Landkreises. Die Denkmalschmiede lädt zum beschaulichen Wandelkonzert ein, an der Schiffsmühle steigt eine große Party und am Lindenvorwerk kann man die Seele baumeln lassen.

05.05.2016
Borna Ex-Pumpstation in Maltitz wird Biotop - Amphibien aus dem Tagebau Profen siedeln nach Groitzsch um

Der Groitzscher Ortsteil Maltitz ist neue Heimat für tausende Amphibien. Sie lebten bisher im Vorfeld Domsen des Tagebaus Profen und werden von Mibrag, Nabu und Ökostation umgesiedelt.

21.02.2018

Einen Länder-Tag gibt es an der Frohburger Oberschule seit mehreren Jahren, nie aber war er so international wie in dieser Woche: Das liegt an den geflüchteten Mädchen und Jungen, die in Frohburg in einer DaZ-Klasse unterrichtet werden, Deutsch als Zweitsprache erlernen und die sich in die Vorbereitung des Tages einbrachten.

03.05.2016
Anzeige