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Obstalleen an den Straßen immer seltener

Obstalleen an den Straßen immer seltener

Obstbäume entlang der Straßen prägen die Landschaft seit Jahrzehnten. Sie sind eine aussterbende Spezies nicht nur um Bad Lausick, nicht nur im Kohrener Land.

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Sind Alleen ein Relikt der Vergangenheit, allenfalls noch im Rückspiegel zu sehen? Die B 7 zwischen Roda und Streitwald zeigt, dass dem nicht so sein muss.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick/Kohren-Sahlis. Was morsch und gefällt wird, wird kaum ersetzt. Bäume gefährden Autofahrer, so sieht es der Gesetzgeber. Und erlaubt Neupflanzungen nur in weitem Abstand. Dem widersetzt sich oft die Landwirtschaft, die an ihrem Ackerboden festhält.

 

 

"Im letzten Winter sind so viele Bäume an den Straßen weggekommen. Mit Sicherheit waren die nicht alle krank oder stellten eine Gefahr dar." Christian Hagmaier ist entsetzt. Viel zu oft, viel zu schnell für seinen Geschmack wird die Säge an Bäume gelegt. "Von den ehemals blühenden Landschaften, die es nach der Wende noch gab, ist nicht mehr viel übrig", bedauert der Vorsitzende der Buchheimer Initiative für Natur- und Landschaftsschutz und spielt ganz bewusst auf ein geflügeltes Kanzler-Wort an. Dabei seien die von den Vorvätern gepflanzten Obstalleen wichtige Elemente der hiesigen Kulturlandschaft, ganz unabhängig davon, ob das Straßenobst heute noch genutzt werde oder nicht. Die Baumreihen hält er nicht nur für unverzichtbare Lebensräume: "Sie sind ganz wichtig für das Landschaftsbild für uns, die wir hier leben, aber auch für die Ausflügler." Die Schuld dafür, dass immer mehr Landstraßen zu baumlosen Pisten werden, gibt Christian Hagmaier dem Gesetzgeber. Der stellt sich etwa in seinen "Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme" oder den "Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen beim Aufprall auf Bäume" auf die Seite der Autofahrer. "Schwere Verkehrsunfälle vermeiden wollen, ist grundsätzlich richtig. Doch der Ansatz stimmt nicht."

 

 

"Straßenbäume stellen ein potenzielles Unfallrisiko dar", verteidigt Rolf Löcher, Leiter des Straßen- und Hochbauamtes des Landkreises Leipzig, die Richtlinien, spricht von widerstrebenden Interessen. Bäume, die neu gepflanzt werden, müssten 4,50 bis zu 8 Meter vom Fahrbahnrand in die Erde, sagt er. Oder sie müssten durch Leitplanken geschützt werden. "Eine Geschwindigkeitsbegrenzung, nur weil ich außerorts einen Baum schützen will, würde keiner akzeptieren." Wenn der Landkreis den Ausbau von Straßen plane, sehe er Grün vor, so der Amtsleiter. Doch weil der Landverbrauch erheblich sei, stoße die Behörde dabei an Grenzen.

 

 

Ein Beispiel, das Licht und Schatten zeigt, ist die von Kitzscher nach Großbardau führende Kreisstraße, die der Kreis in mehreren Abschnitten grundhaft erneuern ließ. Zwischen Lauterbach und Großbardau wurden, zumindest auf einer Seite, wieder Bäume gepflanzt - zwischen Lauterbach und Steinbach nicht. Hier seien ein Landwirtschaftsbetrieb und die Kirchgemeinde nicht bereit gewesen, den für einen Radweg und für Bäume nötigen Streifen zu verkaufen, sagt Rolf Löcher. Nicht schön, doch allenfalls zu ändern durch ein langwieriges Planfeststellungsverfahren mit der Chance, Flächen zu enteignen - oder zu scheitern. Die Bäume, die der Landkreis für die Verbreiterung dennoch zu pflanzen in der Pflicht ist, stehen laut Löcher jetzt ein Dutzend Kilometer entfernt und werten eine alte Stallbrache auf.

"Die Selbstverantwortlichkeit des Fahrers im Straßenverkehr muss wieder mehr Betonung finden, dann können auch die Bäume wieder näher an die Straßen rücken. Entsprechende Standards, die im Übrigen viele Steuergelder verschlingen, sollten überarbeitet werden", sagt Georg-Ludwig von Breitenbuch, CDU-Landtagsabgeordneter und Landwirt in Kohren-Sahlis. Er kritisiert das "Fehlen von Demut, das auch vor Bäumen nicht Halt" mache. Ausgleichsmaßnahmen seien richtig, in unmittelbarer Nähe von großen Bauvorhaben könnten Landwirte über Gebühr belastet werden. Deshalb sollte man einen erweiterten Korridor ins Auge fassen. "Im Kohrener Land habe ich mich selbst mit vielen anderen dafür eingesetzt, die alten Obstbaumreihen durch neue junge Obstbäume zu ersetzen, weil diese Obstbaumreihen ein wunderschönes Wahrzeichen sind", sagt von Breitenbuch. Ganz im Gegensatz zu dem Hineinsetzen der Bäume in die Felder, wie das aktuell gerade hier passiere (die LVZ berichtete).

 

 

Sind in ein, zwei Jahrzehnten (Obst-)Baumreihen entlang der Straßen im Südleipziger Land Geschichte? "Dieses Szenario halten wir für nicht zutreffend und nicht belegbar", sagt Florian Schaefer, Sprecher des sächsischen Wirtschaftsministeriums. Naturschutzrechtliche Belange nähmen einen großen Stellenwert bei sämtlichen Straßenbauvorhaben ein. Die Neupflanzung und der Ersatz einzelner Bäume werde in jedem Fall geprüft. "Das schreiben die einschlägigen Richtlinien vor, die der Freistaat selbstverständlich beachtet. Neben den Belangen der Verkehrssicherheit sind dabei zum Beispiel auch die Interessen der angrenzenden Eigentümer und Nutzer zu beachten."

Was aus Sicht des Buchheimers Christian Hagmaier die Obstalleen retten könnte, wäre ein klares Bekenntnis zu ihnen seitens der Politik. Amtsleiter Rolf Löcher vermag zumindest eine Brücke zu bauen, wenn er auf eine Analyse des Kreisstraßennetzes verweist. Die soll jetzt erarbeitet werden und zeigen, welche Trassen "in den nächsten Jahren überhaupt noch Kreisstraßen-Charakter haben. Das hat Auswirkungen auf die Investitionsschwerpunkte." Doch dann läge der Ball im Feld der Kommunen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.06.2014
Ekkehard Schulreich

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