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Geithain Orgeln faszinieren Bad Lausicker
Region Geithain Orgeln faszinieren Bad Lausicker
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11:06 03.11.2016
Klaus Gernhardt an seinem Clavichord, er hat es nach historischer Vorlage selbst gebaut. Quelle: Jens Paul Taubert

Viele Restaurierungen hat er begleitet, macht seit Jahren Besucher des Leipziger Bachfestes bei Exkursionen auf verborgene Orgel-Schätze des Leipziger Landes aufmerksam. Nicht zuletzt führte das 1956 in Bad Lausick aufgestellte Instrument ihn mit seiner Frau zusammen.

 

 

 "Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet Gründe." Zwei Sätze, die für Klaus Gernhardt (75) mehr sind als ein Lebensmotto: Sie sind Extrakt der sechs Jahrzehnte, in denen er beruflich und - das ist schwerlich zu trennen - emotional mit Orgeln, mit Musik verbunden ist. Das Interieur seines Arbeitszimmer verweist darauf: Fotografien von Orgeln, alte Stiche, ein mit Porzellan-Schildern eines Harmoniums besetzter Schlips ("Ein Geschenk zu meinem Sechzigsten!"), ein kleines Harmonium (das er in Buchheim barg und mit einem neuen Gehäuse versah). Ein Clavichord, selbst gebaut nach historischer Vorlage. "Das ist so leise im Ton, dass ich auch früh um drei darauf spielen kann, ohne jemanden im Haus zu stören."

 

 

 Von ganz anderer Stimmgewalt sind die Orgeln. Im thüringischen Kahla, wo Klaus Gernhardt aufwuchs, verfolgte er fasziniert die Montage eines solchen Instrumentes: "Mein Berufswunsch stand mit 13 fest." Doch nicht Orgelbauer, Möbeltischler lernte er, und obwohl er keine Nachtschränkchen zimmern wollte, war es von Nutzen. Er wechselte nach Leipzig zur Orgelfirma Lahmann. "Da lernte ich die verschiedensten Systeme kennen, bekam Einblick in alle Leipziger Orgeln." Und in viele des Umlands. Davon zehrt er bis heute. 1956 setzte er die Silbermann-Trampeli-Orgel aus der Auligker Kirche nach Bad Lausick um, an deren vierten Ort. "Es gibt wenige Orgeln, die eine so bewegte Biografie haben", sagt er, um anzufügen: Dabei lernte er Christine kennen, Tochter des Pfarrers Seifert; sie heiraten. Dass die Orgeln und die Musik ein Halt sein können, muss er erfahren, als die zweite Tochter - die Erstgeborene Anne-Kristin ist heute Superintendentin in Altenburg - in Kinderjahren stirbt und er 1994 seine Frau verliert.

 

 

 Vier Jahrzehnte arbeitet Gernhardt im zur Leipziger Universität gehörenden Musikinstrumentenmuseum als Restaurator, leitet später die Werkstatt. 5000 Instrumente in den Vitrinen und im Depot sind zu erhalten, einige herzurichten für die regelmäßigen Konzerte auf historischem Instrumentarium. 1976 stößt er eine Fachschul-Ausbildung für Restauratoren an, die es bis dato nicht gibt. Über die Studenten von einst pflegt er bis heute Kontakte in viele Ecken der Welt. Kontakte, die er auch zu Instrumentenbauern und -sammlungen hat, die er für große Reisen aber erst nach der Wende nutzen kann.

 

 

 Seit 2001 nicht mehr im Beruf, ist er in vielen Ländern unterwegs, aber auch hierzulande in vieles eingebunden. Aktuell beschäftigen ihn vier Orgeln, die restauriert werden sollen, unter anderem in Klinga und in Krippehna. Für die Rettung der Pomßener Orgel ("Die älteste Sachsens!") hat er sich ebenso eingesetzt wie für die in der heutigen Pilgerkirche Kleinliebenau am Jakobsweg bei Leipzig. Schon seit Anfang der siebziger Jahre ist er als freier Sachverständiger gefragt. "Der Wiederaufbau der Orgel in der Dresdner Hofkirche war mein erster Auftrag", erinnert er sich, damals im Auftrag der Denkmalpflege. Für das Leipziger Bacharchiv sind es Orgelfahrten, die er zu den Bachfesten anbietet. Ging es im vergangenen Jahr nach Borna und Großdeuben ("um zu zeigen, dass mit der Überbaggerung wegen der Kohle auch Orgeln verschwinden"), stehen Mitte Juni 2013 unter anderem Steinbach, Bad Lausick und Störmthal auf dem Programm. Zudem bedient sich der Rundfunk gern seines Sachverstandes, wenn es darum geht, die Orgelkonzerte des MDR-Musiksommers vorzubereiten.

 

 

 "Faszination Orgel 2013" heißt ein Faltblatt, das der Tourismusverein Leipziger Neuseenland gemeinsam mit Klaus Gernhardt erarbeitet hat. Und damit die Intentionen der Orgelstraße Leipziger Land aufgreift und ausbaut, die der Förderverein Hähnel-Orgel Steinbach angestoßen hatte. Den Reichtum der Instrumente und der Klangerlebnisse nahebringen ist ein Anliegen, das ihn nicht ruhen lässt. Und so gab es kürzlich bei der 7-Seen-Wanderung sogar eine in Naunhof startende Orgelführung. Wobei eines Klaus Gernhardt am Herzen liegt: Orgeln nicht nur als historische Instrumente zu begreifen. Schließlich ende die Entwicklung nicht mit großen Namen wie Silbermann, Kreutzbach, Hildebrandt, Ladegast. Orgeln würden bis in die Gegenwart gebaut, im Leipziger Neuen Gewandhaus und demnächst in der im Bau befindlichen katholischen Probsteikirche in Leipzig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.05.2013

Ekkehard Schulreich

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