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Ortschefs der Region Leipzig fordern schnellen Bahnstrecken-Ausbau von Minister Dobrindt

Bundesverkehrswegeplan Ortschefs der Region Leipzig fordern schnellen Bahnstrecken-Ausbau von Minister Dobrindt

32 Bürgermeister und Ortsvorsteher aus der Region Leipzig haben einen Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unterschrieben, in dem die Aufnahme des Streckenausbaus der Bahnverbindung Leipzig–Chemnitz in den Bundesverkehrswegeplan 2030 gefordert wird. Direkt nachgefragt haben die Kommunalchefs aber Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Ausbaus für einzelne Gebiete.

Die Aufnahme der Ausbaupläne im Streckenabschnitt Leipzig–Chemnitz in den Bundesverkehrswegeplan 2030 haben 32 Ortschefs der Region Leipzig in einem Brief an den Bundesverkehrsminister gefordert.

Quelle: dpa

Landkreis Leipzig. Post aus Sachsen, unterschrieben von 32 Oberbürgermeistern, Bürgermeistern und Ortsvorstehern, bekam kürzlich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Parteiübergreifend machen sich die Wahlpolitiker stark dafür, dass der Ausbau der Bahnstrecke Leipzig–Chemnitz via Bad Lausick und Geithain doch noch in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen wird. Bei aller Einvernehmlichkeit: Der Blick auf den Bahnverkehr zwischen beiden Oberzentren ist durchaus differenziert. Und ein Streckenausbau betrachten nicht alle als Verbesserung.

„Das Oberzentrum Chemnitz und der dicht besiedelte südwestsächsische Raum benötigen endlich wieder Anschluss an den Schienenpersonenfernverkehr“, heißt behördlich korrekt in besagtem Brief. Übersetzt: Die Elektrifizierung darf nicht noch weiter hinaus geschoben werden. Die „vereinte Breite der Anrainer der Strecke“ ist indes nicht so homogen. Da gibt es etwa die Kritik an den heutigen, mit viel Lärm verbundenen Verhältnissen. Ein Grund, weshalb Großpösnas Bürgermeisterin Gabriele Lantzsch (parteilos) den Brief nicht unterschrieb. Sie forderte ihrerseits sogar ihre Amtskollegen auf, vor einer Unterschrift noch einmal in sich zu gehen.

„Die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan ist zwingende Voraussetzung, um die Investitionsmittel für einen zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke zu bekommen“, argumentiert Lars Naumann (Freie Wähler), Bürgermeister von Burgstädt und einer der Initiatoren des Briefes. „Die Kollegen versprechen sich durch diese Aufnahme Verbesserungen in vielen Bereichen“: den Anschluss von Chemnitz an das Fernnetz, den Einsatz moderner, schnellerer, bequemerer Bahnen und die Reduzierung des Bahnlärms.

Eine Position, die Andreas Große unterstützt. Er ist parteiloser Bürgermeister der Gemeinde Narsdorf, die an der Strecke einst Kreuzungsbahnhof mit Anschlüssen gen Rochlitz und Altenburg war. Das zweite Gleis, nach dem Krieg abgebaut, müsse wieder her, außerdem moderne Technik. Den Regionalexpress der MRB nennt Große einen Rückschritt: „Ziel muss es sein, die Strecke auf den Stand der Technik zu bringen.“ Leider werde die Neigetechnik (vor Jahren für mehrere Millionen Euro installiert) nicht genutzt.

An einer modern ausgebauten Strecke ist Geithains Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) nicht minder gelegen. Was den Fahrplan betreffe, sei Geithain mit Regionalbahn, Regionalexpress und der S-Bahn nach Halle schon heute in einer komfortablen Situation. Wenn auch keine Wünsche offen seien, unterschrieben habe er vor allem aus Solidarität mit den Nachbarkommunen.

„Uns geht es vorrangig um die Bedienung mit modernen Zügen, die den aktuellen Forderungen nach Barrierefreiheit Rechnung tragen. Ist dies auf konventionellem Wege nicht mehr möglich – wie das Ergebnis der letzten Ausschreibung zeigt – bleibt nur eine Elektrifizierung, um künftig bei Ausschreibungen die Wahl zu haben“, benennt Michael Hultsch (parteilos) den Bad Lausicker Standpunkt.

„Wenn wir gar nichts unternehmen, haben wir auch nichts gekonnt“, meint Roland Geistert, Ortsvorsteher von Liebertwolkwitz. Die Sache sei zweischneidig: So wie der Verkehr hier aktuell abgewickelt werde, könne es nicht weitergehen – so laut, so urzeitlich. Andererseits: „Einen zweigleisigen Ausbau, das wollen wir nicht.“

„Der Bundesverkehrswegeplan löst nicht unser Lärmproblem. Beides miteinander zu verknüpfen, ist unzulässig“, untersetzt Gabriele Lantzsch ihre Kritik am Dobrindt-Brief. Chemnitz habe natürlich ein Interesse an einem komfortablen Fernverkehr, doch der dürfe nicht zu Lasten der Menschen an der Strecke gehen. Würde die Strecke in der Tat zweigleisig – wofür der Platz zumindest in Großpösna gar nicht da wäre – und elektrifiziert, würden hier auch Güterzüge rollen. Alles andere wäre ja gesamtwirtschaftlich kaum sinnvoll. Doch das könnten die Gemeinden entlang der Trasse nicht wollen: „Wir haben heute einen ordentlichen Regionalverkehr. Der könnte dann sogar gefährdet sein.“

Dass ein Ausbau der Strecke für Frohburg, namentlich der Ortsteile Tautenhain und Hopfgarten, positive Effekte hätte, meint Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW): „Außerdem liegen die Entwicklungschancen der Stadt Frohburg vor allem gerade darin, dass wir genau in der Mitte zwischen Leipzig und Chemnitz liegen.“ Bundesverkehrsministerium und Deutsche Bahn müssten sich aber endlich klar zu einer Vorzugstrasse positionieren. Von vor Jahren getroffenen Aussagen wolle „heute niemand mehr etwas wissen“.

Unterzeichnet haben den Brief auch Kommunen, die an der Strecke (noch) keinen Bahnhof haben: Grimma, Kitzscher, Lunzenau, Kohren-Sahlis. „Beim Thema Ausbau und Elektrifizierung von Bahnstrecken konnte die Stadt Borna in den letzten Jahren eine Paraderolle übernehmen“, sagt die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke). Man habe eine hervorragende Anbindung der Stadt über die Schiene erreicht: „Um die Interessen meiner Amtskollegen zu unterstützen und der berechtigen Forderung nach einer Verbesserung des Schienenverkehrs in unserer Region Nachdruck zu verleihen, habe ich gern den offenen Brief an Verkehrsminister Dobrindt unterzeichnet.

Von Ekkehard Schulreich

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