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Geithain Ossaer Sägemühle hat wieder ein Mühlrad
Region Geithain Ossaer Sägemühle hat wieder ein Mühlrad
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17:25 30.03.2012
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. Denn schon als Kind träumte der Urenkel des einstigen Besitzers davon, die Mühle wieder zum Laufen zu bringen. Zum Jubiläum „775 Jahre Ossa" im September ist er gern bereit, Besuchern die Mühle samt Rad zu zeigen.

In manchen Momenten kann Marco Stiller es selbst noch nicht glauben, dass es sich nun dreht – das Mühlrad von dem er so lange geträumt und an dem er so viele Stunden gearbeitet hat. „Ich schaue heute noch manchmal nach, ob es wirklich da ist", erzählt er. Sicher ist das auch nötig, weil er es sich schon so viele Jahre vorgestellt hat und schon lange, bevor es so weit war, das Geräusch des fallendes Wassers, des sich drehenden Rades im Ohr hatte – auf der schmalen Bank oberhalb der Mühle sitzend an Abenden, wenn wieder ein Stück geschafft war. Einmal wird es wieder so weit sein, daran hat er nie gezweifelt.

Der 39-Jährige ist auf diesem Mühlengrundstück in Ossa aufgewachsen. Die Mahl- und Sägemühle ist eine von ehemals drei Wassermühlen, die es einst in Ossa gab. In den Jahren 1903 bis 1913 rüstete der damalige Besitzer Bruno Beyrich seine Sägemühle auf damals neuzeitliche Maschinen um. Er legte zudem den Mühlteich und den Mühlgraben an. Bis in die fünfziger Jahre hinein wurde hier mit der Kraft des Ossabachs gesägt – zuletzt durch Stillers Urgroßvater Albin Müller. Stellmacher und Tischler aus der Region ließen Holzarbeiten in Ossa sägen. Floss das Wasser über den Mühlgraben zum Mühlrad, konnte das Sägegatter acht Stunden lang laufen. Die Wasseroberfläche des Teiches sank dabei um 60 Zentimeter.

Marco Stillers Urgroßvater hatte das Grundstück 1936 erworben, machte bis nach dem Krieg Lohnschnitt im Zusammenspiel von Elektro- und Wasserkraft. Auch die Bretter für jene Kisten seien in Ossa gesägt worden, in denen nach dem Zweiten Weltkrieg die Maschinen des Geithainer Emaillierwerkes in die Sowjetunion abtransportiert wurden, erzählt Marco Stiller. Sein Großonkel Walter Müller hatte 1946 in Geithain die Firma Walter Müller Sägewerk Geithain gegründet. Daraus entstand das heutige Unternehmen Ladenburger. Der Sägebetrieb in Ossa wurde 1953 eingestellt, die Maschinen verkauft und nach Geithain transportiert. Die Ossaer Sägemühle war nur noch eine Hülle.

Marco Stiller hat sie seit 1997 wieder zum Leben erweckt. 1998 konnte das Vollgatter, das von Geithain nach Regis verkauft worden war, wieder an seinem ursprünglichen Platz in der Ossaer Mühle eingesetzt werden. Das originale Horizontalgatter war nicht mehr auffindbar. Familie Tetzner, Eigentümer der Bornschen Mühle in Frohburg, ermöglichte Marco Stiller den Abbau eines ähnlichen Gatters und den Einbau in seiner Mühle.

Die Krönung ist nun das Wasserrad. Schon als Kind habe er gewusst, dass er dieses Mühlrad einmal bauen will, erzählt der Familienvater. Vom alten Holzrad gibt es keine Fotos, morsch wird es geworden sein, allmählich zerfallen.

Zunächst hatte er sich um das Wasserrecht gekümmert, mit Unterstützung der Wasserbehörde beim Landratsamt bekam er es 2003. Der Mühlgraben musste in Ordnung gebracht werden. „Dann hatte ich Wasser, aber kein Rad", erinnert sich Stiller. 2009 und 2010 hat er es dann gebaut. Das neue Mühlrad hat einen Durchmesser von vier Metern. „Durch die Stahlbauweise ist die Handhabung ziemlich einfach", erklärt Marco Stiller.

Die Welle stammt aus der alten Mühle von Manfred Hainich in Langenleuba-Oberhain und ist 2009 nach Ossa gekommen. Gebaut worden war sie 1945 im Getriebewerk Penig. Sie ist aus Eisen und deshalb sehr haltbar, wiegt eine Tonne, dazu kommen drei doppelte Tonnenwalzlager. Streben, Radkranz mit Schaufeln und der Schaufelboden entstanden aus Fichtenholz. Berechnet hat die Maße des Wasserrades Gunther Euchner in seiner Abschlussarbeit für das Technikerstudium. Seit Kurzem ist alles komplett, auch die Zulaufrinne in Betrieb. „Das hat sehr viel Arbeit gemacht", blickt Stiller zurück. Um die Bedingungen für den optimalen Betrieb herauszufinden, konnte er nur immer wieder ausprobieren, ist mit dem Ergebnis nun endlich zufrieden.

Inge Engelhardt

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