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Oster-Ausflügler: "Man muss mal an die Luft"

Oster-Ausflügler: "Man muss mal an die Luft"

Flockenwirbel mit einigen kurzen Lichtblicken - das Osterwetter hatte es in sich. Dennoch zog es eine Reihe von Ausflüglern ins Kohrener Land, natürlich nicht annähernd so viele, wie es sonst bei warmem Frühlingswetter jeweils sind.

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Familie Herbig aus Oberfrankenhain mit ihren Kindern (v.l.) Linda, Gustav und Marie im Märchengarten, hinten sind Opa und Oma Tille.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohrener Land. Doch die Veranstalter nahmen es gelassen und waren nicht unzufrieden.

 

 

Mützen, Schals und warme Jacken gehörten gestern zur Ausrüstung der Wanderer, die sich von Großbothen aus durch den Glastener Forst zur Andacht in die Kirche in Glasten aufgemacht hatten. Ganz groß vor allem bei den Kleinen kam der Stopp beim Glastener Schäfermeister Andreas Kober an, denn der hatte Osterlämmer zum Streicheln.

 

 

Den Ostersonntag nutzten eine Reihe von Ausflüglern für einen Besuch im Kohrener Land. "Das Wetter stört uns nicht", bekräftigten Holm Krebs aus Leipzig und seine Begleiterin. Sie hatten in Kohren-Sahlis das Töpferhaus Arnold besucht, waren zum Lindenvorwerk und zurück gewandert und hatten sich dann mit dem Auto auf den Weg zum Frohburger Schloss gemacht. Das Schlossmuseum hatte über die Osterfeiertage extra geöffnet. "Wir sind zufrieden", erklärte Museumsmitarbeiterin Marion Buschmann am Sonntag. Bei dem Wetter habe man ja auch denken, können, dass niemand kommt. Karfreitag seien 18 Gäste da gewesen, am Sonnabend elf und am Sonntag bis 15 Uhr weitere zehn. "Den Besuchern hat es gefallen", freute sich Marion Buschmann.

 

 

Den Märchengarten in Gnandstein besuchte am Sonntag erstmals Familie Müller aus Langenleuba-Oberhain mit Oma und Opa Rauschenbach. Der vierjährige Linus hatte sich vorgenommen, Frau Holle zu sagen, sie möge mit dem Schnee aufhören. "Wir sind richtig froh, dass hier offen ist, man muss mal an die Luft", erklärte Elke Rauschenbach.

Rund 100 Besucher würden an einem warmen Ostertag kommen, erzählte Märchengarten-Betreiberin Petra Sporbert. Die Wetterlage vom Wochenende erinnerte sie an das erste Ostern nach der Eröffnung 2008 mit Null Grad und Matsch. "Wir halten durch", stand für sie aber fest. Während Karfreitag niemand gekommen sei, besuchten am Sonnabend einige Familien und auch Erwachsene ohne Kinder das Märchen-Areal. Zum Basteln am Sonnabend seien 15 bis 20 kleine und große Teilnehmer gekommen, fertigten kleine Geschenke wie Deko-Häuschen oder lustige Ostereier. Auch gestern schauten sich Neugierige unter anderem die sechs neuen Märchen an, wie "Die sieben Raben" oder "Rumpelstilzchen".

 

 

Beim Handdruck gleich gegenüber kamen am Sonntag vor allem Großfamilien. Tags zuvor seien auch Leute dagewesen, die sich über Ausflugsziele für den Sommer informieren wollten, erzählte Cornelia Hennig, Mitarbeiterin vom Handdruck. "Der harte Kern war da", lachte sie - dazu zählten neben den Altenburger Radfahrern auch Gäste aus dem Neuseenland und Leipzig. "Das ist ja hübsch hier", staunte Karin Franke im Verkaufsraum des Handdruckes. Sie kam mit ihrem Mann Werner gerade vom Essen auf der Burg Gnandstein. Den Ausflugstipp ins Kohrener Land hatten die Messestädter der Leipziger Volkszeitung entnommen. Nun wollten sie sich noch den "Irrgarten der Sinne" am Lindenvorwerk ansehen.

 

 

Dessen Inhaber Jörg Günther wärmte sich gerade mit einem Glühwein auf. Noch nie habe er als "verwirrter Osterhase" so gefroren. Wer ein Weihnachtslied sang, konnte sich aus seinem Korb entweder eine Möhre oder einen Schoko-Weihnachtsmann nehmen. Halb so viele Gäste wie letztes Jahr Ostern seien dagewesen, schätzte er. Der Besuch am Sonntag sei in Anbetracht der Wetterlage sehr gut gewesen, nachdem Freitag und Sonnabend nur einige Gäste gekommen seien. Über fünf Liter Glühwein gingen Ostersonntag weg.

 

 

Fast 100 Mühlenbrote seien am Sonnabend über den Ladentisch gegangen erzählte Gerlind Greve vom Mühlenverein, der zum Besuch der benachbarten Lindigtmühle einlud. Betrieb sei an allen Ostertagen gewesen, viele hätten im Lindenvorwerk ihr Essen bestellt - die würden dann auch eine Runde drehen, allerdings kürzer als sonst. Erstmals sah die 92-jährige Hildegard Richter die Mühle von innen. Sie war mit ihrem Neffen Horst Richter und dessen Frau Elfriede da. Der Leipziger hat vor rund 50 Jahren in Jahnshain gewohnt, elf war er, als die Amerikaner kamen und er dort das Kriegsende erlebte. Immer wieder ziehe es ihn noch heute in die alte Heimat, erzählte Horst Richter.

 

 

Hans-Peter Zacharias folgt immer mal wieder den Einladungen des Heimatvereins Prießnitz-Trebishain. Am Sonntag ließ er sich in Prießnitz vom Vereinsvorsitzenden Andreas Mäder im Schneegestöber den originalgetreu nachgebauten Turm erläutern, der bald auf das Rittergut kommt. Der Colditzer interessiert sich für alte Gebäude - vor allem, wenn sich jemand ihrer annimmt. "Ich ziehe den Hut vor dem Heimatverein", betonte der Besucher. 50 Roster hatten die Vereinsmitglieder vorbereitet, die Frauen liebevoll Kuchen gebacken. Besucher konnten die Ausstellungsräume im Rittergut besichtigen, und für Kinder gab es kleine Spiele. Nele Johanna Heuchardt aus Prießnitz wetteiferte im Fadenaufwickeln nicht nur gegen ihren Opa Wolfgang Schmidt, sondern sogar gegen den "Osterhasen" Kati Legel. Das machte der Fünfjährigen viel Spaß. Sie durfte sich im Anschluss ein Osterei aussuchen und nahm ein rotes - ihre Lieblingsfarbe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.04.2013

INGE ENGELHARDT

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