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Panne bei Rentenversicherung: unsensible Entscheidung zur Reha-Kur einer Krebspatientin

Medizin Panne bei Rentenversicherung: unsensible Entscheidung zur Reha-Kur einer Krebspatientin

An ein paar Kilometern Mehrkosten für das Taxi scheiterte Imke Brands Reha-Aufenthalt in Bad Elster. Statt dessen schickte der Rentenversicherung die Frau nach einer Stammzellen-Transplantation in die Dahlener Heide. Nach einer LVZ-Intervention räumte der Versicherer jetzt eine Fehlentscheidung ein. Er entschuldigte sich bei der Schönauerin.

Wegen geringerer Taxi-Kosten wurde eine Krebspatientin aus Schönau in eine für ihre Therapie nicht optimale Reha-Klinik umgeleitet.

Quelle: Mario Jahn

Frohburg/Schönau. Ihre Reha-Kur hatte sich Imke Brand ganz anders vorgestellt: Nach der dritten Krebs-Behandlung binnen eines knappen Jahrzehnts und einer Stammzellen-Transplantation bewilligte ihr die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland endlich eine Rehabilitation. In der Paracelsus-Klinik in Bad Elster sollte sie eine dreiwöchige stationäre onkologische Nachsorge erfahren. Doch daraus wurde nichts: Es scheiterte an der Transportfrage. Stattdessen buchte der Rententräger die Frau aus Schönau gegen ihren Willen um: in die Dahlener Heide. Dorthin durfte sie anstandslos mit dem Taxi reisen. Doch die Reha dort habe sich, sagt sie, erheblich von der in Bad Elster unterschieden. Vor allem aber ärgert sie, dass der Rentenversicherer wegen weniger Taxi-Kilometer mit ihr, der noch immer Schwerkranken, so umsprang. In dessen Zentrale in Leipzig nahm man sich den Vorgang noch einmal vor – ruderte zurück und entschuldigte sich in dieser Woche bei der Versicherten.

Imke Brand fühlte sich drei Wochen wie im falschen Film: „In Dahlen war ich zu der Zeit die einzige Stammzellen-Transplantierte, die noch eine Maske trug. Keiner wusste so richtig, was er mit mir machen sollte“, formuliert Imke Brand in einem Beschwerdebrief an die Rentenversicherung. Anders als die anderen habe sie die Mahlzeiten abgeschirmt auf ihrem Zimmer einnehmen müssen. Selbst als die Familie sie besuchte, war ein gemeinsames Essen verwehrt. Kontakte habe sie, derart isoliert, kaum aufbauen können. Das habe ihr seelisch zugesetzt, aber kaum zu einer Besserung ihres Gesundheitszustandes beigetragen.

Dabei waren die Zeichen im Frühjahr, nach der überstandenen Transplantation in der Leipziger Uni-Klinik ganz andere: Noch mit der dortigen Sozialarbeiterin habe sie den Reha-Antrag gestellt. Schon Anfang Mai schickte der Rentenversicherung die Bestätigung für Bad Elster: „Den Aufnahmetermin wird ihnen die Rehabilitationseinrichtung mitteilen.“ Dorthin sollte Imke Brand, die zurzeit weder selbst fahren noch öffentliche Verkehrsmittel nutzen darf, mit dem Privatfahrzeug fahren. Ihr Mann Steffen konnte wegen seines Jobs nicht einspringen. Brand bat um Taxi-Transport, erhielt stattdessen aber die Nachricht: „Ihrem Antrag auf Änderung der Reha-Einrichtung wird entsprochen.“ Nach Dahlen sollte plötzlich die Reise gehen – per Taxi. Imke Brand war perplex, hatte diesen Antrag nie gestellt, doch es blieb dabei.

„Ich finde es eine bodenlose Frechheit, was hier mit Kranken gemacht wird“, sagt die 45-jährige Mutter zweier Kinder. Bei ihr würden ein paar Euro Taxikosten gespart. Andererseits – sagt sie mit Blick auf Fernseh- und Presseberichte – würden Asylbewerber in Sachsen per Taxi zwischen Aufnahmeeinrichtungen und zu Ärzten gefahren. So mit zweierlei Maß zu messen, sei beschämend. Für Brand, die 2007 und 2013 bereits Krebs-Operationen überstehen musste, scheiterte eine vor drei Jahren ins Auge gefasste stationäre Reha schließlich daran, dass sie nicht beide Kinder habe mitnehmen dürfen. „Der Große sollte in der Zeit in ein Heim. Das lehnte ich ab“, sagt sie. Und fuhr drei Wochen Tag für Tag nach Leipzig zu einer ambulanten Kur. Umso größer waren ihre Genugtuung über die in Bad Elster zugesagten Behandlungen und die Ernüchterung angesichts dieser Ausladung.

„Die Auswahl einer Reha-Einrichtung erfolgt in erster Linie unter medizinischen Gesichtspunkten“, sagt Ursula Wächter, Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland in Leipzig der LVZ. Immer müsse man aber auch wirtschaftliche Aspekte im Blick haben. Soviel zum Grundsätzlichen. „Im Fall von Frau Brand müssen wir uns aber Asche aufs Haupt streuen. Den betreffenden Mitarbeitern hat es offenbar schlicht am nötigen Fingerspitzengefühl gefehlt.“ Angesichts der Schwere der Erkrankung hätte man keine derart „unsensible Entscheidung“ treffen dürfen – ganz abgesehen davon, dass die Taxi-Fahrtkilometer sich keinesfalls gravierend unterschieden. Dass der Versicherer in seinem Schreiben an Imke Brand unterstelle, sie selbst habe nach Dahlen wechseln wollen, erklärte die Sprecherin mit „Textbausteinen“, die beim Verfassen solcher Schreiben verwendet würden, im konkreten Fall aber nicht Zutreffendes implizierten. „Was geschehen ist, ist nicht gut. Es war kein böser Wille“, so Wächter: „Wir haben uns dafür inzwischen persönlich entschuldigt.“

Von Ekkehard Schulreich

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