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Paul-Guenther-Schule Geithain braucht mehr Fünftklässler

Paul-Guenther-Schule Geithain braucht mehr Fünftklässler

Nach Jahren des Schülerbooms gibt es an der Geithainer Paul-Guenther-Schule ab September nur eine fünfte Klasse. Zwar greift hier ein Moratorium, das Schulschließungen in Sachsen zunächst ausschließt.

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Die Paul-Guenther-Mittelschule braucht künftig mehr Füntklässler, um bestehen zu können und hofft auf Unterstützung der Geithainer.

Quelle: Inge Engelhardt

Geithain. Doch wenn es im kommenden Jahr nicht 40 Anmeldungen für die neuen 5. Klassen gibt, könnte die Geithainer Mittelschule in Gefahr sein – wieder einmal. „Die Geithainer sollen weiter hinter ihrer Schule stehen“, wünschen sich Mittelschulrektor Gunter Neuhaus und Rüdiger Schallock, Vorstand der Schulstiftung. Sonst bestünde die reale Gefahr, dass die traditionsreiche Schule in nicht allzu ferner Zukunft Geschichte ist, warnen sie. Wünschen würden sie sich deshalb auch ein klares öffentliches Signal der Geithainer Rathausspitze für diese Schule und Engagement der Kommunalpolitik in Sachen Schülerverkehr. Nur eine 5. Klasse mit 28 Schülern darf die Paul-Guenther-Schule zum kommenden Schuljahresstart bilden. 31 Familien hatten ihre Kinder angemeldet, drei von ihnen mussten an eine andere Schulen gelenkt werden. Die Grundursache für die diesjährige Anmeldezahlen sieht Mittelschulrektor Gunter Neuhaus in der demografischen Entwicklung. Wenn weniger Zehnjährige in der Stadt leben, besuchen auch weniger die Mittelschule. In den letzten Jahren habe das Projekt Gemeinschaftsschule zahlreiche Schüler aus dem Umland angezogen. „Sie haben in ihrer Schulentwicklung große Erfolge erzielt“, so Neuhaus. Die Landesregierung hat den Schulversuch „Schule mit besonderem pädagogischem Profil/Gemeinschaftsschule“ auch in Geithain 2009 vorzeitig beendet – trotz aller Elternproteste und Bedenken der Pädagogen. „Für uns ist völlig unklar, warum diese erfolgreiche Entwicklung mit großer Ausstrahlung in Sachsen und in andere Bundesländer abrupt enden musste“, kritisiert Schallock erneut. „Wären wir Handelsvertreter in Sachen Schule, wären wir sehr erfolgreich“, resümiert er. Diese sächsische Entscheidung widerspreche dem bundesweiten Trend. „Die Politik hat ohne Not ein Projekt zerstört und das sehr, sehr große Engagement von Schulleitung, Eltern, Lehrern mit Füßen getreten.“ Das sei für die Stiftung, die sich ebenfalls stark ehrenamtlich engagiert habe, unverständlich. Seitdem sehe das Landratsamt keine Notwendigkeit mehr, Schüler aus entfernter gelegenen Orten den Schulbesuch in Geithain per Schülertransport zu ermöglichen, so Neuhaus. So hätten beispielsweise Familien aus Wechselburg Interesse an dieser Möglichkeit für kommendes Schuljahr gehabt. Doch ihre Kinder können die Geithainer Schule nicht pünktlich erreichen. Zusätzliches Geld müsste der Landkreis dafür nicht in die Hand nehmen, argumentiert Neuhaus. Denn es würde ausreichen, die vorhandenen Busse, die als Bahnersatz verkehren, besser zu koordinieren. „Dazu müssten die Verantwortlichen beider Landkreise auf-einander zu gehen“, so der Schulleiter. „Wir fordern von den Kommunalpolitikern, das bestehende Verkehrsnetz mit den Schulen besser zu koordinieren“; erklärt Schallock. Dafür sollten Eltern weiter Druck machen. Immer noch keine abschließende Antwort gibt es auf eine entsprechende Petition des Elternrates an den Sächsischen Landtag (die LVZ berichtete). Denn attraktiv sei die Geithainer Bildungseinrichtung nach wie vor auch für Familien aus dem Umland. Der Antrag ist gestellt, ab kommendem Schuljahr gute Erfahrungen aus dem Projekt Gemeinschaftsschule in die Mittelschule zu übernehmen. Die neue Schulordnung im Freistaat mache es möglich, so Neuhaus, und die Signale aus Dresden seien positiv. Damit sollen Mittelschüler in Geithain weiter die Chance bekommen, eine zweite Fremdsprache zu erlernen, von der Einteilung in durchlässige Leistungsgruppen zu profitieren sowie von zusätzlichen Fördermöglichkeiten. Die intensive Berufsorientierung von Klasse sieben bis neun soll es auch künftig geben. Was nicht weiter geführt wird, sind spezielle G-Klassen, die Schüler auf den späteren Besuch eines Gymnasiums vorbereiten. Doch der Trend bei den Gemeinschafts- beziehungsweise Mittelschülern gehe ohnehin mehr zum Beruflichen Gymnasium. Neuhaus: „Wenn ich mein Kind an der Mittelschule anmelde, heißt das nicht, dass es nicht studieren kann.“ Doch auch Rahmenbedingungen zugunsten der Paul-Guenther-Schule ließen sich günstiger gestalten, betont Schallock, denn Schule sei Abbild der Entwicklung einer Kommune. Auf Probleme sei seit Jahren aufmerksam gemacht, aber seitens der Stadt zu wenig reagiert worden. Das betreffe die Einladung an junge Familien, sich anzusiedeln. Zudem bringe die Randlage Geithains zwischen zwei Kreisen und Regierungsbezirken und die Tatsache, dass die Kommune in Sachen Gemeindegebietsreform bislang allein geblieben ist, zusätzliche Schwierigkeiten. Schon vor Jahren hätte die Schulbehörde zudem erklärt, dass mehrere Schularten in so einer kleinen Stadt wie Geithain keinen Bestand haben könnten. Man habe deshalb relativ wenig Verständnis, dass dennoch anderweitige Entscheidungen angestoßen wurden. „Zumal andere Kommunen heute ganz aktiv für ihre staatlichen Schule wirken“, so Schallock.

Thomas Lang

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