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Geithain Pferdezüchterin aus Langenleuba-Oberhain legt in Guinea Garten an
Region Geithain Pferdezüchterin aus Langenleuba-Oberhain legt in Guinea Garten an
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11:03 11.04.2018
Ilona Pfreundtner mit Heiler Sadabiou (links) und Institutsleiter Direktor Barry. Quelle: privat
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Penig/Langenleuba-Oberhain

Zugänge öffnen zu Bildung, zu medizinischer Versorgung: Dafür setzt sich der Verein Projekt Misside Guinea ein. Um diese Anliegen ganz unmittelbar zu unterstützen, reiste Ilona Pfreundtner für vier Wochen in das westafrikanische Land. Ein für sie in vielfacher Hinsicht ungewohntes Terrain. Die 51-Jährige züchtet Pferde, betreibt in Langenleuba-Oberhain das Friesengestüt „Black Pearl“. Ihr Faible für pflanzliche Medizin aber ist ihre Klammer zwischen ihrem sächsischen Dorf und der Stadt Télimélé, wo ein Institut zur Ausbildung von Arzthelferinnen, Hebammen, Laborantinnen entsteht.

Heilpflanzen zur Linderung von Krankheiten

In einem der ärmsten Landstriche des Landes, wo es nicht nur an Arzneien der global agierenden Konzerne fehlt, richtete sie einen Garten für Heilpflanzen ein. Was hier wächst, soll – verbunden mit dem Jahrhunderte alten Wissen der Heiler und Schamanen sowie der modernen Medizin – Kranken Linderung schaffen.

Ilona Pfreundtner hilft in Guinea. Quelle: privat

„Die Menschen haben viele Möglichkeiten, sich selbst zu helfen. Doch das muss ihnen bewusst sein, setzt Wissen und Rückbesinnung auf ureigene Traditionen voraus“, sagt Pfreundtner, die erst vor wenigen Tagen von dieser ungewöhnlichen Reise heimkehrte. Wenn westliche Medikamente nicht zur Verfügung stünden, hätten die Ärzte meist nichts in der Hand. Dabei halte selbst in einem so armen Land die Natur Mittel bereit, um Krankheiten vorzubeugen oder zu behandeln. Der Moringa-Baum etwa, der selbst in Wüsten wachse, könne mehr als 400 Krankheiten heilen – wenn man wisse, wie. Ingwer sei eine Pflanze, die antibakteriell, antiseptisch und organunterstützend wirke.

Vertrauen eines Schamanen gewonnen

Ilona Pfreundtner, die in ihrer Oberhainer Pferdezucht seit Jahren auf Naturmedizin setzt, die das vermeintliche Unkraut Beinwell gegen Schwellungen und Sehnenverletzungen nutzt, der die Kraft des viel geschmähten Löwenzahns bekannt ist, arbeitete in Télimélé mit einem Schamanen zusammen, der sich mit alten Rezepturen auskennt. „Es brauchte Zeit, bis er Vertrauen fasste und mich an seinem Wissen teilhaben ließ.“

Ilona Pfreundtner aus Langenleuba-Oberhain rührt in einem Gemisch aus Ingwer, Tamarinde und Honig. Quelle: privat

Gemeinsam braute man etwa ein Mittel gegen Malaria, welches über das Institut Anwendung findet. Parallel dazu ermunterte sie die Schüler der Ausbildungsstätte, den Erfahrungsschatz der Altvorderen in die Gegenwart zu holen, sich mit Pflanzenwachstum und der traditionellen Arzneimittel-Herstellung zu befassen, etwa um einen sehr vitamineichen Trank zu kreieren.

Eingebunden wurden auch Landwirte aus der Nachbarschaft, die sich mit der Verbesserung der Böden befassen. Sie greifen auf ein natürliches Substrat von Roland Plocher zurück, das Pfreundtner in Oberhain seit 20 Jahren nutzt.

„Der Bodenbeleber regt die Mikroorganismen an und sorgt über Regenwurm-Kulturen dafür, dass der Boden wieder ins Gleichgewicht kommt. Auf dieser Basis sollen die Weichen für eine nachhaltige, ertragreichere Landwirtschaft gestellt werden.“ Plocher setze auf nachhaltige, ökonomisch-ökologische Lösungen, die in Guinea als Hilfe zur Selbsthilfe zur Existenzsicherung beitragen könnten. Deshalb unterstütze er das Projekt.

Berufsausbildung für Frauen aufgebaut

Für Guinea begeistert wurde die Pferdezüchterin – die einst als Geschäftsleitungsassistentin in der Automobilindustrie tätig war und sieben Sprachen spricht – durch Amadou Yombo Diallo, Lehrer am Europäischen Gymnasium Waldenburg. Er initiierte bereits den Bau von drei Grundschulen in seiner afrikanischen Heimat und gewann vor allem in Sachsen Mitstreiter, die dem Verein auch bei seinem zweiten Projekt zur Seite stehen: der Berufsausbildung von Frauen, um ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Zu diesem Institut gehören Arztstation, Internat und Berufsschule sowie der im Aufbau befindliche Heilpflanzen-Garten. Ein unverzichtbares Bewässerungssystem für Letzteren befinde sich noch im Bau, sagt Pfreundtner – wie so vieles, das auf den Weg gebracht sei, nun aber fortgesetzt und vollendet werden müsse.

Verein braucht Hilfe in jeder Form

Dafür bauche der Verein Projekt Misside Guinea weiterhin Hilfe – von schwarzen Kunststofftonnen, die, auf das Dach gesetzt, warmes Wasser liefern, über Dachrinnen und Kopiertechnik bis zu Geld, um einen zusätzlichen Mediziner in der Station beschäftigen zu können. „Die Station ist überlaufen. Die Ärzte arbeiten zwölf, vierzehn Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.“

Zurück in Oberhain konzentriert sich Ilona Pfreundtner wieder auf ihr Gestüt. Ihre Kurse wie „Pferde verstehen“, zu Gesundheitsmanagement und für Führungskräfte sind gut gebucht. Der Besuch in Guinea aber hat in ihr eine Saite angerissen, die nachklingt. „Der Keim wurde gelegt für ein tragfähiges Projekt. Ob es ein Erfolg wird, hängt von der Konsequenz ab, mit der es vor Ort verfolgt wird.“

Moringa-Baum schlägt in Langenleuba-Oberhain Wurzeln

Sie nimmt aus der Ferne daran teil, steht in regelmäßigem Austausch zu Fragen der Naturheilkunde. Einige Samen des Moringa-Baums hat sie auf ihrem Hof im Buttermilchwinkel in Blumentöpfen zu Pflänzchen herangezogen. Aber ob die in hiesiger Erde Wurzeln schlagen können? Für Ilona Pfreundtner ist das nicht entscheidend, sondern das: „Wir brauchen viele Menschen, die den Verein unterstützen. Dafür stehe und werbe ich gerne.“

Spenden sind erwünscht unter www.projekt-misside.de.

Von Ekkehard Schulreich

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