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Plausch im Äther: Kohrener Amateurfunker pflegen weitweit Kontakte

Amateurfunk Plausch im Äther: Kohrener Amateurfunker pflegen weitweit Kontakte

Das Smartphone ist für sie nicht wirklich Konkurrenz: Die Amateurfunker des DARC-Ortsverbandes Kohren-Sahlis setzen auf eine Technik, die ihnen seit Jahrzehnten Freiräume öffnet und die keinesfalls überholt ist. Mitte Juli gibt es im Irrgarten am Lindenvorwerk das jährliche Klubtreffen.

Kontakte in alle Welt: Kluges am weitesten entfernte Gesprächspartner leben in Neuseeland und Neukaledonien.

Quelle: privat

Kohren-Sahlis. Mit Luther persönlich Kontakt aufzunehmen, wird den Amateurfunkern im 500. Jahr des Thesenanschlags nicht glücken. Immerhin aber war kürzlich unter dem Sonderrufzeichen DL500ML Margot Käßmann zu sprechen, Botschafterin der evangelischen Kirche für das Lutherjahr und Schirmherrin der Funkaktivitäten des Vereins Deutscher Amateur-Radio-Club (DARC) im Jubiläumsjahr. Sonderfunkstationen gibt es nicht nur im Lutherjahr. In Kohren-Sahlis, am Lutherweg gelegen, wurde kürzlich von der Burg gefunkt. Der DARC-Ortsverband Kohren-Sahlis aktivierte die Kennungen SAX-108 und DL-01214, um für „Sammler“ von Burgen erreichbar zu sein. Der Amateurfunk hat im Kohrener Land seit Jahrzehnten schon seine Antennen in den Äther gerichtet. Zwar zählt die Gruppe der Enthusiasten nur noch acht Herren im meist gesetzten Alter. Doch sie sind überzeugt, dass in Zeiten von Handy und Whatsapp das Funken keinesfalls überholt ist.

„Früher, das war was, wenn man funken konnte. Da haben sich viele junge Leute für diese Technik interessiert“, sagt Rolf Heinich und lacht. Mit früher meint der 70-Jährige die Jahrzehnte der DDR. Er selbst wurde 1962 „infiziert, bei Reinhard Dathe in Bad Lausick. Und ich habe meinem Rathendorfer Nachbarn Walter Doberenz über die Schulter geschaut. Der war ein Bastler, hatte das Rufzeichen der Klubstation Bad Lausick“. Fünf Jahre später hatte Heinich eine eigene Lizenz. Der Ingenieur für Elektronik baute und reparierte in den letzten anderthalb Jahrzehnten vor der Rente große Mobilfunk-Anlagen. Amateurfunk aber sei etwas anderes: „Man kann nicht davon lassen, wenn man es einmal betreibt.“ Reinhard Dathe, zum Ortsverband Bad Lausick gehörend, baute in der Kurstadt ein renommiertes Fachgeschäft auf, das Sohn Frank heute betreibt.

Arndt Kluge (48) kann Heinichs Aussage nur bestätigen. Er war ab Klasse 5 in der Arbeitsgemeinschaft „Junge Funker“, die Heinich an der Kohrener Schule leitete, machte 1986 seine Lizenz. „Alles was heute mit unserem Hobby zu tun hat, davon konnten wir in den Achtzigerjahren nicht mal träumen“, sagt er Energiewirtschaftler. Die Technik habe man seinerzeit zusammengefriemelt aus dem, was Polizei und Armee ausmusterten. Und auch das weltweite Kontakthalten, das den Reiz ja ausmache, habe erheblichen Einschränkungen unterlegen. Kluges eigene Karte heute weist viele Dutzend farbige Dreiecke auf allen Kontinenten aus – Orte, zu denen er via Funk Verbindungen herstellen konnte, die weiteste Distanz misst 18 000 Kilometer bis Neuseeland.

So sieht Arndt Kluges QSL-Karte aus – begehrter Beleg für den Kontakt

So sieht Arndt Kluges QSL-Karte aus – begehrter Beleg für den Kontakt. Sie zeigt die Kohrener Burgtürme in einer Ansicht aus dem 18. Jahrhundert.

Quelle: Repro LVZ

Begehrte Belege für diese Kontakte sind QSL-Karten. In Papierform werden sie über die DARC-Zentrale versendet; inzwischen gibt es auch eine elektronische Variante. Kluges Karten zeigen die Kohrener Burgtürme in einer Ansicht aus dem 18. Jahrhundert. Aus guten Grund lud der Ortsverband, zu dem Mitstreiter auch aus Frohburg, Altenburg und Penig gehören, Anfang Mai zum Burgentag. Nahe der Burg, auf dem Areal der Evangelischen Heimvolkshochschule, gingen sie für alle funkenden Burgen-Freunde auf Sendung. „Funkamateure sind natürlich bestrebt, zu Sonderfunkstationen Kontakt herzustellen“, sagt Rolf Heinich. Burgen, Bergspitzen, Leuchttürme, Naturschutzgebiete ... – die Sammellust der Funker sei unerschöpflich. Die Kohrener aktivierten deshalb auch schon die Schlösser in Frohburg und Penig und die Rochsburg.

Dass das Handy nicht Funk ersetzen könne, zeigten etwa Feuerwehren, Polizei, Rettungsdienste, sagt Arndt Kluge. Funk sei weltweit von großer Zuverlässigkeit, das Funkamateurwesen aus gutem Grund in vielen Ländern in den Katastrophenschutz einbezogen. „Wenn es darauf ankommt, helfen Amateurfunker in Krisengebieten“, so Kluge. Denn wenn andere Systeme nicht mehr funktionierten: „Bei uns geht noch was.“

Das jährliche Klubtreffen findet am 15. Juli erneut im Irrgarten der Sinne nahe des Lindenvorwerks statt. „Vormittags wird gefunkt. Am Nachmittag kommen unsere Frauen hinzu. Da sind wir dann ganz in Familie“, sagt Heinich. Seit er Rentner ist, ist für ihn eine Uhrzeit von Belang: 13.30 Uhr. „Dann trifft sich der Oldie-Klub im Äther, unsere Altherrenrunde. Dann schwatzen wir ein bisschen. Das tut einfach gut.“

www.dg4lxm.darc.de

Von Ekkehard Schulreich

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