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Pornografische Schriften in Markkleeberg – Spanischer Beamter in Borna vor Gericht

Amtsgericht Pornografische Schriften in Markkleeberg – Spanischer Beamter in Borna vor Gericht

Ein 50-jähriger Beamter aus dem spanischen Valencia musste sich vor dem Amtsgericht Borna wegen der Verbreitung pornografischer Schriften verantworten. Im Februar 2013 soll er in einem Markkleeberger Wohngebiet Zettel mit eindeutigen Fotos und der Bezeichnung „Hurenhaus S.“ verteilt haben. Er selbst beteuerte seine Unschuld.

Der Angeklagte Carlos A. ist aus dem 3000 Kilometer entfernten Valencia angereist, um vor Gericht seine Unschuld zu beteuern.

Quelle: dpa

Markkleeberg/Borna. Das Leben schreibt oft die seltsamsten Geschichten. Wenn sich dann noch zwischenmenschlicher Sprengstoff wie verschmähte Liebe, Pornografie und Verrat dazumischen, kann es schnell kriminell werden. Ein solches Kapitel wurde am Donnerstag im Amtsgericht Borna aufgeschlagen.

Auf der Anklagebank sitzt der 50-jährige Carlos A. aus dem spanischen Valencia, Staatsbeamter im Archiv seiner Heimatstadt, geschieden und Vater eines Sohnes. Die deutsche Justiz wirft dem kleinen, etwas untersetzten Mann vor, Pornovideos und -bilder seines ukrainischen Freundes Dragomir ohne dessen Einverständnis im Internet verbreitet zu haben. Außerdem habe Carlos A. in Markkleeberg Flyer mit pornografischem Inhalt verteilt und eine Familie darauf als „Hurenhaus S.“ bezeichnet. Der Familienvater erstattete Anzeige.

Doch der Spanier beteuert seine Unschuld. Er habe die 3000 Kilometer lange Anreise nach Borna nur auf sich genommen, um das Gericht davon zu überzeugen. „Ich habe nichts damit zu tun, ich bin unschuldig“, wiegelt er die Vorwürfe ab. „Ich dachte, dass ich als Zeuge geladen bin.“

Die Geschichte nimmt im Jahr 2012 ihren Anfang, als Carlos A. den Tanzlehrer seines Sohnes kennenlernt. Dragomir ist damals Mitte 20, stammt aus der Ukraine und lebt schon einige Jahre in Spanien. Neben Tanzkursen hält er sich finanziell mit Samenspenden und Prostitution über Wasser. Die beiden Männer freunden sich an, telefonieren, halten E-Mail-Kontakt – bis der Tanzlehrer ihm seine Liebe gesteht. Doch Carlos möchte keine Beziehung, beteuert er. Eine Zeugin will etwas anderes gehört haben.

Die Freundschaft der Männer aber bleibt, und so unterstützt der 50-Jährige den Jüngeren weiter bei seinen Geschäften – wie dem Aufbau einer Akademie der Prostitution. Mit dieser will er berühmt werden und bei der spanischen Version der Fernsehshow „Big brother“ mitmachen. In dieser Zeit entstehen die Nacktfotos, Pornovideos und Bilder, die Dragomir beim Verkehr mit anderen Männern zeigen. Sie landen im Internet und er verdächtigt Carlos, dies getan zu haben.

Einige Zeit später. Der Tanzlehrer lebt in Deutschland und hat sich in Markkleeberg mit einem jungen Mädchen und dessen Eltern angefreundet. Er trainiert die tanzbegabte Gymnasiastin und tritt mit ihr bei Wettkämpfen auf. Sie verlieben sich ineinander. Doch Carlos soll in dieser Zeit E-Mails seines Freundes erhalten haben, in denen dieser schildert, er werde im Haus der Familie gefangen gehalten, wie ein Hund behandelt, müsse ohne Vertrag für sie arbeiten und die Tochter zeige bei Wutausbrüchen ihr wahres Gesicht.

„Deshalb bin ich nach Markkleeberg gekommen, um mir selbst ein Bild zu machen und ihn dort rauszuholen. Ich dachte schon an Mafia“, erzählt der Angeklagte. Just zu diesem Zeitpunkt, im Februar 2013, tauchen im Wohngebiet der Familie plötzlich Zettel mit eindeutigen Bildern auf, dazu die Bezeichnung „Hurenhaus S.“ Aber Carlos A. schüttelt den Kopf: Nein, er sei nicht der Urheber. Dragomir gibt gegenüber der Polizei zu Protokoll, er habe die Beziehung zu Carlos zu diesem Zeitpunkt schon beendet und seitdem stalke dieser ihn.

Was ist Dichtung, was ist Wahrheit? „Die Taten können ihm nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden“, fasst Staatsanwalt Axel Knoll zusammen und beantragt Freispruch. Richter Thomas Sternberger sieht zwar das Motiv der verschmähten Liebe, hält aber unterm Strich fest: „Es könnte sein, dass der Angeklagte das alles gemacht hat, es könnte aber auch ein anderer getan haben.“ Carlos A. wurde freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

Von Kathrin Haase

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