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Protest gegen "Luxus-Straße" hat Erfolg: Landkreis überarbeitet Ausbaupläne

Protest gegen "Luxus-Straße" hat Erfolg: Landkreis überarbeitet Ausbaupläne

Gnandstein wehrt sich mit Unterschriften gegen den Straßenausbau, den das Landratsamt ursprünglich im Herbst plante - mit (vorläufigem) Erfolg. Der Landkreis überarbeitet nach dem vehementen Einspruch von Anliegern seine Pläne, sagt Rolf Löcher, Leiter des Straßen- und Hochbauamtes.

Kohren-Sahlis/Gnandstein. Es sei inzwischen klar, "dass das erforderliche Einvernehmen kurzfristig nicht zu erzielen ist". Wann der Kreis folglich baue, sei offen. Der Abwasserzweckverband (AZV) Wyhratal indes will wie geplant im Juli loslegen. Nach dem Kanal die Fahrbahn zu erneuern, hätte Kosten gespart. Im November will der AZV die Straße provisorisch wieder befahrbar machen.

Nicht der Straßenausbau an sich, das Wie brachte vor allem Anlieger auf die Palme. Auf einer Einwohnerversammlung mit den Baubeteiligten folgte eine Petition mit Unterschriften. Im Kohren-Sahliser Rathaus abgegeben, reichte die Stadt sie an den Abwasserzweckverband Wyhratal und an das Landratsamt weiter. Letzteres betrifft der Einspruch, denn nach dem unvermeidlichen Kanalbau ist die Fahrbahn der Kreisstraße dran. Und die soll breiter werden - zu Lasten angrenzender Grundstücke. Was die Kritiker als unangebrachten Luxus bezeichnen, verteidigt die Behörde mit Verweis auf die Förderbedingungen, die bestimmte Ausbau-Standards vorgeben. "Wir freuen uns im Grunde ja, dass der Landkreis bauen will", sagt Bürgermeister Siegmund Mohaupt (CDU). Dass die zwischen Wyhrabrücke und Ortsausgang Richtung Dolsenhain vorgesehene Ausbauart Probleme aufwerfe, sei indes nicht es von der Hand zu weisen.

Der Straßenbau ist Peter Hienschs Baustelle nicht. Der Technische Leiter des AZV hat dafür Sorge zu tragen, dass Abwasserkanal und Wasserleitungen verlegt werden. "Wir bauen auf jeden Fall, denn wir können nicht warten", sagt er. Falls der Straßenbau sich - anders als bisher geplant - nicht nahtlos anschließen könne, sorge man für einen provisorischen Deckenschluss. Die Arbeiten seien ausgeschrieben. Ab 13. Juli werde unter Vollsperrung gebaut, in Randbereichen gehe es möglicherweise schon zwei Wochen früher los. Der Ausflugsort Gnandstein sei trotz dieser Sperrung via Kohren-Sahlis erreichbar.

Wolle der Landkreis mit Hilfe von Fördermitteln eine Straße ausbauen, müsse er gewisse Kriterien erfüllen, sagt Rolf Löcher und nennt einige: Verbesserung des Netzes, höhere Durchlassfähigkeit, Barrierefreiheit, funktionsgerechter Ausbau - worunter etwa ein Fußweg fällt, den es hier in Gnandstein bisher nicht gibt, und den Bau der Bushaltestelle nach den neuesten Richtlinien. All das umzusetzen, ist wegen der Gegebenheiten schwierig: Die Straße ist schmal, kurvenreich, in Hanglage. "Die Kurvenradien erhöhen sich, die Grundstücke werden kleiner", nennt Volker Tracksdorf von der Kohrener Bauverwaltung zwei Konsequenzen. Im Bereich des Schulberges würde erheblich in die Böschung eingegriffen, was Abstützungen zur Folge habe. Zudem sei der Bau eines Fußweges, den es derzeit nicht gibt, vorgesehen.

Bereits im Herbst 2014 habe der Landkreis zwei Varianten vorgelegt, eine mit und eine ohne Gehweg, sagt Löcher. Ersterer habe die Stadt zugestimmt, wobei es ihr angesichts der bekannten Finanznot schwer fallen dürfte, die nötigen Mittel bereitzustellen. Die Verbreiterung der Fahrbahn auf sechs Meter plus Fußweg auf einer Seite sowie die Aufweitung der Kurven führten zu "teilweise erheblichen Eingriffen in angrenzende Grundstücke". Stützwände veränderten zudem "das Gesamtbild der Ortsdurchfahrt". Seine Behörde werde jetzt die Einwände der Bürgerschaft prüfen, sagt der Amtsleiter. Er gehe allerdings davon aus, dass es "zur Umsetzung von technischen Mindeststandards zur Gewährleistung von Verkehrssicherheit wenig Alternativen zum derzeitigen Straßenentwurf geben kann". Baurecht gegen den Widerstand Einzelner schaffen könnte nur ein Planfeststellungsverfahren. Eine Option, die das Landratsamt wohl zu nutzen gedenkt. © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.06.2015
Ekkehard Schulreich

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