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Geithain Räumen und Rücken: Dörfliches Leben wird im Rittergut Prießnitz lebendig
Region Geithain Räumen und Rücken: Dörfliches Leben wird im Rittergut Prießnitz lebendig
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06:00 06.05.2017
Der Blick durch die originale Rechentafel geht in ein Klassenzimmer aus der Prießnitzer Schule – zu sehen im Rittergut Prießnitz. Quelle: Fotos: Jens Paul Taubert
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Frohburg/Prießnitz

Die Ausgabe der „Beylage zu No. 102 der Leipziger Zeitung vom 31. May 1813“ ist eines der neuesten Exponate, die der Heimatverein Prießnitz/Trebishain in seiner aktuellen Schau im sanierten Nordflügel des Prießnitzer Ritterguts zeigt. Das unscheinbare Blatt, im Internet entdeckt, berichtet darüber, dass „Kaiserlich-Russische Truppen mit Gewalt“ dem Rittergut zu Monatsbeginn sieben Pferde und fünf Wagen abgenommen hatten. Dass diese Zeitung – neben einem Pachtvertrag über das Rittergut von 1877 – ansprechend präsentiert werden kann, verdankt der Verein der Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse Leipzig. Sie unterstützte mit einer Spende von 2400 Euro den Kauf von vier Vitrinen, in denen wertvolle Dokumente sicher verwahrt und trotzdem den Besuchern zugänglich gemacht werden können.

Seit dem Abschluss der durch die Stadt Frohburg forcierten Sanierung des Rittergutes als Museumsdepot und Schauraum haben sich die Möglichkeiten des engagierten Vereins erweitert. Die Ausstellung zu ländlichem Leben im Dachgeschoss wurde auf vergrößerter Fläche völlig neu konzipiert. Aus dem reichen, in beständigem Wachsen begriffenen Fundus habe man nur einige, wenige Möbel und Ausstattungsstücke ausgewählt, um sie stilecht und authentisch zu Zimmern zu arrangieren, sagt Vereinschef Andreas Mäder: „Das kommt bei den Besuchern sehr gut an.“ Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche: Wer den Raum betritt, sieht sich um Jahrzehnte rückversetzt. Es scheint, als hätten die angestammten Bewohner ihren Platz für Augenblicke nur verlassen. Eine jüngst durchgeführte Nachtführung sorgte in diesem Ambiente für eine ganz besondere Atmosphäre: „Mit der Taschenlampe macht so ein Museumsrundgang noch mehr Spaß!“ Vor allem Familien mit Kindern. Die zwei Dutzend Mitstreiter des Vereins waren in den vergangenen Monaten, die durch umfangreiche Baumaßnahmen in Rittergut und Schloss geprägt waren, intensiv mit Räumen beschäftigt. Das Schulzimmer aus der Heimatstube im Schloss wechselte – um dort Baufreiheit zu schaffen – ins Rittergut. „Es soll hier auch bleiben. Dann haben wir alles kompakt. Das ist besser“, sagt Vereinsmitglied Rainer Markscheffel. Neu geschaffen hat sich der Verein auch ein Vereinszimmer, standesgemäß mit einem riesigen eichenen Tisch aus dem Schloss. Die Dauerausstellung selbst wird immer wieder um Aspekte ergänzt, aktuell um Meisterbriefe von Prießnitzer Handwerksmeistern. „Wir sind dabei, das zu vervollständigen.“ In einer der neuen Vitrinen sind jetzt Schätze aus dem Nachlass des vor einigen Jahren aufgelösten Männerchores zu sehen – ein besonderer Blickfang: der große gläserne Pokal. Bemerkenswert auch ein Klassenbuch, das die Jahre 1927 bis 1945 fein säuberlich umfasst. Mäder: „Das lag schon im Container, als sie die Prießnitzer Schule geschlossen haben.“

Reguläre Öffnungszeiten gibt es für die Sammlungen zurzeit nicht. Während des Weidefestes am 13. und 14. Mai besteht zwischen 13 und 17 Uhr die Möglichkeit, das Museum zu besuchen. Weitere Termine finden sich auf der Homepage des Vereins. Darüber hinaus bietet der Heimatverein Führungen für Gruppen an. Die würden rege genutzt, sagt Markscheffel: „Wer von uns Zeit hat, übernimmt. Dann geht es in anderthalb Stunden vom Keller bis zum Dach, von der alten Schmiede im Hof bis zum Uhrwerk des Rittergutsturms.“

Seit 1999 beschäftigt sich der Heimatverein mit der Geschichte der Dörfer Prießnitz und Trebishain, die heute zu Frohburg gehören. Im selben Jahr wurde im Schloss Prießnitz die Heimatstube eröffnet, in der historische Dokumente und Gegenstände ausgestellt werden konnten. 2002 folgte dank der Bemühungen des Vereins die Eröffnung der Ausstellung „Ländliches Brauchtum“ im Rittergut. „Der Verein Prießnitz-Trebishain hat in den vergangenen Jahren einzigartige, geschichtliche Dokumente zusammengetragen, die die Vergangenheit zweier Dörfer dokumentieren“, so Gabriele Greiner, Vorstand der Kultur- und Umweltstiftung. „Es ist in unserem Sinne, dass diese historischen Relikte sicher und dauerhaft aufbewahrt werden können.“

www.schloss-rittergut-priessnitz.de/
heimatverein, Telefon 034345/24241

Von Ekkehard Schulreich

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