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Rathendorf: Ferienkinder errichten Stadt aus 60.000 Bausteinen

Jerusalem als Vorbild Rathendorf: Ferienkinder errichten Stadt aus 60.000 Bausteinen

Eine Stadt aus 60.000 Bausteinen errichteten 30 Ferienkinder im Dorfgemeinschaftshaus Rathendorf. Eine Geschichte aus dem Alten Testament lieferte die gedankliche Vorlage dafür. Am Freitag wird alles wieder abgerissen. Organisiert hat das Ferienerlebnis das evangelisch-lutherische Kirchspiel Geithainer Land.

Eine fantasievolle Stadt aus Holzbausteinen entstand in der ersten Ferienwoche im Dorfgemeinschaftshaus Rathendorf.

Quelle: André Neumann

Narsdorf/Rathendorf. 60.000 Bausteine aus Holz und eine Geschichte aus dem alten Testament – daraus machen 30 Ferienkinder im Dorfgemeinschaftshaus Rathendorf eine wunderbare fantasievolle Stadt. Organisiert hat das Ferienerlebnis das evangelisch-lutherische Kirchspiel Geithainer Land.

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Eine fantasievolle Stadt aus Holzbausteinen entstand in der ersten Ferienwoche im Dorfgemeinschaftshaus Rathendorf.

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Das Buch Nehemia aus dem alten Testament erzählt davon, dass die Menschen, die nach Jerusalem zurückgekehrt sind, sich ohne Stadtmauer vor ihren Feinden fürchten. Doch noch niemand hat die Mauer wieder errichtet. Nehemia organisiert den Wiederaufbau. Die Geschichte, die 444 Jahre vor Christi Geburt spielt, dient Ruth Erichson vom Verein Bibellesebund aus Gummersbach als Vorlage für eine lehrreiche und spannende Ferienwoche mit den Kindern, die unter anderem aus Rathendorf, Geithain, Narsdorf, Wechselburg und Kohren-Sahlis kommen. Die bauen nicht nur die Mauer, sondern gleich ein ganzes Jerusalem.

Deswegen musste jedermann im Dorfgemeinschaftshaus Rathendorf in dieser Woche sanft auftreten und sich seinen Weg durch den Saal geschickt und vorsichtig bahnen. Überall entstanden filigrane Gebilde aus den flachen Holzbausteinen. Bringt man die Dielen mit schweren Schritten ins Schwingen, kann schon mal etwas einstürzen. Zum Glück, sagt Betreuerin Karin Bieling, sei das nur einmal passiert, und es seien auch nur ein paar kleinere Bauwerke gewesen.

Sehr fest steht der schlanke Zwiebelturm von Felix. Der ist fast doppelt so hoch wie der Neunjährige aus Ossa. Schicht für Schicht hat er die Hölzchen gemeinsam mit dem zwei Jahre älteren Rick übereinandergelegt, bis das Bauwerk so groß war, wie er selbst. Dann ist er auf die Leiter gestiegen und hat vorsichtig weitergebaut. Rick hat ihm die Steine hochgereicht. An einem Tag sei der Turm fertig geworden, von dem es in der Stadt noch weitere gibt.

Die freilich nicht nur aus Türmen besteht. Im Zentrum bauen Amelie (9) und Helene (7) noch immer an einem riesigen Gebilde, das ein großer Plattenbaukomplex sein könnte, mit einem Spielplatz in der Mitte. Mehrere Kirchen gibt es, einen Flugplatz mit Flugzeugen und Lastwagen, Straßen durchziehen die Stadt, Brücken gibt es, einen Friedhof und sogar Bäume. Eines der Hochhäuser gleicht dem Leipziger Uniriesen.

Das größte Bauwerk ist ein 2,30 Meter hoher und einen Meter dicker Turm. Der sollte noch einen Eingang bekommen, einfach, indem Steine herausgeklopft werden. „Das klappt, der stürzt nicht ein“, waren mehrere Jungs überzeugt. Tatsächlich wirkt das runde Bauwerk, das einem überdimensionalen Bienenkorb gleicht, sehr stabil.

Es wird nicht nur gebaut im Dorfgemeinschaftshaus. Die Kinder lernen Bibelgeschichten kennen, singen gemeinsam und vor jedem Bautag spielen sie ein kleines Theaterstück. In dem kommen die Bau-Lehrlinge Bernie und Tom vor, die die Sechs- bis Zwölfjährigen natürlich auch gleich gebaut haben. Einer wurde so platziert, dass er die Baustellenschilder an einer Säule im Saal liest. Denn – auch das gehört zur allmorgendlichen Einführung – Baustellenregeln sind wichtig. Die allerwichtigsten liest Ruth Erichson den Kindern jeden Morgen aufs Neue vor, bevor die mit Helm und Warnweste in die Stadt dürfen: Auf der Baustelle vorsichtig bewegen! Nicht mit Bausteinen werfen! Volle Kisten nur zu zweit tragen!

Denn die sind schwer, wiegen bis zu 15 Kilogramm. Wie viel das ist, haben die Kinder gleich am ersten Tag gemerkt, als sie die 90 Kisten aus dem weißen Lieferwagen ins Haus gebracht haben.

Am Freitag endet die Ferienwoche mit einer Abrissparty. Nachdem alle gemeinsam ihre Stadt bewundert haben, wozu auch Eltern eingeladen sind, wird alles wieder eingerissen. Die Bausteine kommen zurück in die Kisten, die in den Lieferwagen und Ruth Erichson fährt los, um anderswo Kinder mit der Geschichte von Nehemia vertraut zu machen.

Von André Neumann

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