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Reden übers Leben: Junge Gefangene und Behinderte

Gemeinschaftsprojekt Reden übers Leben: Junge Gefangene und Behinderte

Es sind Begegnungen der besonderen Art, die da hin und wieder stattfinden. Menschen unternehmen etwas gemeinsam, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben: junge Straftäter, die im Jugendgefängnis Regis-Breitingen ihre Strafe absitzen und Menschen mit Handicap, die bei der Lebenshilfe in Borna Fürsorge und Geborgenheit finden.

Gemeinsame Bootstour von Behinderten und Jugendstrafgefangenen auf dem Markkleeberger See.

Quelle: Andreas Döring

Borna/Regis-Breitingen. Es sind Begegnungen der besonderen Art, die da hin und wieder stattfinden. Menschen unternehmen etwas gemeinsam, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben: junge Straftäter, die im Jugendgefängnis Regis-Breitingen ihre Strafe absitzen und Menschen mit Handicap, die bei der Lebenshilfe in Borna Fürsorge und Geborgenheit finden.

Seit rund fünf Jahren arbeiten die Vereine Lebenshilfe Borna und der Verein für Gefangenenfürsorge und Entlassungshilfe Regis-Breitingen zusammen. Die Akteure schaffen Begegnungen mit dem Ziel „Inklusion mit Leben zu erfüllen, das heißt, Menschen mit und ohne Behinderung nicht auszugrenzen, sondern für mehr Toleranz, Offenheit und ein besseres Miteinander zu werben“, wie Uwe Hinz, der Leiter der Jugendstrafvollzugsanstalt (JSA) in Regis sagt. Für Uwe Drechsler, den Geschäftsführer der Lebeshilfe Borna, geht es vor allem um Gemeinsamkeit, um Gemeinschaft: „Für beide Gruppen ist es wichtig, etwas gemeinsam zu unternehmen, ohne Vorurteile, ohne Barrieren, eben einfach um Spaß zu haben und für uns Alltägliches auch für die Teilnehmer aus der JSA zum Alltäglichen werden zu lassen.“

Unlängst besuchten Mitglieder der Lebenshilfe und Häftlinge gemeinsam die KZ-Gedenkstelle Buchenwald. War hier das Verständnis über die historischen Hintergründe wegen des verschiedenen Bildungsstandes der Teilnehmer sehr unterschiedlich, so entstand doch so etwas wie ein Wir-Gefühl in der Erkenntnis: „Wir alle könnten Opfer sein.“ Darüber hinaus schaffen Exkursionen wie diese auch auf andere Weise Verbindung: Gefangene unterstützen Behinderte bei der Mobilität oder helfen beim Mittagessen.

Für die Jugendlichen oder jungen Erwachsenen mit krimineller Karriere sei das laut Anstaltsleiter Hinz „eine absolute Neuerfahrung, welche die Gefangenen in ihren bisherigen Leben wohl noch nie gemacht haben“. Bei manchem Inhaftierten hätten die Begegnungen zu der Erkenntnis geführt, „dass es Menschen gibt, denen es wesentlich schlechter geht“, so Hinz.

Ausflüge sind bei weitem nicht alles, was Lebenshilfe-Mitglieder und JSA-Insassen miteinander unternehmen. Bei einem jährlichen Lebenshilfe-Aktionstag auf dem Bornaer Markt treten Gefangene und Menschen mit Behinderung gemeinsame auf. In der JSA begegnen sie sich einmal im Jahr bei einem Sportfest. Auch gemeinsame Bootstouren werde unternommen. Gefangene lernen beim so genannten Perspektivwechseltag die Werkstatt für Behinderte kennen, umgekehrt kommt die Lebenshilfe zum Tag der offenen Tür ins Gefängnis.

Nicht zu vergessen die monatliche Interessengruppe Kochen. Bis zu 25 Teilnehmer beiderlei Klientel einschließlich der Bediensteten der JSA kochen dann ein mehrgängiges Menü, um es gemeinsam zu verspeisen. Mit interessanten Erkenntnissen für alle Beteiligten: Eine Teilnehmerin der Lebenshilfe fand, die JSA-Insassen „kochen immer so scharf“. Während ein Gefangener gestand, dass er hier mal nicht der Knacki sei und nicht dem Gruppenzwang unterliege. Dennoch falle es ihm schwer, in der Gemeinschaft und mit Tischsitten zu essen, weil er das lange nicht mehr erlebt habe.

Natürlich komme es vor, so Drechsler, dass die Teilnehmer aus beiden Gruppen beim ersten Aufeinandertreffen nicht gleich ins Gespräch kämen, Berührungsängste hätten. Meist aber erlebe er eine beispielgebende Offenheit. Dann spreche der Gefangene über seine Tat, über Familie und bisher Erlebtes ebenso wie der Teilnehmer mit Behinderung über sein Handicap rede, über Erfahrungen mit anderen Menschen und seine Wünsche für die Zukunft.

Finanziell unterstützt werden die gemeinsamen Unternehmungen zu einem großen Teil von der Deutschen Behindertenhilfe „Aktion Mensch“ und auf der Seite der JSA auch vom Gefangenenfürsorgeverein.

Von André Neumann

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