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Geithain Reh Rosi stellt den Pflege-Eltern in Nenkersdorf sein Kitz vor
Region Geithain Reh Rosi stellt den Pflege-Eltern in Nenkersdorf sein Kitz vor
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11:13 02.08.2016
Da war Rosi schon ordentlich gewachsen, aber immer noch in Gabriele Kaubes liebevoller Pflege.  Quelle: Jens Paul Taubert
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Frohburg/Nenkersdorf

 Dank der Milchfläschchen, die Gabriele Kaube ihr verabreichte, wuchs Rosi, das Rehkitz, in Garten und Haus der Nenkersdorfer Familie zu einer stattlichen Ricke heran. Nach knapp einem Jahr Pflege in die Freiheit entlassen, kehrte das Tier kürzlich zurück – nun selbst ein Kitz an seiner Seite. „So nah, dass wir es streicheln könnten, kommt es natürlich nicht mehr heran, das ist klar“, sagt Hermann Kaube. Mehrfach näherte sich seit Ende Mai Rosi mit ihrem Nachwuchs dem Kaube’schen Grundstück von der Harthbach-Seite. Wie seine Frau ist Hermann Kaube emotional tief bewegt angesichts des glücklichen Ausgangs, den eine unglaubliche Geschichte nahm, die zu Pfingsten 2013 begann und in deren Verlauf viele Tränen flossen – Freudentränen zumeist.

Ein Bild aus gemeinsamen Tagen: Da war Rosi schon ordentlich gewachsen, aber immer noch in Gabriele Kaubes liebevoller Pflege. Quelle: Jens Paul Taubert

„Ich war ihre erste Person. Ich habe Rosi hochgepäppelt. Ich bin für sie Mutter“, sagt Gabriele Kaube. Dass es das der Familie ans Herz gewachsene Tier auch nach mehr als zwei Jahren in Freiheit gelegentlich zurückzieht in seine menschengemachte Kinderstube, geht ihr nah. Nicht nur auf den Tag genau ein Jahr nach dem Fund des hilflosen Kitzes stand Rosi 2014 an Kaubes Zaun. Mitte Mai 2016 sah Hermann Kaube vom Garten aus über die Wiesen und den Harthbach zum Wald und gewahrte ein Reh, das fraß. „Als Gabi nach ihm rief, stellte es die Lauscher auf und schaute herüber. Am nächsten Tag war es wieder da, sprang über den Bach, kam näher“, erzählt Hermann Kaube. Das Tier ließ sich nun mehrfach blicken – und eines Tages war ein Kitz zu sehen, dass der Mutter in die Schonung folgte: „Da haben wir geheult. Rosi hat es geschafft. Wir sind so glücklich.“

Dabei begann alles zu Pfingsten 2013 durchaus dramatisch. Kaubes waren auf ein Kitz aufmerksam geworden, dass sich gut hundert Meter hinter ihrem Grundstück in einem Zaun gefangen und verletzt hatte. In Abstimmung mit Veterinär und Jägerschaft entschied die Familie, das Wagnis einzugehen und das Tier großzuziehen. Das gelang mit Fencheltee und Lammaufzuchtmilch. Das Kitz, Rosi genannt, wuchs heran, fraß bald auch Möhren, Rüben Kartoffeln. „Ich musste den Gemüsegarten einzäunen“, lacht Hermann Kaube: „Aber die Blumen hat sie auch gern abgefressen.“

Weihnachten war das Tier in der guten Stube, interessierte sich sehr für die Geschenke, die unter dem Lichterbaum lagen. Da war Rosi schon ein Star. Nicht nur weil die Leute am Zaun Schlange standen, um einen Blick auf das zahme Tier zu werfen. Das MDR-Fernsehen hatte inzwischen aufgrund eines LVZ-Berichtes in Nenkersdorf gedreht. Damals fiel der Satz: Hoffentlich findet Rosi mal ein Böckchen, bekommt ein Kitz und stellt es uns vor!

Im Frühjahr 2014 hatte Rosi Abschied genommen von ihren Pflegeeltern, hatte sich – häufig zurückkehrend – in das grüne Umfeld des Harthsees abgesetzt. Kaubes waren in Sorge, ob sich Rosi an ein Leben in freier Wildbahn würde gewöhnen können. Sie fürchteten, Jägern könnte sie vor den Lauf geraten, bei der Maisernte auf einem der Schläge umkommen.

Als Hermann Kaube im Herbst 2015 auf einem abgeernteten Acker nahe des Dorfes tatsächlich ein getötetes Reh samt Kitz fand, sah er alle Befürchtungen bestätigt. Doch er sollte sich irren, wie er Monate später bemerkte. Für Gabriele (55), die in der Geithainer Wäscherei arbeitet, und Hermann (66), der Rentner ist, gehört ihre Zeit mit Rosi zweifelsohne zu den schönsten in ihrem Leben – auch wenn mit Tauben, Enten, Gänsen, Katzen, Kaninchen (…) viele andere Tiere den Hof bevölkern und schon manche ebenfalls per Flasche aufgezogen wurden. Rosi ist der Star, und Hermann Kaube will an diesem Sockel keinesfalls kratzen, wenn er flachst: „Ein kleiner Leopard oder ein Schwarzer Panther – das wäre auch schön. Doch das werden sie uns nicht genehmigen.“

Von Ekkehard Schulreich

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