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Reinhard Hoffmann gibt dem Schalk ein Zuhause

Reinhard Hoffmann gibt dem Schalk ein Zuhause

Frohburg/Nenkersdorf. Am Ende der Welt lag die Hoffmann'sche Parzelle viele Jahre, denn unmittelbar hinter dem Saum von Nenkersdorf begann die Kohlegrube.

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Reinhard Hoffmann muss keinesfalls fürchten, dass ihm die Ideen ausgehen: Hier ist eine seiner jüngsten Skulpturen. Fotos (4): Jens Paul Taubert

Quelle: Jens Paul Taubert

. Längst liegt der Garten an ihrem Anfang, einen Steinwurf nur entfernt vom Wasser des Harthsees. Und längst auch ist er eine Welt für sich, eine Insel für Kunst und Kurioses, ein Garten-Werk, das sich Jahr für Jahr neu erfindet und dem Reinhard Hoffmann, Kunsterzieher, kreativer Geist, Erfahrender wie Bewahrender, Unverwechselbares hinzufügt, ganz im Einklang mit seiner Frau Wibke, der Verantwortlichen für alles Blühende.

Wer Nenkersdorf via Harthstraße in Richtung See verlässt oder hier das Dorf betritt, stößt auf einen Kosmos der Gegensätze. Unter einer urdeutschen Eiche landwirtschaftliches Gerät, gezogen von Pferden, eines halblebensgroß herausgeschnitten aus einer Stahlplatte, das zweite in der zwangläufigen Negativform. Ein Findling, aus dem mit kräftigen Schlägen ein Gesicht herausmodelliert ist. Ein ranker Kerl von 1813 grüßt übern Zaun, kaum entfernt steuert ein Wikinger durch den Tag. Amtlich Respekt erheischend das Schild an der Einfriedung: "Konstruktionsbüro für Luftschlösser".

"Ich habe noch kein einziges verkauft", sagt Reinhard Hoffmann. Der Plan ist der Weg ist das Ziel für den 74-Jährigen, dem der Schalk nicht nur in den Augenwinkeln sitzt. Ihm gibt er eine Heimat seit mehr als dreieinhalb Jahrzehnten. Ein paar hundert Quadratmeter Raum für Verwirklichung, für Entwürfe und Gegenentwürfe, für Sicherung von scheinbar Entwertetem, Überholtem, für Zwiesprache, für Genuss.

"Als wir das 1979 übernommen haben, war das ein verwilderter Bauerngarten mit Schuppen, Werkstatt, einem Obstkeller", blickt Hoffmann, gebürtiger Schlesier, aufgewachsen in Nauenhain nahe Geithain, zurück. Nach einer Zimmermannslehre hatte er Lehrer studiert, unterrichtete in Frohburg, wechselte in die Lehrerbildung, wohnte mit seiner Frau Wibke in Borna. Ein Wochenend-Grundstück sollte es sein: "Zu DDR-Zeiten zu bauen, um jeden Sack Zement kämpfen, dieses Theater wollten wir uns nicht antun." Die Nenkersdorfer Idylle kam ins Rutschen mit dem Tagebau; die Kohle wurde plötzlich unmittelbar am Zaun aus dem Erdreich gekratzt. Nur eine Episode; längst eroberte die Natur Terrain zurück. Und Hoffmanns, die ausharrten, bauten endlich. Das selbst geklebte Pappmodell verblüffte den Architekten, doch es wurde umgesetzt. 1996 der Umzug aus Borna, nach der Jahrtausendwende der berufliche Ruhestand, der ein Tor aufstieß für nicht nur auf abgezählte Stunden beschränkte kreative Umtriebigkeit.

Davon erzählt der Garten, in dem Windsbraut und (auf dem Ohr) schlummernde Muse Stein geworden sind, Bäume am Ende ihrer Tage zu Engel, Richtungsweiser, Totem mutieren, wo ein Säulenheiliger mit Schnauzer wacht (welch zufällige Ähnlichkeit mit dem Kunst-Gärtner!). Wo Holz- und Steinblöcke, Sandstein und Porphyr bevorzugt, auf Bearbeitung warten, den Einfall, der sie verändert - neben Ausrangiertem, Derangiertem, das in neue Zusammenhänge gebracht werden will.

Der Mann, der einst im Haus der Gewerkschaften in Borna mit Kindern und Erwachsenen künstlerisch arbeitete, weiß die Freiheit zu schätzen, die ihm gegeben ist, förmlich zuwächst. Gern führt er auch Besucher durch das von Obstbäumen beschattete, durch Rabatten und Hecken parzellierte Geviert. Und erzählt von den Objekten, Schöpfungsgeschichten. Das Luftschlösser-Schild war vor Jahren Anlass für Hans-Joachim Wolfram, für die Fernsehsendung "Außenseiter - Spitzenreiter" bei Hoffmanns zu drehen. Reinhard Hoffmann amüsiert es, er hebt nicht ab, lässt sich immer wieder selbst überraschen.

"Ich bin für das Grobe verantwortlich. Die schönen Blumen sind das Verdienst meiner Frau", formuliert er etwas, das beinahe wie ein Credo klingt. Dass das Grobe zugleich das Feine, das Sinnliche ist, wird sich erweisen, wenn er sich endlich den Kloben aus Lindenholz widmet, die hinter dem Schuppen ruhen: Es sollen weibliche Akte werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.08.2015
Ekkehard Schulreich

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