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Geithain Rittergut Kohren-Sahlis wird erneut zwangsversteigert
Region Geithain Rittergut Kohren-Sahlis wird erneut zwangsversteigert
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07:00 26.08.2016
Schloß- und Gut Sahlis in Kohren-Sahlis. Quelle: Jens Paul Taubert
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Kohren-Sahlis

Das Rittergut in Kohren-Sahlis soll zum zweiten Mal zwangsversteigert werden. Sieben Monate nachdem das über 60 Hektar große Grundstück mit Haus und Hof am Leipziger Amtsgericht zwangsversteigert wurde, soll es nun wieder den Eigentümer wechseln. Das teilte der Abwasserzweckverband Wyhratal (AZV) auf LVZ-Anfrage mit. Lange Zeit war die Immobilie im Besitz von Karl-Heinz Hoffmann, Gründer der gleichnamigen 1980 verbotenen rechtsextremistischen Wehrsportgruppe. Wegen offener Forderungen hatte der größte Gläubiger, der AZV Wyhratal, die Immobilie zur Zwangsversteigerung gebracht. Hoffmanns Schulden beliefen sich damals auf mehr als 170 000 Euro. Zuvor hatte der Rechtsextremist für die Sanierung des denkmalgeschützten Guts öffentliche Fördergelder erhalten.

Seit April steht Immobilie wieder zum Verkauf

„Aufgrund dinglicher und persönlicher Forderungen aus einem Abwasserbeitragsbescheid aus dem Jahr 2010 hat der AZV Wyhratal im Juli 2013 beim Amtsgericht Leipzig den Antrag auf Anordnung der Zwangsversteigerung gestellt“, sagte Jana Erler, Geschäftsführerin des Abwasserzweckverbandes Wyhratal. „Dieses Zwangsversteigerungsverfahren gegen Herrn Karl-Heinz Hoffmann endete mit Zuschlagsbeschluss vom 27. Januar 2016, in dem das Grundstück Herrn Milenco-Florin Jarcov zugeschlagen wurde. Da das Meistgebot nicht gezahlt wurde, wird der AZV Wyhratal erneut den Antrag auf Zwangsversteigerung stellen.“ Weitere Angaben wollte der AZV aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht machen.

Bereits seit April – knapp drei Monate nach der Erstversteigerung – steht das Gut wieder zum Verkauf. Mit dem Slogan „Leben wie die Könige“ wird das Anwesen auf Online-Portalen beworben. Loreen Peters, nach eigenen Angaben Hausverwalterin und Mitarbeiterin der im sächsischen Glauchau ansässigen Immobilien West Ltd., soll das Objekt für den derzeitigen Besitzer veräußern. In der Beschreibung der Immobilie werden ein traumhafter Rokokogarten, eine alte Kegelbahn sowie ein knisternder Kamin angepriesen. Mit dem Kaufpreis von 666 666 Euro, 66 Zimmern und einer angegebenen Grundstücksgröße von 66 666 Quadratmetern mutet die Anzeige eigentümlich an. Das Rittergut aus dem Jahr 1776 gilt als extrem sanierungsbedürftig.

Hoffmann kündigt rechtliche Schritte an

Unterdessen denkt der Ex-Besitzer Hoffmann darüber nach, rechtlich gegen die im Januar gefällte Entscheidung des Leipziger Gerichts vorzugehen. „Mit der Leipziger Gerichtsbarkeit bin ich noch nicht fertig. Die Sache kann für Justiz und AZV noch eine unangenehme Entwicklung nehmen“, sagte der 78-Jährige. Es gebe neue Erkenntnisse, die die Rechtmäßigkeit des Bietervorgangs im Versteigerungsverfahren noch nachträglich nichtig werden lassen könnten. Welche neuen Erkenntnisse ihm vorliegen, wollte Hoffmann jedoch nicht sagen.

Der Rechtsextremist und einer seiner Gläubiger hatten im Januar die Versteigerung beanstandet. Hoffmann hatte kritisiert, dass der Verkehrswert mit einem Euro zu niedrig angesetzt gewesen sei. Das Gut war für 160 000 Euro verkauft worden. Der Einwand Hoffmanns, das Verfahren sei nicht rechtens, da die Versteigerung auf einer Bagatellforderung der Gläubiger fuße, wurde vom Amtsgericht zurückgewiesen. Die Äußerung des neuen Eigentümers, er wolle auf dem Anwesen ein Konzentrationslager errichten, wurde beanstandet. An der Rechtmäßigkeit des Zuschlags ließ das Leipziger Gericht jedoch keinen Zweifel. Auch eine Beschwerde beim Bundesgerichtshof gegen die Entscheidung wurde nicht zugelassen.

Über den Schuldenschnitt ist Hoffmann jedoch erfreut. „Jedenfalls bin ich die mir vom AZV aufgezwungenen Schulden mit dem vorläufigen Ende der Zwangsversteigerung losgeworden. Schulden hat jetzt nur der AZV gemacht. Das ist doch schon mal was“, sagte Hoffmann.

Von Oliver Becker

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