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Geithain Rittergut Sahlis: Sanierung gestoppt
Region Geithain Rittergut Sahlis: Sanierung gestoppt
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05:09 13.10.2018
Dunkle Wolken über dem Rittergut Sahlis. Quelle: Mathias Pinkert
Frohburg/Kohren-Sahlis

Gerüst und Baukran sollten schon im Frühsommer stehen, um das Sahliser Schloss vor dem Verfall zu retten. Thomas Fischer, Landwirt und Immobilien-Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen, hatte das Rittergut Sahlis 2017 erworben mit dem Ziel, es zu sanieren. Aber nach dem beherzt begonnenen Aufräumen und dem Abriss von Gebäudeteilen aus der DDR-Zeit geriet das Vorhaben ins Stocken. Für Tage tauchte die geschichtsträchtige Immobilie bei Ebay auf. „Ich wollte ein Zeichen setzen“, sagt der 45-Jährige. Er wolle die geschätzten 20 bis 30 Millionen Euro gerne investieren, brauche aber einen potenten Nutzer – und Behörden, die ihn bei diesem ambitionierten Vorhaben unterstützten.

Das Rittergut Kohren-Sahlis birgt Potenzial. Eigentümer Thomas Fischer würde gern mehrere Millionen Euro in die Sanierung des 60000 Quadratmeter großen Areals investieren. Das Baudenkmal hat erheblichen Sanierungsstau.

Gespräch im Innenministerium

Anfang November hat Fischer ein Gespräch im sächsischen Innenministerium: „Ich habe die Hoffnung, dass wir da gemeinsam ein paar Weichen stellen können.“ Als er sich für das Rittergut Sahlis interessierte, hatte es zwei Zwangsversteigerungen hinter sich. In den Jahrzehnten zuvor war es vernachlässigt worden, stand in weiten Teilen leer. Das Land, sagt Fischer, habe ihm signalisiert, Wert auf die geplante Rettung der Immobilie zu legen und sie zu begleiten. Als er nach dem Erwerb mit der Bauvorbereitung begann, habe er allerdings andere Erfahrungen machen müssen: „Es wurde viel gefordert und wenig geboten. Außerdem hieß es: Die Töpfe sind leer. Man müsste den Bund ins Boot kriegen.“ Statt auf ausgestreckte Hände sei er auf Schranken gestoßen.

Eingebettet in die Landschaft: Das Rittergut Kohren-Sahlis. Quelle: Mathias Pinkert

Pläne für die Sanierung des Sahliser Rittergutes liegen auf Eis

„Eine Klinik, ein Seniorenheim oder etwas Ähnliches könnte ich mir hier sehr gut vorstellen. Finde ich einen Nutzer, würde ich das Ganze liebend gern sofort zu einem guten Ende bringen“, sagt Fischer. Dass er selbst keine Verwendung für die Immobilie habe, zu der neben dem Herrenhaus zahlreiche Wirtschaftsgebäude und ein Rokokopark gehören, habe er von Beginn an betont. Rund 350 000 Euro investierte er bisher: in den Erwerb, in den Abriss von Anbauten, die die historische Substanz verfälschten, in die Verlegung von Strom- und Wasserleitungen. Pläne für die Sanierung gebe es. Sie lägen auf Eis, könnten an die Wünsche eines Interessenten angepasst werden. Dass die Sanierung eine Mammutaufgabe werden würde, war Fischer, Vater von vier Kindern, von Beginn an klar. Deshalb formulierte er, dass eine „Zusammenarbeit mit dem Landkreis Leipzig und die Unterstützung des Landes Sachsen“ unverzichtbar seien, um zum Erfolg zu kommen. „Jetzt hoffe ich auf Signale aus Dresden, ob mein Engagement überhaupt gewünscht ist. Und ich hoffe auf einen Interessenten.“

Kommune unterstellt Freistaat unlautere Absichten

Dass Fischers Engagement im Kohrener Land höchst willkommen ist, daran lässt Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) keinen Zweifel. Zwar habe ihn überrascht, von plötzlichen Verkaufsabsichten zu lesen. Für ihn stelle sich die Frage, warum der Freistaat nicht mehr dafür getan habe, das Ensemble vor dem Verfall zu retten – und warum er sich jetzt, da sich ein seriöser Investor fand, so zurückhalte mit Hilfen. „Das öffentliche, staatliche und Medieninteresse der vergangenen Jahre galt offenbar weniger der Erhaltung und sinnvollen Nachnutzung dieses denkmalgeschützten Komplexes, sondern allein am Eigentümer-Wechsel. Nun ist es erloschen, das spürt Herr Fischer“, so der Bürgermeister mit Verweis auf den vormaligen Eigner, den Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann.

„Herrn Fischer sollte, so weit es geht, unter die Arme gegriffen werden“, sagt auch Siegmund Mohaupt (CDU), bis Ende 2017 Bürgermeister von Kohren-Sahlis. Das Rittergut habe diese Chance verdient – und für Kohren-Sahlis wäre es großartig, würde hier etwas entstehen, das positiv ausstrahle.

Landtagsabgeordneter vermittelt zwischen Eigentümer und Behörden

„In Sachsen gibt es die Möglichkeit, sowohl wirtschaftliche Projekte wie auch denkmalbedingten Mehraufwand gefördert zu bekommen. Und man kann die eigenen Investitionen in ein Denkmal abschreiben und steuerlich geltend machen. Diese Wege stehen Herrn Fischer als Eigentümer des historisch und kulturell wertvollen Rittergutes Sahlis wie jedem anderen offen“, sagt Georg-Ludwig von Breitenbuch, Landtagsabgeordneter und Frohburger Stadtrat der CDU. Entsprechende Mittel seien im künftigen Doppelhaushalt des Freistaates eingestellt. Dringend sei jetzt aus seiner Sicht die Sicherung der Dächer und Fallrohre wie auch die Rekultivierung des Heckengartens. „Eine besondere Situation, die meines Erachtens Entgegenkommen rechtfertigt. Hierbei zwischen dem Eigentümer und den Behörden zu vermitteln und die Maßnahmen zu befördern, habe ich wie auch Landrat Henry Graichen und Bürgermeister Wolfgang Hiensch angeboten.“

Von Ekkehard Schulreich

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