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Geithain Rochlitz und Geithain wollen enger kooperieren – trotz der Kreisgrenze
Region Geithain Rochlitz und Geithain wollen enger kooperieren – trotz der Kreisgrenze
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00:20 12.08.2017
Blick aufs Geithainer Rathaus. Die Stadt will enger mit der Nachbarkommune Rochlitz zusammenarbeiten. Quelle: Jens Paul Taubert
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Geithain/Rochlitz

Rochlitz und Geithain sind zwei Städte vergleichbarer Größe und vergleichbarer geschichtlicher Entwicklung. Nur sieben Kilometer trennen sie voneinander. Und mehrere administrative Grenzen.

Frank Rudolph (UWG), Geithain Quelle: privat

Die problematischste: Zu Mittelsachsen zählt die eine, zum Landkreis Leipzig die andere Stadt. Dass eine engere Zusammenarbeit beider Kommunen dennoch – oder gerade deshalb – unverzichtbar ist, ist Frank Dehne (44) wie Frank Rudolph (58) bewusst.

Frank Dehne (parteilos), Rochlitz Quelle: privat

Beide Stadtchefs sind Unternehmer, kamen vor zwei Jahren in die Chefsessel ihrer Rathäuser. Dehne ist parteiloser Oberbürgermeister von Rochlitz. Rudolph ist als Geithainer Bürgermeister von den Unabhängigen Wählern nominiert. Die LVZ sprach mit beiden über Stand und Zukunft der Städte-Kooperation.

Wirtschaft, Städtebau, Tourismus, Lebensqualität: Wo steht Rochlitz? Wo steht Geithain?

Frank Rudolph: Ich denke, dass Geithain sich finanziell erholt hat. Wir konnten zuletzt die Schuldenlast von über 900 Euro auf rund 220 Euro pro Einwohner senken. Die Wirtschaft funktioniert, wir stellen Flächen für Unternehmenserweiterungen und Neuansiedlungen zur Verfügung. Die Einwohnerzahlen haben sich stabilisiert. Dank Narsdorf kommen wir jetzt auf 7300. Es geht wieder voran.

Frank Dehne: Rochlitz ist schuldenfrei. Nach jahrelangem Einwohnerschwund durchqueren wir jetzt die Talsohle. Wir kommen auf 6000 Einwohner, zusammen mit den Verwaltungsgemeinschaften Zettlitz, Seelitz und Königsfeld auf rund 10 000. Wir haben einen gesunden Mittelstand, aber es fehlen die Großbetriebe, die nach der Wende weggebrochen sind. Wir entwickeln jetzt ein Gewerbegebiet und ein Wohngebiet neu. Da bin ich dran, seit ich im Amt bin.

Frank Dehne: „Die Grenze ist auf alle Fälle spürbar“

Wie macht sich die Randlage Ihrer Kommune bemerkbar?

Die Grenze ist auf alle Fälle spürbar. Die Bahnanbindung fehlt, Busse können das nicht komplett kompensieren. Geithain und Narsdorf an der Strecke Leipzig – Chemnitz sind für Rochlitzer Pendler wichtige Umsteigepunkte.

Frank Rudolph: Unsere Situation ist, was das betrifft, deutlich komfortabler. Wir haben Zug, S-Bahn, zwei Anschlussstellen an der A 72.

Das Trennende dieser Kreisgrenze lässt sich verschmerzen?

Nein. Vieles wäre leichter, gäbe es sie nicht.

Frank Dehne: Der Landkreis Mittelsachsen ist ein Konstrukt mit unvorteilhaft gezogenen Grenzen. Rochlitz hat sich traditionell in Richtung Leipzig orientiert, nicht nach Chemnitz und schon gar nicht nach Freiberg. Dem trägt die Zugehörigkeit zu Mittelsachsen mitnichten Rechnung.

Sollte die Landespolitik eine solche Grenze im Sinne von Kommunen durchlässiger machen?

Sachsen sollte die Kommunen ordentlich mit Geld ausstatten, sodass sie eigenverantwortlich handeln können. Das wäre im Sinne einer wirklichen Selbstverwaltung. Das würde schon ausreichen

Frank Rudolph: Dann wären wir in der Lage, noch mehr miteinander zu tun.

Frank Rudolph: „Eine Potenzialfläche ist unser gemeinsames Ziel“

Wenn ein großer industrieller Investor käme, um sich niederzulassen: Hätten Sie überhaupt eine Fläche, die groß genug ist?

Eine solche Potenzialfläche zu schaffen, ist unser gemeinsames Ziel. Nach der Eingliederung Narsdorfs können wir handeln. In Frage käme ein Areal an der Grünen Tanne, da wäre die Autobahn-Anbindung bestens. Bis zu 50 Hektar könnten dort perspektivisch angeboten werden. Jetzt wollen wir versuchen, all das zu klären, was da zu klären ist.

Auf welchen Feldern funktioniert die Zusammenarbeit beider Städte bereits gut?

Frank Dehne: Im Tourismus. Das Muldental und das Kohrener Land betreuen auch die Leader-Förderregion Land des Roten Porphyrs gemeinsam. Und es gibt eine gegenseitige Unterstützung der Feuerwehren bei Einsätzen und mit Technik.

Frank Rudolph: Der kulturelle Austausch funktioniert. Zum Geithainer Eventshopping am 1. September kommen viele Rochlitzer, und die Geithainer fahren eine Woche später hinüber zum Händlerherbst.

Frank Dehne: Seit April gibt es in Rochlitz an jedem ersten Samstag einen Markt mit regionalen Produkten. Der wird von Erzeugern und Käufern beider Städte gut genutzt.

Wo klemmt es?

Vieles ließe sich noch intensivieren, keine Frage. Doch was zum Beispiel den Nahverkehr betrifft – wir liegen ja bedauerlicherweise an der Grenze der Verkehrsverbunde Mittelsachsen und MDV –, da haben wir wenig Einflussmöglichkeiten.

Frank Rudolph: Ein direkter Radweg zwischen Geithain und Rochlitz wäre was. Die Entscheidung aber liegt nicht bei uns.

Fünf Jahre dauert noch Ihre (erste) Amtszeit. Wo stehen Rochlitz und Geithain dann in Bezug zueinander?

Frank Dehne: Wir wollen bis dahin noch manches bewegen. Über vieles haben wir noch gar nicht nachgedacht. Das entwickelt sich mit der Zeit. Ich bin da zuversichtlich.

Frank Rudolph: Der Austausch ist in den vergangenen zwei Jahren enger geworden. Das setzen wir fort. Wir könnten ja auch mal einen Städtelauf machen oder ein Fest an der Kreisgrenze und dort zeigen, dass uns der andere durchaus am Herzen liegt.

Von Ekkehard Schulreich

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