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Geithain Rochlitz will wieder ans Schienennetz
Region Geithain Rochlitz will wieder ans Schienennetz
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00:29 07.06.2018
Geithain hat einen eigenen Zug – Rochlitz ist vom Schienenverkehr abgehängt. Quelle: Jens Paul Taubert
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Rochlitz/Geithain

Gerade mal eine halbe Stunde von Geithain zum Leipziger Hauptbahnhof: So lange braucht der Regionalexpress. Die S-Bahn über Borna schafft die Distanz in 57 Minuten. Knapp über eine Stunde benötigte sie, würde sie bereits in Geithains Nachbarstadt Rochlitz starten. Die einstige Kreisstadt im Tal der Mulde ist seit 18 Jahren abgehängt vom Schienenverkehr.

Favorit: Anschluss per Kurve an der Grünen Tanne

Oberbürgermeister Frank Dehne (parteilos) möchte das dringend ändern. Er wirbt mit Nachdruck dafür, an das Schienennetz zurückzukehren – aber nicht, wie einst, via Narsdorf in Richtung Chemnitz, sondern per Kurve an der Grünen Tanne in Richtung Geithain und Leipzig.

Der Vorstoß kommt bei den Amtskollegen in der Nachbarschaft, namentlich bei Geithains Bürgermeister Frank Rudolph (UWG), gut an. Beim Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig und im sächsischen Wirtschaftsministerium ist man dagegen mindestens skeptisch.

Rochlitz war einst Bahnkreuz

Über Jahrzehnte war Rochlitz ein Bahnkreuz: In Richtung Narsdorf und Waldheim, Grimma und Glauchau und nach Chemnitz ging es. Seit das Geschichte ist, liegt die Stadt verkehrstechnisch in einem toten Winkel. Den Busverkehr zum Geithainer Bahnhof und entlang des Muldentals in Richtung Penig betrachten viele als unzulänglichen Ersatz.

„Wir brauchen wieder eine Direkt-Anbindung. Das Umsteigen stellt für viele Berufspendler und Reisende eine Barriere dar“, sagt Oberbürgermeister Dehne. Rochlitz brauche einen Bahn-Stundentakt in die Oberzentren. Die heißen Chemnitz – oder eben Leipzig.

Seit dem Jahr 2000 ist die Verbindung gekappt. Statt den Gleisanschluss in Narsdorf gen Chemnitz neu zu bauen, könnte sich Dehne eine völlig neue Gleiskurve vorstellen, um Leipzig ins Visier zu nehmen. Nicht nur die Bürger, auch die Unternehmer und Touristiker unterstützten diese Pläne, sagt Dehne. „Alle bis jetzt geführten Gespräche verliefen sehr positiv, wir sind zuversichtlich.“

Machbarkeitsstudie soll Weg ebnen

Den Weg ebnen soll eine Machbarkeitsstudie. Die empfiehlt der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) gemeinsam mit dem in erster Linie verantwortlichen Verkehrsverbund Mittelsachsen. „Sie könnte die Grundsatzfragen einer verbesserten Schienenanbindung von Rochlitz über Narsdorf nach Leipzig prüfen“, sagt ZVNL-Geschäftsführer Oliver Mietzsch. Eine Anbindung an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz setze voraus, dass die Strecke Leipzig – Chemnitz endlich elektrifiziert werde. Zudem sei fraglich, ob die weitgehend eingleisige Trasse den zusätzlichen Verkehr aufnehmen könne.

ZVNL-Geschäftsführer zweifelt am Bedarf

Vor allem aber müsse er bezweifeln, dass eine solche Verbindung im nötigen Maß genutzt werde. Bahnkundenverband und Deutsche Bahn ließen zurzeit bundesweit prüfen, inwiefern Interesse am Bestand nicht mehr im Regelbetrieb befindlicher Strecken bestehe: „Für die unseren Verband betreffenden Strecken haben wir das durch eine Umfrage bei unseren Mitgliedskommunen abklären können – mit negativem Ergebnis.“

Wirtschaftsministerium: Elektrifizierung Leipzig-Chemnitz vordringlich

Schlicht „unwirtschaftlich“ nennt das sächsische Wirtschaftsministerium die ins Auge gefasste Revitalisierung. Vordringlich sei die Elektrifizierung zwischen Leipzig und Chemnitz, so Pressesprecherin Kathleen Brühl. „Die Entscheidung über die von uns geforderte Aufnahme der Strecke Leipzig - Chemnitz in den vordringlichen Bedarf sollte bereits im vergangenen Jahr getroffen werden. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD ist eine Bekanntgabe der Bewertung nunmehr bis zum dritten Quartal 2018 vorgesehen.“ Bis dahin werde man sich „weiterhin auf allen Ebenen für die Elektrifizierung der Strecke stark machen“.

PlusBus-Netz für Rochlitz zielführend

Was die Anbindung von Rochlitz betreffe: Hier folge man der Strategiekommission für den öffentlichen Personenverkehr, die ein sachsenweites PlusBus-Netz mit Bahnverknüpfung für zielführend hält. Das Konzept sehe eine PlusBus-Linie Rochlitz – Mittweida vor, außerdem drei TaktBus-Linien: Geithain – Rochlitz – Waldheim, Geithain – Rochlitz – Penig – Glauchau und Rochlitz – Colditz. Die Busse sollen ein- oder zweistündlich verkehren, auch an Wochenenden. Sie sollen über WLAN verfügen und Fahrräder an Bord nehmen können.

Für Geithain würde sich Parkplatz-Situation entspannen

Der Charme einer Bahnverbindung zwischen Geithain und Rochlitz liegt für Frank Rudolph, den Geithainer Bürgermeister, nicht nur in einem Zusammenrücken beider Städte. „Ein ehrgeiziges Vorhaben, aber es würde beiden Seiten helfen, auch unser Parkplatz-Problem verringern.“

Im Umfeld des Geithainer Bahnhofs und des Narsdorfer Haltepunktes stellten Dutzende Pendler aus Rochlitz, aber auch aus Colditz, Wechselburg und Penig, ihre PKW ab, um in den Zug umzusteigen. Gerade erst beschloss der Stadtrat, in Narsdorf zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Beide Städte pflegten eine inzwischen recht enge Zusammenarbeit, so Rudolph; auch Penig sei da im Boot: „Aber eine Hürde ist und bleibt die Landkreis-Grenze, nicht zuletzt verkehrstechnisch.“

Die ruhende Bahnstrecke durch das Frelsbachtal neu zu beleben, ist auch erklärtes Ziel der Interessengemeinschaft MuldentalBahnTourismus. Allerdings denkt der Verein, der die abgehängte Strecke zwischen Rochlitz und Narsdorf betreut, zuerst an einen Ausflugsverkehr mit dem Schienen-Trabi.

Von Ekkehard Schulreich

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