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Geithain Rundfunk-Blasorchester Leipzig: Seit 60 Jahren klingt's
Region Geithain Rundfunk-Blasorchester Leipzig: Seit 60 Jahren klingt's
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15:10 04.06.2010
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. Genau vier Jahrzehnte hat Stefan Walther den Klangkörper nicht nur als Klarinettist begleitet, sondern sein Repertoire mit vielen Arrangements mitgeprägt.

 

Vom herzhaften Egerländer Sound, der für viele der Inbegriff volkstümlicher Blasmusik ist, bis hin zu filigranen barocken Bläsersätzen reicht das Repertoire des Rundfunk-Blasorchesters Leipzig (RBO). Eines Orchesters, das in der Funktion, die sein Name benennt, über 40 Jahre ein internationales Renommee erwarb – und das sich seit den neunziger Jahren, an Bewährtes anknüpfend, im Grunde neu erfand. Das RBO war seit seiner Gründung vor allem ein Ensemble, das man im Radio hören konnte. „Wir spielen für Euch" hieß zum Beispiel eine eingeführte Sendung an jedem Freitagnachmittag. Eine andere war die Landpartie, am Sonntagvormittag ausgestrahlt, in der ein Konzert an wechselnden Orten aufgezeichnet wurde. Nicht zu vergessen der „Musikalische Frühschoppen" unter anderem mit Lutz Jahoda. Konzerte vor Publikum waren bis zur Wende, bis zur Abwicklung des Konzertes geschätzte, weil zählbare Ausnahmen. Ganz anders seither: Heute lebt das Orchester in erster Linie von seinen Auftritten in der Region, von seinen Konzertreisen, von seiner Arbeit mit jungen Laienmusikern und via Bläserakademie Sachsen mit internationalen Dirigenten. CD-Produktionen in Deutschland, Belgien, Holland runden den Erfolg ab.

Stefan Walthers Musiker-Biografie ist gleichermaßen zweigeteilt: Der 63-Jährige spielte 1970 beim Rundfunk-Blasorchester in der Leipziger Springerstraße – hier war der Sender Leipzig – vor und wurde prompt eingestellt. Ein Wunsch erfüllte sich, der der Familientradition erwuchs: „Väterlicherseits waren alle in meiner Familie Musiker." Stefan Walther lernte Klavierspiel und Klavierbauer, studierte an der Leipziger Hochschule Klarinette. In den achtziger Jahren, er hatte für das Orchester zu komponieren begonnen, schob er ein Studium für Arrangement nach. „Wir hatten unheimlich viele Arrangeure, die die tägliche Musik schrieben und die eine Handschrift des Orchesters entwickelten, den Wiedererkennungswert", sagt Walther, nennt die Namen Siegfried Bethmann, Werner Schirmer, Christoph Reichelt.

Der Große Aufnahmesaal des Senders Leipzig war der tägliche Arbeitsplatz, wo die Musik für die Radioprogramme aufgezeichnet wurde. Vor Publikum wurde nur in Ausnahmen gespielt: zu Pfingsten im Zoo, zu Silvester in der Kongresshalle – Konzerte, die im Äther übertragen wurden. Das Repertoire umfasste vor allem U(nterhaltrungs)-Musik bis hin zu klassischen Ouvertüren. Die Bänder verkaufte Radio DDR auch ins Ausland, nach Westeuropa, nach Norwegen. Gastspielreisen führten nach Finnland und Japan.

1991 wurden das Rundfunk-Blasorchester und das Rundfunk-Tanzorchester abgewickelt, wie es hieß. „Wir haben das halbe Jahr Arbeitslosigkeit genutzt, um neue wege zu finden", erinnert sich Walther. Musikerziehung für Laien rückte ins Blickfeld, die thematische Bandbreite wuchs. 1995 die GmbH-Gründung. Das sächsische Kulturraum-Gesetz sichert einen Großteil des Finanzbedarfs ab. Überlegungen der Politik, das RBO mit dem Westsächsischen Symphonieorchester zu verschmelzen, werden nicht umgesetzt. „Wir sind heute das einzige große professionelle und zivile Blasorchester in Europa", sagt Walther, der seit zwei Jahrzehnten als Konzertmeister fungiert. Die Arbeit mit dem musikalischen Nachwuchs ist dem Orchester und ihm persönlich sehr wichtig. Schülerkonzerte im Kulturraum zählen dazu, die jährliche sachsenweite Werkstatt in Schneeberg, wo Walther viele Male das Abschlusskonzert leitete. Für die Bläserakademie Sachsen steht das RBO als Probenorchester zur Verfügung. Ein Höhepunkt seines Berufslebens war für Walther die China-Tournee des Ensembles im Herbst 2009. Und er freut sich auf das Jubiläumskonzert am 17. Oktober im Gewandhaus: belgische Komponist Bert Appermont schreibt zu diesem Anlass eine Kammeroper, die sich dem Wirken vom Luthers Frau Katharina von Bora widmet; schließlich stammt die aus der Bornaer Region.

Eine große RBO-Jubiläumsgala findet am 27. Juni im Bad Lausicker Kurpark statt. Dann musiziert das Ensemble mit Gunther Emmerlich, Barbara Sauter und Richard Wiedl. Die Veranstaltung unter dem „Schmetterling" beginnt 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Ekkehard Schulreich

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