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Geithain Sachsens Nabu-Chef Heinitz: "Was hier geschieht, ist eine Katastrophe"
Region Geithain Sachsens Nabu-Chef Heinitz: "Was hier geschieht, ist eine Katastrophe"
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13:54 19.05.2015
Janine Kirchner führt nun Regie in der Naturschutzstation Teichhaus Eschefeld, ihr zur Seite steht Philipp Wöhner, der seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert. Quelle: Jens P. Taubert

s von europäischem Rang. Das will der Naturschutzbund (Nabu) Sachsen jetzt ändern. Mit Janine Kirchner übernimmt ab sofort eine junge Mitarbeiterin hier die Regie. Dass die Wiederbelebung der Naturschutzstation allerdings nur dann erfolgreich sein kann, wenn der Freistaat Sachsen als Eigentümer der Teiche endlich seiner Verantwortung nachkomme und dort für einen ausreichenden Wasserstand sorge, macht Sachsens Nabu-Chef Bernd Heinitz deutlich: Er spricht angesichts der anhaltenden Ebbe in zahlreichen Teichen und den dadurch verursachten Brutverlusten von zahlreichen geschützten Arten von einem "Desaster".

Seit November ist die Naturschutzstation Teichhaus gänzlich geschlossen (die LVZ berichtete). Die Aktivitäten waren seit dem Tod von Detlef Zange Mitte 2013 stark eingeschränkt, und damit auch die öffentliche Wirksamkeit der Einrichtung. Seit 1996 bereits fungiert der Nabu als Träger des Hauses, Eigentümer ist der Landkreis Leipzig. Zange, der Geithainer, hatte das Haus über viele Jahre geleitet und dabei Mitarbeiter geförderter Maßnahmen an seine Seite.

Zuletzt versuchte der Naturschutzbund, das Haus allein durch Bundesfreiwilligen-Dienstler zu führen - und scheiterte. Man könne ein Haus diesen Charakters nicht nebenher führen, wenn man erfolgreich sein wolle, sagt Bernd Heinitz: "Wir haben alle erkannt, wir brauchen jemanden, der das mit Herzblut tut." Janine Kirchner, 31, studierte Medien- und Kulturwissenschaftlerin mit Erfahrungen auch in der Umweltbildung, soll die richtige Frau an diesem Ort sein. Zur Seite steht der gebürtigen Rostockerin Philipp Wöhner (28), ein Wasserwirtschaftler aus Dessau, der hier seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert.

"Umweltbildung steht bei uns im Vordergrund", benennt Heinitz einen Schwerpunkt früherer und künftiger Arbeit. Dem trage man Rechnung mit Exkursionen, mit Angeboten für Klassen, aber auch mit einer neuen Ausstellung im Teichhaus, die über das Schutzgebiet und seine Geschichte informiere. Damit werde die Station wieder zu einem attraktiven Anlaufpunkt für Besucher des Teichgebietes. Darüber hinaus plane der Nabu, sich unmittelbar in die Pflege des Gebietes einzubringen. "Da ist lange nicht viel gemacht worden. Das müssen wir peu a peu wieder aufbauen", erklärt Heinitz und stellt klar: "Dabei brauchen wir starke Partner" - in der Region und darüber hinaus. Ein wichtiger: die Fachgruppe der Ornithologen, die seit jeher das Teichhaus als ihr Domizil verstehe.

"Wir sind jetzt dabei, Kontakte neu zu beleben. Es gibt erste konkrete Anfragen, erste Termine für Veranstaltungen", sagt Janine Kirchner. Der Neubeginn werde Kärrnerarbeit sein, auch Auf- und Ausräumen und Sichten des Vorhandenen einschließen. Was der Nabu mit dem Haus plane, liege dem Landkreis in Form eines Konzeptes vor. Möglich sein sollen künftig auch wieder Bildungsangebote für Schüler, die ein Übernachten im Teichhaus einschließen. Dafür soll das Obergeschoss neu, sprich rustikaler gestaltet werden - künftig Raum bieten, um Schlafsäcke auszurollen.

"Der Naturschutzgedanke steht an erster Stelle", hebt Bernd Heinitz hervor - und meint die Station und das Teichgebiet gleichermaßen. Höchste Zeit sei es, dass der Freistaat für Verhältnisse im Gebiet sorge, die dem europäischen Schutzgedanken entsprächen. Was hier geschehe, sei eine Katastrophe. Die nicht weit entfernten Haselbacher Teiche südlich von Regis-Breitingen und auf Thüringer Terrain, seien das positive Gegenbeispiel dazu: "Dort ist durch die EU in Größenordnungen investiert worden." Dem Vorschlag der Frohburger Osterland Agrar GmbH, eine vorhandene Pumpleitung vom Land zu übernehmen und künftig selbst bei Bedarf Wasser der Wyhra in die Teiche zu leiten (die LVZ berichtete), steht Heinitz reserviert gegenüber: "Es müsste jemand sein, der keine wirtschaftlichen Interessen verfolgt." So wie er ohnehin fordere, die Bewirtschaftung der Eschefelder Teiche (Fischzucht!) konsequent dem Naturschutz unterzuordnen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.04.2015
Schulreich, Ekkehard

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