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Geithain Schach hat in Bad Lausick eine Heimat
Region Geithain Schach hat in Bad Lausick eine Heimat
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17:17 09.12.2009
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. Die noch immer aktiven Bad Lausicker Schachfreunde denken darüber nach, die damals politisch ungewollte Rück-Partie 2010 nachzuholen.

Bad Lausick schlägt Frankfurt 7:6 – so geschehen beim 1. (und einzigen) Schach-Vergleichskampf in Bad Lausick 1955. Die Bad Lausicker Schachfreunde sind seit sechs Jahrzehnten aktiv am Brett. Schach hat in Bad Lausick starke Wurzeln. Zu jenen, die beinahe von Beginn an aktiv und noch immer dabei sind, gehört Simon Gscheidt. 75 Jahre alt ist er heute. Bei Günther Ezold, der lange Zeit die Schach-Jugend betreute, fand er 1948/49 Geschmack an den Wettkämpfen. An den Vergleich mit dem Schachverein 1947 Frankfurt, der 1955 in Bad Lausick stattfand und der weithin Beachtung erfuhr, kann er sich hut erinnern: Er saß am zweiten Brett, hatte weiß – und setzte sich gegen seinen Kontrahenten durch. Das Angebot, nach Frankfurt zu wechseln, kam prompt; Gscheidt lehnte ab. Helge Heinig, der vier Jahre später zum Verein stieß, erlebte diese Partie nicht. Doch er hat sich intensiv mit der Entwicklung des Schachs in Bad Lausick und Deutschland befasst. Er weiß noch, dass dieser Sport – wie vieles andere auch – damals gern politisch bemäntelt wurde. Der Slogan hieß: Schachspieler an einen Tisch! Kämpft für die Wiedervereinigung Deutschlands! „Vielleicht gelingt es uns ja, die Frankfurter ausfindig zu machen und mit 55 Jahren Verzug 2010 um die Revanche zu bitten", sagt Heinig.

„Dem Schach geht in der Region allmählich der Atem aus", diagnostiziert Helge Heinig, der völlig vergaß, in diesem Jahr sein 50. Schachjubiläum zu feiern. 15 Aktive zählen die Bad Lausicker, die 2004 einen eigenen Verein gründeten, heute. Zwei Mannschaften stehen im Wettkampfbetrieb. In den besten Jahren – der Schach war wechseln den BSG Vorwärts, Medizin und Stahl Bad Lausick angegliedert – war die Zahl der Spieler mehr als doppelt so hoch, waren fünf Teams im Spielbetrieb. Mit Lieselotte Jansen aus Colditz, mehrfacher deutscher Senioren-Meisterin, hat der Verein heute eine prominente Gastspielerin in seinen Reihen. Hans Burzlaff und Volkmar Zickler gehörten einst zu den Großen in der Kurstadt, auch Simon Gscheidt und sein jüngerer Bruder Johann mischten viele Jahre an der Leistungsspitze mit. „Bei den Medizin-Sportvereinen wurden wir zweimal Mannschaftsmeister", erinnert sich Gscheidt. Was für ihn den Reiz von Schach ausmacht? „Beide am Brett haben die gleichen Voraussetzungen", sagt er, der Gefallen hat an strategischem Denken.

Für Helge Heinig ist die Frage, warum Schach Sport ist, klar zu beantworten: Weil es um Teamgeist geht, um Sieg und Niederlage und weil es Kondition erfordert. Schließlich kann eine Partie bis zu sechs Stunden dauern. Anderthalb Jahrzehnte hat Heinig nebenher Fernschach gespielt, hat zur Schachgeschichte geforscht und 3000 Bücher und Zeitschriftenbände zusammengetragen. Schach geschieht für ihn nicht nur am Brett: „Wenn ich Zug fahre, lese ich Schachbücher." Trafen sich die Bad Lausicker Schachsportler in den fünfziger Jahren bei Mehlhorns in der „Erholung" – der Wirt und sein Sohn spielten selbst –, war später das Kurbad Domizil. Heute trifft sich der Verein montags im Hotel am Bahnhof zum Training. Für Jugendliche bietet Helge Heinig montags ab 17 Uhr in der Mittelschule eine Schachstunde an. Seit das Friedrich-Schiller-Gymnasium, wo Heinig eine Schach-Arbeitsgemeinschaft betrieb, nicht mehr existiert, ist der Altersdurchschnitt in die Höhe gegangen. Junge Leute verlassen, die Stadt, um auswärts zu lernen. „Und wer weg ist, der kommt auch nicht wieder."

Ekkehard Schulreich

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