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"Schlamassel" bei der Steinbacher Feuerwehr

"Schlamassel" bei der Steinbacher Feuerwehr

"Wir nennen uns Kameraden. Zur Kameradschaft gehört so ein Schlamassel nicht", sagte der Steinbacher Feuerwehrmann Werner Wittig. Wenn einer das sagen kann, dann er, der seit 1956 und damit beinahe 60 Jahre ehrenamtlicher Brandschützer ist.

Bad Lausick/Steinbach. Der "Schlamassel" besteht für ihn in Vorwürfen, mit denen die Bad Lausicker Stadtwehrleitung und die Rathausspitze den Steinbacher Wehrleiter Steffen Olschak seit Monaten konfrontieren und die jetzt sogar in eine Abmahnung Olschaks mündeten.

Ein Vorgehen, dass nicht nur Alterskamerad Wittig als Affront gegen die Steinbacher Wehr insgesamt empfindet - unterstrichen dadurch, dass weder Bürgermeister Josef Eisenmann (CDU) noch Stadtwehrleiter Tim Barczynski oder ein Stellvertreter die Jahreshauptversammlung der Steinbacher am Freitagabend besuchten, um ihre Vorwürfe zu untermauern und um sich anzuhören, was die Steinbacher selbst dazu zu sagen haben. Ursprünglich auf den 13. März terminiert, habe man die Sitzung extra um zwei Wochen verschoben - "auf den ausdrücklichen Wunsch von Herrn Eisenmann, weil er persönlich dabei sein wollte", sagte Steffen Olschak. Angesichts dessen noch einmal eine gesonderte Einladung hinterherzuschicken, habe er sich erspart; der Termin sei für alle Seiten von einer Tragweite, dass er gar nicht vergessen werden könne.

"Ich wollte ursprünglich heute Abend mein Amt niederlegen und aus der Feuerwehr austreten", sagte Steffen Olschak, 40 Jahre in der Wehr, 23 Jahre Wehrleiter in Steinbach. Dass er sich - auch in Rücksprache mit seinem Anwalt - dagegen entschieden habe, quittierten die 15 anwesenden Kameradinnen und Kameraden mit Beifall. "Von außen werden Probleme in unsere Wehr hineininterpretiert. Die Stadt will mir den schwarzen Peter zuschieben", sagte Olschak. Bei klärenden Gesprächen hätten Stadtwehrleitung und Stadtspitze gerade ihn ausgeschlossen: "Das ist schon eine Art vom Mobbing, die hier betrieben wird." Und die an die Substanz aller gehe.

Vorwürfe beträfen unter anderem ein Public Viewing zur Fußball-WM und eine Silvesterfeier im Gerätehaus. Olschak dazu: "Wir haben uns nicht einfach einen Fetten gemacht. Wir waren hier, um die Einsatzbereitschaft zu sichern. Anderenfalls hätten wir Status sechs anmelden müssen" - die Wehr also abmelden.

15 000 Euro privates Geld habe man in den vergangenen Jahren in die Feuerwehr investiert, sagte Olschak: Die Steinbacher sammelten Spenden, um ein gebrauchtes Löschfahrzeug zu kaufen ("Sonst hätten wir immer noch den B 1000."), bezahlten ihre Ausgeh-Uniformen privat, ebenso die Schutzkleidung für die Jugendwehr, investierten privat in die Reparatur der Technik. "Wir haben das getan, weil wir mit Herz und Seele zur Feuerwehr stehen", sagte Olschak. Eine wirkliche Anerkennung seitens der Kommune habe man dafür nie erfahren. Pikantes Detail: Das im September 2013 eingeweihte neu gebaute Gerätehaus, Kostenpunkt eine knappe halbe Million Euro, verfüge bis heute nicht über ein Telefon.

"Stellt euch vor, es brennt - und es ist keiner mehr da, der hilft", sagte Wolfgang Walther. Die Wehr müsse gestärkt werden, dieser "Hickhack auf persönlicher Ebene" versuche das Gegenteil zu erreichen. "Ich bin erleichtert, dass du nicht sagst, du haust in den Sack", meinte Erik Wittig.

Unglaublich sei, was hier geschehe, sagte Falk Noack, der als Vertreter des Ortschaftsrates an der Jahreshauptversammlung teilnahm. "Ich hätte dazu gern den Bürgermeister gehört. Solche Spielchen habt ihr nicht verdient", sagte der 40-Jährige, der sich für die AfD um den Chefsessel im Rathaus bewirbt.

Vier Einsätze fuhren die Steinbacher Feuerwehrleute im vergangenen Jahr, unter anderem beim Brand einer Scheune in Lauterbach. 32 Mitglieder zählt die Wehr. Sie kann tagsüber neun, nachts und an Wochenenden im Schnitt 14 Kameraden aktivieren. "Wenn es darauf ankommt, sind wir da zu helfen", so Olschak.

Hoffnungsvoll, meinte Jugendwart Sven Dietze, entwickle sich der Nachwuchs. Zwei aus der Jugendwehr wechselten in die aktive Truppe; im Jahresverlauf wuchs die Jugendwehr von vier auf neun Köpfe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.03.2015
Schulreich, Ekkehard

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