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Geithain Schon Platzregen kann Altdorf mit Fäkalien fluten
Region Geithain Schon Platzregen kann Altdorf mit Fäkalien fluten
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06:01 06.10.2018
Kaffeetermin am Eula-Ufer im Geithainer Altdorf: Thomas Börngen (M.) und Manfred Irmscher erläutern Redakteur Ekkehard Schulreich (li.), wie der Flusslauf neu gestaltet werden sollte. Quelle: Jens Paul Taubert
Geithain

Wenn Manfred Irmscher sagt, „der Zinnober geht seit 1999“, dann meint er nicht die Farbe Rot, sondern den Ärger, den er und andere Anlieger der Eula im Geithainer Altdorf seither haben. Und rot sehen, sobald der Himmel seine Schleusen öffnet. Denn dann können, ja müssen sie ungünstigenfalls darauf warten, dass der Staukanal unter der Bundesstraße 7 überläuft – und Wasser und Fäkalien in die Grundstücke schwemmt.

Noch keine praktikable Lösung gefunden

Mit dem Ausbau der Eula will die Landestalsperrenverwaltung ab 2019 dem Fluss mehr Raum geben. Für die wiederkehrende Verschmutzung aber tragen die Kommunalen Wasserwerke Grimma-Geithain GmbH Verantwortung. Und die haben noch keine praktikable Lösung gefunden.

Irmscher: Anlieger haben schon 1999 gewarnt

Äußerst unappetitlich sei, was die Gärten flute und mitunter sogar die Häuser erreiche, sagt Manfred Irmscher: Sobald das Abwassersystem der Stadt bei einem kurzen, starken Regen kollabiere, seien die Altdörfler die Leidtragenden. Dann sei der Kanal, der zur Richtung Niedergräfenhain gelegenen Kläranlage führe, außerstande, die Wassermassen zu bewältigen. Damals, 1999, hätten die Anlieger auf einer Versammlung vor genau dieser Gefahr gewarnt: „Doch das wurde kleingeredet, nicht akzeptiert.“

Große Angst, dass es sich wiederholt

„Die Angst vor den Wiederholungen ist groß. Manche sind regelrecht traumatisiert. Das geht an die Substanz, auch psychisch“, sagt Irmschers Nachbar Thomas Börngen: „Eine Viertelstunde Platzregen – schon ist Panik. Die Lebensqualität ist erheblich gesunken.“ Andererseits stiegen die Raten der Versicherer. Jeder der neun betroffenen Grundstückseigentümer habe Pumpen, Sandsäcke, passgenaue Bretter griffbereit, sobald das Wasser komme, vermischt mit den Fäkalien der ganzen Stadt.

Ausbau der Eula löst Fäkalien-Problem nicht

Die Ausbaupläne der Eula im Bereich der einstigen Gartenanlage Alte Heimat und direkt im Altdorf begrüßt Irmscher: „Das trägt zur Entspannung bei wie der schon erfolgte Neubau der Brücke. Aber es löst unser großes Problem nicht.“ Die Anlieger seien allesamt bereit, einen anderthalb Meter breiten Streifen abzugeben, damit das Ufer eine naturnahe Böschung erhalte. Das Wasser fließe dann zügiger ab – doch die Schmutzfracht bleibe im Falle des Falls.

„Die beste Lösung wäre es, den Staukanal unter der Straße bis zum Ortsausgang zu verlängern“, sagt Thomas Börngen. Dass der Versorgungsverband im vergangenen Jahr Siebe einbaute, habe ja nachweislich nichts gebracht. Die Fäkalien müssten auf jeden Fall verlässlich zurückgehalten werden: „Wir möchten ja nicht, dass das Problem verlagert wird, etwa nach Niedergräfenhain.“

4000 Kubikmeter Staukapazität wären notwendig

Um Überflutungen zu verhindern, brauche man zusätzliche 4000 Kubikmeter Staukapazität, sagt Lutz Kunath, Geschäftsführer des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain. Dafür aber gebe es aber keine ausreichende Baufläche, und die mehr als zwei Millionen Euro dafür habe man ebenso wenig. „Eine Lösung könnte darin bestehen, den Stauraumkanal in der Altenburger Straße um 100 bis 150 Meter zu verlängern und erst dort das eingestaute Abwasser in die Eula abzuleiten.“ Dazu gebe man eine Vorplanung in Auftrag. Doch vor einer Umsetzung stünden verschiedene Hürden, so dass es nicht binnen Monaten eine Entspannung geben könne.

Bürgermeister hält Anzeige aufrecht

Dass für ihn im Grunde nur die Verlängerung des Stauraum-Kanals in Frage kommt, daran lässt Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) keinen Zweifel. „Sie werden etwas tun. Darauf werde ich bestehen“, sagt er an die Adresse der Kommunalen Wasserwerke Grimma-Geithain. Die Anzeige beim Landkreis wegen der Verschmutzung der Eula und der Grundstücke durch ausgeschwemmte Fäkalien halte er aufrecht. Es ist ein Druckmittel.

Von Ekkehard Schulreich

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