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Geithain Schüler treffen Enkel eines verfolgten Bad Lausickers
Region Geithain Schüler treffen Enkel eines verfolgten Bad Lausickers
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05:02 17.05.2018
Steffen Kaubisch stellte sich den Achtklässlern der Bad Lausicker Oberschule zu einem Zeitzeugen-Gespräch. Quelle: Jens Paul Taubert
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Bad Lausick

Dass ihm die Bad Lausicker Oberschüler ein bisschen mehr über seinen Großvater erzählen konnten als ihm selbst bekannt war, überraschte Dr. Steffen Kaubisch dann doch: Der Enkel von Friedrich August Kaubisch, eines Kurstädters, der während der Nazizeit aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen verfolgt wurde, stellte sich den Achtklässlern in dieser Woche zu einem Gespräch.

Gast erzählte von seinem Großvater

Via LVZ hatte der Leipziger erfahren, dass die Schüler sich mit dem Lebens- und Leidensweg des Großvaters befassen mit dem Ziel, für ihn in der Stadt einen weiteren Stolperstein zu verlegen – und zwar vor dessen letztem frei gewählten Wohnort August-Bebel-Straße 25.

„Sein Schicksal steht für das vieler Tausend anderer. Dass sich junge Menschen heute damit befassen, halte ich für wertvoll. Daraus kann die Erkenntnis reifen, dass sich Verfolgung und Unterdrückung nicht wiederholen dürfen“, sagte Steffen Kaubisch, Jahrgang 1950, der in Leipzig aufwuchs und der seinen Opa, der als Überlebender von fünf Konzentrationslagern 1954 starb, in frühester Kindheit in Bad Lausick besuchte.

Er selbst habe sich frühzeitig mit der Geschichte seiner Familie befasst. Davon erzählte er den Schülern. Die stellten ihrerseits die Ergebnisse ihrer Recherchen vor.

Schüler berichteten über Recherchen

Sie hatten im Stadtarchiv Bad Lausick und im Staatsarchiv Leipzig geforscht, hatten mit Bernd Wegener gesprochen, der Friedrich Kaubisch noch kennengelernt hatte. Wegener hatte den Schülern jene Decke gezeigt, die Kaubisch aus dem Konzentrationslager Buchenwald mit nach Hause gebracht hatte. Die Schüler konnten deshalb belegen, dass er eine Zeit lang in diesem berüchtigten KZ interniert war – was der Enkel nicht wusste.

„Das Aufschlussreichste für die Schüler waren Fotografien, die der Enkel mitbrachte“, sagte Henry Lewkowitz vom Leipziger Verein Erich-Zeigner-Haus, der seit mehreren Jahren die Bad Lausicker Stolperstein-Projekte initiiert und dabei von der F. C. Flick-Stiftung unterstützt wird: „Jetzt erfuhren sie endlich, wie Friedrich Kaubisch aussah.“

Stolperstein soll am 20. Juni verlegt werden

„Wir wussten bis vor Kurzem gar nicht, dass es Nachfahren gibt. Wir hatten unsere Recherchen beinahe abgeschlossen“, sagte Geschichtslehrerin Anke Schneider, die mehrfach Projekte dieser Art begleitete. Einen Extrakt dessen, was die Oberschüler herausfanden, steht jetzt in einem Faltblatt. Mit dem wollen die Schüler nun Spenden einwerben für den Stolperstein.

„Vor drei, vier Wochen haben wir begonnen, den Flyer in der Stadt zu verteilen. Die Resonanz war positiv. Viele sagten, das ist interessant“, meinte Achtklässler Jan Tischer. Die Schüler hofften, dass sich dieses Interesse auf dem Spendenkonto manifestiere. Am 20. Juni, 14 Uhr, wollen sie gemeinsam mit dem Kölner Künstler und Mahner Gunter Demnig den Stein in das Gehwegpflaster einfügen.

Spendenkonto des Vereins Erich-Zeigner-Haus: DE 94 8605 5592 1100 2798 96, Verwendungszweck: Stolperstein Kaubisch

Von Ekkehard Schulreich

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