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Geithain Seit 75 Jahren ist Tennis Elli Ottes Elixier
Region Geithain Seit 75 Jahren ist Tennis Elli Ottes Elixier
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14:57 22.04.2011
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Bad Lausick

Erst vor zwei Jahren legte die agile Frau den Schläger aus der Hand. Auf der Tribüne gehört sie weiterhin zu den Stammgästen.

Die bunte Umhängetasche mit dem Schläger und den Bällen hängt griffbereit am Haken. Elli Otte greift sie sich: „Wir können gehen." Wenn die 92-Jährige heute zur Tennisanlage ihres Vereins, des TC Blau-Gelb, geht, bleibt die Tasche indes zu Hause. Beschwerden im Knie, sagte sie, hätten sie gezwungen, mit 90 Abstand zu nehmen. Dass ihr das schwerfällt, ist offensichtlich. Ihr Herz hängt an dieser Sportart, die sie im Alter von 18 Jahren für sich entdeckte. Heute ist Elli Otte das Klubmitglied mit der längsten Vereinsvergangenheit, dicht gefolgt von Christa Müller, die seit mehr als 70 Jahren dazugehört und mit der sie viele Matches bestritten hat. Christas Mann Rolf Müller war drei JahrzehnteVorstand des Klubs.

„Rückhand war mein bester Schlag. Da hat sich sogar mal jemand in meine Rückhand verliebt", erzählt sie und lacht. Jahrzehnte liegt diese Episode zurück. Als Elli Otte sich dem Tennis zuwandte, 1936, standen - neben den Männern - vor allem Ärzte-Frauen und ältere Lehrerinnen auf dem Platz. Ihre Eltern waren Gesellschafter der Mühlenwerke, doch sportliche Ambitionen hatten sie nicht. Ellis Tante spielte im Verein, und im Pensionat hatte die Heranwachsende ihre ersten Bälle geschlagen. Kurt Nitzsche, Tennislehrer vom VfB Leipzig, kam einmal in der Woche in die Kurstadt, um ihr und einigen anderen Unterricht zu geben. Nitzsche, der später nach Bad Lausick zog, begründete eine lang anhaltende Freundschaft beider Vereine. Wobei es neben der sportlichen Leistung um das Gesellschaftliche ging, um Bälle, um Austausch, um Lebensart. Der Zweite Weltkrieg unterbrach Ottes Tennis-Begeisterung nur kurz. In den ersten Nachkriegsjahren wurde in Bad Lausick trainiert, aber in Grimma gespielt. Als die Bad Lausicker Damen in den sechziger Jahren republikweit ihre Meriten verdienten, war sie dabei: „Wir waren in der Verbandsliga, der höchsten Spielklasse."

Das Aufstiegsspiel 1963 gegen Empor Ilmenau sah sie mit auf dem Platz. Über die Jahrzehnte hat der Sport sich gewandelt, hat der Verein die Namen gewechselt von einfach Tennisklub über Vorwärts und Stahl zu Blau-Gelb. Otte hat alles miterlebt. Als sie begann, geziemte es sich, mit langen Röcken zu spielen, obwohl die den Bewegungsspielraum einengten („Die sind aber nicht so viel gerannt wie wir."). Später, als gute Bälle knapp waren, wurde mit ihnen noch trainiert, wenn schon die Filzhaut völlig verschlissen war: „Wir haben dann gesagt: Wir spielen mit Nackschen!"

Tennis hat über Jahrzehnte Elli Ottes Leben geprägt. Familie, Beruf und Sport unter einen Hut zu bekommen, war eine fortwährende Herausforderung. „Oft bin ich vom Platz im Dauerlauf nach Hause", blickt sie zurück auf turbulente Jahre. Ihre Begeisterung steckte in der Familie zumindest partiell an: Ihr Mann Waldemar, der durch ihre Schule ging, gehörte lange zum Klub, die Söhne nahmen Tennisstunden, einer der Enkel spielt heute in Berlin. Dass der TC Blau-Gelb um ihre 75 Jahre Vereinsmitgliedschaft großes Aufheben macht, ist der zierlichen Frau bei aller Freude ein bisschen unangenehm. Die Riesenflasche Sekt hat sie noch nicht angerissen, die Blumen aus dem großen Bukett auf der Terrasse ausgepflanzt.

Ab Mai wird man Elli Otte wieder regelmäßig auf dem Badberg sehen, wo seit jeher die Tennisplätze liegen. Vor allem wenn die Damen spielen, ist sie fasziniert: „Ich muss ihnen doch die Daumen drücken."

Ekkehard Schulreich

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