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Seit fünf Generationen in Familienhand: Geithainer Glaserei Sell wird 125

Firmenjubiläum Seit fünf Generationen in Familienhand: Geithainer Glaserei Sell wird 125

Durchblick verschaffen, für Sicherheit sorgen: Seit 125 Jahren ist das für die Geithainer Firma Sell Tagesgeschäft. Als kleine Glaserei 1891 gegründet, arbeitet inzwischen die fünfte Generation mit. Über alle Jahrzehnte blieb der Betrieb in Familienhand – und hat über die Region hinaus gut zu tun.

Drei Generationen in einem Betrieb: Herbert, Joachim und Marco Sell in der Niedergräfenhainer Halle.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Ob in Wohnhäuser oder Schulen, ob in Polizeidienststellen oder Rathäusern: Seit 125 Jahren sorgt der Geithainer Handwerksbetrieb Sell für den Durchblick und für Sicherheit. Was am 4. Mai 1891 als Glaserei begann, ist über die Jahrzehnte zu einem kleinen Betrieb geworden, der sich auf den Bau von Türen und Fenstern konzentriert, aber auch Sonnenschutz und Markisen anbietet – und durchaus in der Lage ist, Fenster aus DDR-Zeiten oder noch ältere wieder herzurichten. Über all die Umbrüche des an Konflikten reichen 20. Jahrhunderts hinweg blieb der Betrieb immer in Familienhand. Inzwischen ist er im Ortsteil Niedergräfenhain ansässig, doch in der Katharinenstraße, wo die Wurzeln liegen, erinnert ein Bleiglas-Firmenschild bis heute an die Ursprünge.

„Mit dem Leiterwagen ist mein Großvater über die Dörfer gefahren, hat die Fenster ausgeliefert und neue Aufträge besorgt“, blickt Herbert Sell zurück auf die Anfänge des Betriebes, den Emil Sell 1891 gegründete. Noch ohne Maschinen begann er Fensterrahmen herzustellen, das Glas einzusetzen. Deutlich größer wurde der Betrieb erst in den zwanziger Jahren, als in Geithain die Paul-Guenther-Schule errichtet wurde. „So viele Tage, wie das Jahr hat, so viele Fenster hat die Schule“, sagt der 89-Jährige. Sein Großvater war maßgeblich an der Ausrüstung des bis heute beeindruckenden Baus mit Fenstern beteiligt.

Dass Emils Sohn Kurt in die Branche einsteigen würde, war Gesetz. Nach Ausbildung und Arbeit in einer Fensterfabrik in Pegau übernahm Kurt Sell 1937 die Regie in Geithain. Er stattete das Geithainer Emaillierwerk mit großen Fenstern aus, machte sich bei der Bergmanns-Wohnstätten-Gesellschaft einen Namen. Der verschaffte ihm in der gesamten Region auf lange Zeit viele Aufträge. Wohnhäuser in Borna, Böhlen, Lobstädt, Rötha und im längst weggebaggerten Magdeborn wurden mit Fenstern und Türen aus Sells Geithainer Werkstatt versehen. Für den jungen Herbert Sell stand, als er 1946 aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, die Frage nicht, wo er arbeiten würde. 1966 übernahm er selbst die Verantwortung – und steuerte den Betrieb erfolgreich durch eine Zeit, die dem Handwerk alles andere als gewogen war. „Natürlich standen wir mal kurz vor der Verstaatlichung oder der PGH, aber wir haben uns da immer wieder rauswinden können“, erzählt Herbert Sell, und man spürt bis heute den Stolz darauf, immer selbstständig gewesen zu sein.

Allerdings war der Betrieb weitgehend gebunden an Aufträge, die die Planwirtschaft zumaß – schon aus Gründen von Glas und Holz, das es auf Zuteilung gab. Einmal, erinnert sich der Senior, habe er gefragt, wie er denn auch noch die Wünsche der Privatkundschaft erfüllen sollte. „Die Antwort war eine Gegenfrage: Von wem bekommst du das Material? – Da war die Sache klar.“ Sohn Joachim Sell (57), der die Geschäfte heute lenkt, absolvierte im Betrieb seine Glaserlehre, schloss Ende der achtziger Jahre die Meisterschule an – eine gute Voraussetzung, um vom nach der Wende einsetzenden Bauboom zu partizipieren. „Zu tun gab es jede Menge, und auch das Material war da“, blickt Joachim Sell zurück auf die neunziger Jahre, in denen viel Geld gewonnen, aber auch verloren werden könnte. Schon bald arbeitete der zur GmbH gewandelte Betrieb kaum noch für Bauträger, konzentrierte sich statt dessen auf öffentliche Aufträge: „Da konnten wir sicher sein, dass auch bezahlt wird.“ Anno 2000 zog der Betrieb um auf das neue Firmengrundstück am Ortseingang von Niedergräfenhain, wo anstelle von LPG-Gebäuden eine moderne Werkstatthalle entstand. Die Solarmodule erzeugen einen Teil des Stroms, den die Maschinen benötigen.

Längst arbeitet mit Marco die fünfte Generation mit. Nach der Ausbildung sammelte der 29-Jährige Berufserfahrungen unter anderem in der Schweiz. Die Meisterschule steht ihm noch bevor, denn eines Tages wird er in die Fußstapfen seiner männlichen Vorfahren treten. „Die Auftragslage ist gut. Wir können nicht jammern. Selbst in den Wintern haben wir in den vergangenen Jahren straff durchgearbeitet“, sagt Joachim Sell. Geliefert und montiert wird in Sachsen und den angrenzenden Bundesländern. Eine spezielle Zulassung für RC3-Fenster, die krimineller Gewalt besonders lange widerstehen, sichern auch besondere Aufträge: so aktuell bei der Sanierung des Napoleonhauses in Waldheim.

Von Ekkehard Schulreich

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