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Selbst bei "Othello" schon mitgewirkt

Selbst bei "Othello" schon mitgewirkt

Vor 160 Jahren, 1854, gründeten Bad Lausicker Plüschweber einen Chor. Der gehört heute zu den ältesten in Sachsen und ist seit Jahrzehnten eine Institution im Kulturleben der Kurstadt.

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Mitglieder des Bad Lausicker Männerchores haben sich in der Medianklinik zum Gruppenbild gestellt.

Quelle: Marika Doberenz

Bad Lausick. Gefeiert wird das Jubiläum - anders als das 150-jährige Bestehen - intern. Allerdings steht der Musiksaison-Auftakt unter dem "Schmetterling", den traditionell Frauenchor, Männerchor und Stadtmusik bestreiten, dieses Mal im Kontext dieses bemerkenswerten Jahrestags.

 

 

"In Deutschland gibt es allerhand Chöre in unserem Alter, doch in Sachsen sind nur wenige 160 oder älter", sagt Lars Fregin. Er ist Schriftführer im Bad Lausicker Männerchor, der nicht nur als Ensemble in die Jahre gekommen ist; seine Mitstreiter sind es auch. Der Altersdurchschnitt liegt bei 60 plus, die jüngsten Sänger sind Mitte 30. Ehrenmitglied Karl Ackermann aus Flößberg bringt es auf achtbare 90 Jahre. "Wahr im Wort, treu im Gemüt, laut preisen wir das deutsche Lied!" - diesem angestammten Slogan der Sängerschaft entspricht das 28-köpfige Ensemble noch immer gern. Doch es teilt das Schicksal sehr vieler (Männer-)Chöre: Es fehlt der Nachwuchs. Weniger weil das Singen aus der Mode gekommen ist, mehr weil das berufliche Eingespanntsein, oft fern der Heimatstadt, einen regelmäßigen Besuch der Singestunden verhindert. Neue Sänger sind deshalb jederzeit gern gesehen und vor allem gehört.

Konzerte im Bad Lausicker Kurpark, in der Medianklinik, bei Tagen der Sachsen und Erntedankfesten - Jahr für Jahr ist der Chor bei zahlreichen Anlässen zu hören. "Wir haben sogar schon im Altenburger Theater bei Othello mitgesungen", blickt Vorstandsmitglied und Moderator Albrecht Bemmann auf die Vereinsgeschichte zurück. Ihren allerersten Auftritt hatte der Singkreis der Lausigker Männer, allesamt beschäftigt in der Koch'schen Plüschfabrik, übrigens auf dem Friedhof, als 1854 einer der Ihren bestattet wurde. Der Name Männergesangverein zu Lausigk wurde ab 1868 üblich. Die Singestunde fand in der hinteren Stube des Ratskellers statt, bis 1890 das Rathaus abbrannte. Zum 75-jährigen Bestehen fertigten die Sängerfrauen eine Fahne an, die lange verschwunden war, zum 135. Geburtstag des Chores allerdings den Weg zu ihm zurückfand.

 

 

Wenn der Bad Lausicker Männerchor am 3. Mai seinen Geburtstag feiert, lädt er sich liebe Gäste ein in den Saal der Deutschen Bläserakademie: den Frauenchor Bad Lausick, den Gemischten Chor Neukieritzsch, die Colditzer Liedertafel und den Volkschor Eintracht aus Ingolstadt.

 

 

"Wir legen Wert auf musikalische Vielfalt", sagt Lars Fregin. Für die steht seit Jahren der künstlerische Leiter Viktor Vetter, und für stimmliche Qualität. Das Heitere ist in besonderer Weise Sache des Doppelquartetts. Woche für Woche, donnerstags ab 20 Uhr, trifft sich der Chor im Hotel am Bahnhof zum gemeinsamen Singen. Eine Runde, in der intensiv gearbeitet werde, betont Albrecht Bemmann: "Bei uns gibt es richtig Unterricht. Aber die Freude am Gesang, die kommt natürlich nicht zu kurz." Und sie teilt sich bei den Konzerten dem Publikum mit: "Du merkst richtig, wie die Leute mitgehen. Und das muss auch so sein."

 

 

Während die Jubiläumsfeier schon aus Platzgründen intern ist, sind der Männerchor und die Eintracht am 4. Mai in einem Festgottesdienst in der Kilianskirche zu erleben. Und natürlich gestaltet der Männerchor am 1. Mai den alljährlichen Start der Musiksaison im Bad Lausicker Kurpark mit.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.03.2014
Ekkehard Schulreich

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