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Geithain Selbsthilfegruppe gibt Krebserkrankten Halt
Region Geithain Selbsthilfegruppe gibt Krebserkrankten Halt
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12:17 08.09.2018
Suchtselbsthilfegruppen leisten einen großen Beitrag zur Genesung und den besseren Umgang mit Krankheiten. Quelle: Andreas Döring
Bad Lausick/Rötha

Wenn eine Selbsthilfegruppe seit einem Jahr besteht, verdient das Anerkennung und ist Grund zu Freude. Die Genugtuung ist umso berechtigter – der Zusammenschluss von Frauen und Männern verschiedenen Alters, verschiedener Profession nennt sich „Mit Krebs überleben“. In Bad Lausick gegründet, kommt der Kreis von Krebserkrankten und deren Angehörigen an jedem ersten Donnerstag im Monat zusammen. Die Veranstaltungen, die im Pflegeheim „Paul Gerhardt“ des Diakonischen Werkes Leipzig ein Domizil gefunden haben, stehen allen Interessenten offen. Das Einjährige wurde in Rötha begangen: Runa Stiegler, die zu mehreren solcher Gruppen Kontakte pflegt, begrüßte die Gruppe im Tumorzentrum Leipziger Land.

Zufrieden, mit dem was man hat

„Ich habe immer gedacht: Das passiert mir nicht“, sagte ein 79-jähriger Rentner aus Bad Lausick. Mit „das“ meint er den Krebs – eine Erkrankung, mit der er plötzlich umgehen lernen musste. Eine Gruppe Menschen um sich zu wissen, die seine Lebenssituation kennen, empfindet er als große Stütze: „Wir müssen zufrieden sein mit dem, was wir haben, und das Beste draus machen.“ In einer Gemeinschaft falle das ungleich leichter. „Ich wollte Abstand gewinnen, weil einen das runterzieht“, bekannte ein 50-Jähriger aus Etzoldshain – und gehörte trotzdem und gerade deshalb zu den Gründern der Gruppe, die Jörg Wietrichowski im Spätsommer 2017 um sich scharte.

Unschätzbarer sozialer Kontakt

Von 2013 bis 2017 Pastor der Adventgemeinde Bad Lausick/Grimma, ist der 54-Jährige selbst seit 1995 Krebspatient. Heute ist er als Quereinsteiger in einer Softwarefirma in Wurzen tätig. „Männer gehen offenbar nicht so gern in solche Gruppen“, hatte er schon in Bad Düben gemerkt. Für ihn ein Grund, in der Kurstadt selbst aktiv zu werden. Corinna Franke, die in Grimma für die Diakonie die Arbeit der Selbsthilfegruppen koordiniert, gab Hilfestellung. Inzwischen gibt es einen Kern von einem Dutzend Patienten, aber auch von Angehörigen, denn gerade für Letztere sei es „ebenso wichtig, einen Halt zu haben“. Einen Halt, den die 48-Jährige aus Bad Lausick – vor zwölf Jahren an einem Hirntumor erkrankt – nicht mehr missen möchte. Die Gruppe ist für sie nach vielen Klinikaufenthalten nicht zuletzt ein unschätzbarer sozialer Kontakt.

Diagnose- und Therapiemöglichkeiten verbessert

Nach ihrer Erkrankung 2012 „hing ich sozusagen in der Luft, hatte keinen Austausch“, blickt eine Kurstädterin, inzwischen 81, zurück. Ein 65-Jähriger aus Sermuth versuchte, selbst eine solche Gruppe zu initiieren, doch er fand nicht die nötigen Mitstreiter. Hier aber fühlt er sich aufgehoben: „Hier kann man sich anders austauschen als mit Bekannten oder Freunden – ohne Wehleidigkeit.“ Dass Selbsthilfegruppen eine wertvolle Arbeit leisten, steht für Runa Stiegler außer Frage. „Wir laden häufiger zu Nachmittagen ein, wo wir uns austauschen, was in der Sprechstunde so gar nicht möglich wäre“, sagt sie. Vor der Bad Lausicker Gruppe sprach sie über moderne Formen der Tumortherapie. Aufgrund viel besserer Diagnosemöglichkeiten könne man Krebs heute zeitiger erkennen, schneller und oft erfolgreicher behandeln. Selbsthilfegruppen leisteten deshalb einen wertvollen Beitrag zur Gesundung und zum Umgang mit Krebs im Alltag.

Abend der Medizin am 26. September

Bevor das nächste Gruppentreffen am 4. Oktober, 19 Uhr, im Pflegeheim „Paul Gerhardt“ in Bad Lausick stattfindet, wird die Selbsthilfegruppe sich aktiv am „Abend der Medizin“ am 26. September (ab 16.30 Uhr) im Sana-Klinikum Borna einbringen, bei dem dieses Mal Krebserkrankungen im Fokus stehen.

Kontakt: info@mit-krebs-ueberleben.de

Telefon 01525/3121370

Internet: www.mit-krebs-ueberleben.de

Von Ekkehard Schulreich

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