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Sie lassen Ulanen en miniature wie anno 1897 vor das Geithainer Stadttor ziehen

Neben Nähstube gibt es ein neues Angebot Sie lassen Ulanen en miniature wie anno 1897 vor das Geithainer Stadttor ziehen

Als die Ulanen 1897 Geithain verließen, hatte das auch wirtschaftliche Konsequenzen. Der Auszug der Berittenen, von dem es eine Ansichtskarte gibt, wird demnächst im Heimatmuseum nacherlebbar – dank eines Dioramas, das in der FAW-Kreativwerkstatt entsteht. Hier kümmern sich rührige Langzeitarbeitslose auch um Steckenpferde aus Holz für Kindergärten und um die Ausstattung des Frohburger Schlosspark-Picknicks.

Marlen Bierbaum beim Bemalen der Memory-Tafeln, die beim Frohburger Schlosspark-Picknick erstmals zum Einsatz kommen sollen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Als die Geithainer Ulanen 1897 die Stadt gen Leipzig verließen, war das ein Ereignis. Festgehalten ist der Auszug der berittenen Soldaten durch das Stadttor auf einer historischen Ansichtskarte. Demnächst ist die Szene als Diorama im Heimatmuseum zu sehen: Die neue Kreativwerkstatt der Fortbildungsakademie der Wirtschaft gGmbH (FAW) stellte sich der Herausforderung, ein Schaubild mit der Stadtsilhouette und unzähligen kleinen Figuren zu gestalten. Was darüber hinaus hier entsteht, lässt Kinderherzen schneller schlagen: Steckenpferde, große Memorys, Kisten mit Kostümen und für Schätze. Davon profitieren nicht nur Kindereinrichtungen des Leipziger Südraums. Das Museum Schloss Frohburg beispielsweise erhält Ausstattungen für sein Historien-Picknick im Park am 17. Juli.

Exakt fünf Haare hat der Pinsel, mit dem Martin Rohn unter der beleuchteten Lupe Ulanen und Pferde ein miniature bemalt. Das aus Holz gefügte Diorama, das das Geithainer Stadttor, Zollhaus, Nikolaikirche und die geschlossene Bebauung der umgebenden Bürgerhäuser zeigt, ist bereits fertig. Jetzt arbeiten Rohn und sein Kollege Falk Mäder an den Figuren. Beide sind wie die übrigen vier Mitstreiter seit Längerem ohne Job; das Jobcenter des Landkreises Leipzig hat sie in diese neue Maßnahme der FAW vermittelt. Ein halbes Jahr, bis Juli, können sie hier tätig sein. Martin Rohn, der sich seit seiner Jugend mit Geschichte und Dioramen – von der Antike bis zum amerikanischen Bürgerkrieg – beschäftigt, sieht sich hier an der richtigen Stelle: „Das passt für mich. Das ist schon immer mein Hobby.“

Am Nachbartisch bemalt Marlen Bierbaum Sperrholztafeln mit dem Frohburger Schlossgeist King Frobi: ein Memory, das auf dem Boden ausgelegt wird und das beim großen Picknick erstmals zum Einsatz kommen soll. „Das macht sehr viel Spaß“, sagt sie. Marcel Große ist dabei, eine alte Holzkiste herzurichten. Sie soll Spielzeuge oder Schätze aufnehmen. Vor Kurzem brachten er und seine Kollegen auf Zeit Steckenpferde und anderes in die Kindertagesstätte Regis-Breitingen: „Die Mädchen und Jungen waren äußerst angetan und wollten gleich noch einmal nachbestellen.“

Nicht nur Spielzeuge entstehen in den Räumen, in denen die FAW im Geithainer Neubaugebiet seit vielen Jahren ansässig ist, sondern – mindestens ebenso wichtig – Erfolgserlebnisse. „Über praktische Tätigkeit Anerkennung finden“, so beschreibt Koordinatorin Ines Westphal ein Ziel solcher landläufig als Ein-Euro-Job genannten Maßnahmen. Langzeitarbeitslose zumindest für ein halbes Jahr in Beschäftigung und Gemeinschaft zu bringen, sei wichtig. Die Nähwerkstatt im selben Haus leiste genau das seit Langem. Um ein Angebot für andere Neigungen zu unterbreiten, hat seit Jahresbeginn besagte Kreativwerkstatt Premiere. Westphal: „Alles, was hier entsteht, erhalten Kindergärten, Schulen oder öffentliche Einrichtungen, und sie müssen dafür nichts bezahlen.“ So seien Kisten mit Kostümen zum Verkleiden oder mit knuddeligen Früchten aus Filz für Kaufmannsläden bei Kindern sehr beliebt.

Das Diorama für das Geithainer Heimatmuseum sei eine besondere Herausforderung. Im Juli soll es übergeben werden. Dann endet der erste Durchgang der Werkstatt. Ob es einen zweiten, gar dritten geben wird, liegt in der Entscheidung des Jobcenters. Dass es eine schöne und nützliche Zeit für sie war und ist, darüber herrscht Einigkeit bei den fünf Männern und der einen Frau, die aktuell dabei sind. Ines Westphal: „Wir haben inzwischen so viele Bestellungen. Die abzuarbeiten, schaffen wir gar nicht bis dahin.“ Eine Fortführung wäre auch deshalb schön. Dann könnten sich auch weitere Einrichtungen mit ihren Wünschen melden.

Von Ekkehard Schulreich

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