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Soll eine neue Bundesstraße 7 her? – Pro und Kontra zum Projekt

Straßenbau Soll eine neue Bundesstraße 7 her? – Pro und Kontra zum Projekt

Ende des Jahres will die Deges Unterlagen für den Neubau der Bundesstraße 7 bei Frohburg einreichen. In Eschefeld hoffen Anlieger der heutigen Bundesstraße auf Entlastung. Die favorisierte Trasse zerschneidet jedoch Landwirtschaftsflächen. Beide Seiten legen ihre Standpunkte zum Projekt dar.

So sieht der derzeitige Stand der Planung aus, die Trasse der B 7 neu (in der Karte rot) ist allerdings noch nicht endgültig festgelegt.

Quelle: Patrick Moye

Frohburg. Ende des Jahres will die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) die Unterlagen für den Neubau der Bundesstraße 7 bei Frohburg einreichen. Dann beginnt bei der Landesdirektion Leipzig ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren. Es soll Baurecht schaffen für eine Neutrassierung der Bundesstraße, die den Altenburger Raum nahe Frohburg an die Autobahn 72 anbinden soll. Die favorisierte Trasse zerschneidet nicht nur das Deutsche Holz auf Thüringer Seite, sondern auch die Fluren nördlich von Eschefeld und zwischen Bubendorf und Benndorf. Pläne, die unter anderem von den betroffenen Landwirtschaftsbetrieben scharf kritisiert werden.

In Eschefeld dagegen hoffen Anlieger der heutigen Bundesstraße auf Entlastung. Als die Deges Ende August auf einer Veranstaltung in Frohburg über den aktuellen Stand informierte, prallten auch die verschiedenen Sichten aufeinander. Für Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) ist das Wichtigste, dass Frohburg endlich eine eigene Anschlussstelle bekommt. An der B 7 neu wird schon seit anderthalb Jahrzehnten geplant. Nach dem 2003 abgeschlossenen Raumordnungsverfahren hatte die Bundesregierung den Bau immer wieder torpediert: Pläne verworfen, Finanzierungen eingefroren, Aktivitäten unterbrochen.

Eschefelder Anlieger fordern: Verkehr muss raus aus dem Dorf

Würde die Bundesstraße 7 auch in der Zukunft durch Eschefeld führen, litten die Anlieger weiter unter dem Lärm und den Abgasen des Durchgangsverkehrs. Die Straße wird nicht nur von Lastwagen frequentiert. Sie hat im Dorfkern eine enge Doppelkurve, an die sich ein historisch gewachsenes Nadelöhr anschließt. Genau hier, im einstigen Pfarrhaus, lebt Hans-Jörg Moritz mit seiner Familie. „Drei Unfälle, bei denen Autos oder Motorräder in unser Haus gefahren sind“, erinnert er, der vor zwei Jahrzehnten von Leipzig in das beschauliche Eschefeld zog. Einmal sei ein Laster mit Stahlträgern nicht durchgekommen, habe das Gebäude gerammt, Sachschaden 15 000 Euro. Dass LKW über den Fußweg rollten, um um die Ecke zu kommen, sei so normal wie gefahrvoll. „Auch der Nachbar hat schon zweimal PKWs an der Fassade gehabt.“

Vorne Doppelkurve, hinten Engpass

Vorne Doppelkurve, hinten Engpass: Dass Eschefeld unter dem starken Autoverkehr leidet, stellt kaum einer in Abrede.

Quelle: Jens Paul Taubert

Lärm, Dreck, Gefährdungspotenzial – für Moritz, Bausachverständiger, Inhaber eines Ingenieurbüros und damit vom Fach, sind das gewichtige Gründe, eine Ortsumgehung zu bauen. Aber nicht die einzigen. Westsachsen brauche dringend eine leistungsfähige Anbindung, auf der „der Verkehr sich nicht durch Engstellen quält, auf der Mensch und Umwelt nicht in Größenordnungen geschädigt werden. Das ist das Entscheidende.“ Eine zukunftsträchtige Verkehrsinfrastruktur zu schaffen, dauere gerade in dieser Ecke schon viel zu lange.

Den Neubau der B 7 betrachtet Moritz als Bauwerk, das diesen Ansprüchen genügt. „Bei uns staut sich der Verkehr manchmal bis raus zur Thüringer Landesgrenze, und als im Sommer am Eschefelder Kreuz vorübergehend eine Ampel stand, fast bis dorthin“, sagt er. Leider erfahre man über die konkreten Planungen zu wenig. „Dass die neue Straße in Gänze fertig ist, werde ich wohl nicht mehr erleben.“ Sei allerdings Abschnitt eins aus Richtung Altenburg bis zur Landesgrenze nutzbar – und danach sehe es wohl aus –, flutete zusätzlicher Verkehr Eschefeld: „Dann nutzt keiner mehr die B 93 nach Borna. Dann wollen sie hier zur Autobahn.“ Von dieser Prognose überzeugen könne man sich bereits demnächst, wenn die B 93 innerhalb Frohburgs gebaut würde: „Dann fahren die alle bei uns lang.“ Dass der Verkehr zwischen Altenburg/Westsachsen und dem Ballungsraum Leipzig die neue Bundesstraße annehmen würde, daran zweifelt Moritz keinen Augenblick: „Ich denke, dass das die sinnvollste Variante ist.“ Eine Südumfahrung von Borna sei keinesfalls eine Alternative.

Dass die neue B 7 für das Dorf ein Gewinn sei, steht für Ina Tarras fest. Viel zu lange warte man schon darauf. Bis zur Eingemeindung Eschefelds nach Frohburg 1999 war sie Bürgermeisterin: „Wir haben immer für eine Umgehung gekämpft.“ Dass in den Neunzigerjahren in einigen Häusern Lärmschutzfenster eingebaut worden seien, habe das Problem nicht gelöst. Den Durchgangsverkehr aus dem Dorf zu verbannen, komme zugleich dem Naturschutzgebiet Eschefelder Teiche zugute, das im Osten, Richtung Eschefelder Kreuz, dann nicht länger zerschnitten würde.

Landwirt fürchtet um seinen kleinen, pfiffigen Familienbetrieb

Würde die Bundesstraße 7 nördlich von Frohburg neu gebaut, wäre der Landwirtschaftsbetrieb von Tobias Karte wohl am Ende. Der von der Deges favorisierte Korridor würde die Felder des Benndorfers zerschneiden. Mehrere Hektar Fläche würden überbaut. Das weit über die Region ausstrahlende „Maister-Labyrinth“ wäre Geschichte, die Investition in diverse Erdbeer-Sorten und in Heidelbeersträucher verloren. „Wenn die Flächen weggingen, wäre das Konzept vernichtet. Dann wäre es vorbei“, sagt der 43-Jährige, der in diesem Fall die Lebensgrundlage für seine Familie mit zwei kleinen Kindern zerstört sieht.

Würde die neue B 7 kommen wie geplant, hätte es sich ausgeblüht

Würde die neue B 7 kommen wie geplant, hätte es sich ausgeblüht: Landwirt Tobias Karte vor seinen Feldern. Hinter den Sonnenblumen befindet sich das Maislabyrinth.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kartes Vater Bernd war es, der in den Neunzigerjahren den Benndorfer Familienbetrieb neu belebte. Was er im Nebenerwerb begann, baute der Sohn so weit aus, um davon zu leben. Anno 2000 hatte er mit seinem ersten Maislabyrinth – einem Ort familiengerechter Unterhaltung und landwirtschaftlicher wie ökologischer Bildung – für Aufmerksamkeit gesorgt, hatte später die Angebotspalette um Erdbeeren, Heidelbeeren, Blumen erweitert. „Alles greift ineinander. Nur weil sich Verschiedenes an einer Stelle konzentriert, ist das Ganze wirtschaftlich“, sagt Karte, der Landwirt lernte und Landwirtschaft studierte. Von den ohnehin nur 25 Hektar Land könne er keinen einzigen erübrigen. Das Aus für das Labyrinth bedeutete zudem das Aus für zehn Saisonkräfte.

Würde obendrein – wie geplant – die kommunale Straße zwischen Bubendorf und Benndorf gekappt, erreichte er die Fläche nördlich der neuen B-7-Trasse nicht mehr, und die 27 000 Autos, die jährlich zur Beerenernte und zum Labyrinth-Besuch anrollten, zwängten sich durch Benndorfs schmale Straßen. Ein Szenario, das für Karte unvorstellbar ist: „Ich kann nur hoffen, dass es soweit nicht kommt.“

Keinesfalls hinnehmen will diesen Bundesstraßen-Neubau Siegfried Runkwitz, Geschäftsführer der Osterland Agrar GmbH Frohburg. „Die Straße ist nicht notwendig. Eine Südumfahrung von Borna wäre viel sinnvoller, doch das wird seit Jahren konsequent ausgeblendet“, sagt er. Auf rund 20 Hektar veranschlagt Runkwitz, der für die Partei Die Linke im Stadtrat und im Kreistag sitzt, den Flächenverlust allein durch den Verkehrsweg. Weitere 20 Hektar würden abverlangt, um einen Ausgleich zu schaffen für die Eingriffe in den Naturraum zwischen der Autobahn 72 bei Bubendorf und dem Deutschen Holz, das westlich von Eschefeld die Landesgrenze zu Thüringen markiert. Diese Flächenverluste seien – nach den durch den Bau der Autobahn 72 verursachten – ein neuerlicher, diesmal nicht hinzunehmender Aderlass. Nicht nur, weil das die Zukunftsfähigkeit des Betriebes beeinträchtige, sondern weil wertvoller Ackerboden und unersetzbare Natur ohne Not überbaut würden.

Als das Unternehmen, weil es die Pläne für die Autobahn-Anschlussstelle Frohburg für überdimensioniert hielt, 2010 erfolgreich bis vor das Bundesverwaltungsgericht zog, plädierten die Richter für mehr Miteinander von Bauherr und Landwirtschaftsbetrieb. „Uns wird für die B 7 neu einfach etwas vorgelegt. Von Zusammenarbeit haben wir andere Vorstellungen“, sagt Runkwitz. Und dass die Deges den Bau der Anschlussstelle – gegen den sich Osterland ausdrücklich nicht sperre – jetzt mit der B 7 neu verknüpfe, sei fachlicher Unsinn und unredlich: „So wird versucht, Druck aufzubauen.“ Dem werde das Unternehmen nicht nachgeben, sondern das Planverfahren abwarten und daraus die nötigen Konsequenzen ziehen.

So sieht der derzeitige Stand der Planung aus, die Trasse der B 7 neu (in der Karte rot) ist allerdings noch nicht endgültig festgelegt

So sieht der derzeitige Stand der Planung aus, die Trasse der B 7 neu (in der Karte rot) ist allerdings noch nicht endgültig festgelegt.

Quelle: Patrick Moye

Von Ekkehard Schulreich

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