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Soll jetzt der Landkreis die Eschefelder Teiche retten?

Soll jetzt der Landkreis die Eschefelder Teiche retten?

Vor Trockenheit gerissener Teichgrund, vorrückendes Schilf und Weidendickicht - und sogar, mancherorts, Wasser!: Das Eschefelder Teichgebiet, ein Vogelschutzgebiet von europäischem Rang, ist längst dabei, sein Gesicht zu verlieren.

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Ein Schwan landet auf dem Neuteich, doch die Idylle trügt: In diesem Teich fehlt die Hälfte des üblichen und nötigen Wassers.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg. Der seit Monaten, ja Jahren anhaltende Wassermangel führt dazu, dass einstige Gewässer verlanden, dass wertvolle Vogelarten keinen Raum zum Leben und Brüten mehr finden. Der Neuteich zum Beispiel ist nur zur Hälfte gefüllt, eine Insel trockenen Fußes erreichbar. Im Ziegelteich spiegelt nicht mehr als eine größere Lache, die durch den Auslauf zurückgedrückt wird. Das Volumen des Großteichs ist auf ein Viertel zusammengedampft. Ergiebiger Regen ist nicht in Sicht. Gepumptes Wasser ebenso wenig. Ist das Teichgebiet noch zu retten?

Dass das Land Sachsen als Eigentümer und der Landkreis Leipzig mit seiner Naturschutzbehörde an einer Zukunft des einzigartigen Schutzgebietes arbeiten, ist von beiden Seiten immer wieder zu hören. Vogelkundler, Naturschützer, Kommunalpolitiker und der Beuchaer Fischereiunternehmer Udo Wolf, der die Teiche neben vielen anderen bewirtschaftet, betrachten das, was sich zwischen den Behörden abspielt, eher als ein Hin- und Herschieben von Verantwortung. Jetzt ist im Gespräch, dass die Teiche dem Landkreis übertragen werden könnten.

Ein Zeichen dafür, dass tatsächlich etwas in Bewegung kommt, darf die Ankündigung des SIB, des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements, genommen werden. Der Staatsbetrieb bereite im Auftrag des Freistaates "im Einvernehmen mit den Naturschutzbehörden die Entschlammung des Großen Teichs der Eschefelder Teichgruppe vor", sagt SIB-Sprecherin Andrea Krieger der LVZ. Die Schlammreduzierung sei "eine grundlegende Voraussetzung für den langfristigen Erhalt des Großteiches beziehungsweise der Eschefelder Teichgruppe und kann zur Stabilisierung eines ausreichenden Wasserstandes beitragen."

"Der Freistaat ist zur Übertragung des Eigentums an den Eschefelder Teichen an den Landkreis, analog zu den Straßenmeistereien, bereit", nennt Kreissprecherin Brigitte Laux das Ergebnis eines vergangene Woche stattgefundenen "Gedankenaustauschs". In den nächsten Wochen würden Informationen eingeholt, um ein Konzept zu erarbeiten, das Eigentum, naturschutzrechtliche Aspekte, Bewässerung und Bewirtschaftung beinhalte. "Erst wenn das Konzept beziehungsweise die entsprechenden Vorschläge stehen, kann verhandelt werden. Die Entscheidung trifft dann der Kreistag."

Kurzfristiger soll die Entschlammung geschehen; sie hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Georg-Ludwig von Breitenbuch im Sommer 2014 für "das nächste Jahr" angekündigt. "Mit Rücksicht auf die Brut- und Aufzuchtzeiten der schützenswerten Vögel kann die Maßnahme nur in den Wintermonaten durchgeführt werden", so Krieger.

Weil die Entsorgung des Schlamms im Großteich noch nicht für frisches Wasser sorgt, will die SIB nun doch die vorhandene Pumpleitung zur Zufuhr nutzen. Das Unternehmen sei "gerne bereit, etwaige Rechte an der Pumpleitung von der Wyhra zur Eschefelder Teichgruppe an die Osterland Agrar GmbH abzutreten", so Krieger. Die Osterland Agrar GmbH habe bereits seit 2009 die Möglichkeit zur Übernahme der Pumpleitung, von dem Angebot aber bislang keinen Gebrauch gemacht, erklärte sie.

Osterland-Geschäftsführer Siegfried Runkwitz hatte die Übernahme der Leitung vor wenigen Wochen selbst angeregt. Mit der SIB habe es vor kurzem ein gutes Gespräch gegeben: "Wir suchen konstruktiv nach einer Lösung. Für dieses Jahr sind alle Messen gelesen, aber wir wissen, wie schnell ein Jahr vergeht."

Ein Jahr, das ein verlorenes ist für Teichpächter Wolf. "Ich habe ein staatlich auferlegtes Bewirtschaftungsverbot", sagt er der LVZ. Um die Schäden an der Vogelwelt und an der Fischzucht zu begrenzen, habe er im Frühjahr mit dem Großteich-Wasser - der Stand liegt bei gerade mal 25 Prozent des üblichen! - die darunter liegenden Ziegel-, Neu- und Straßenteich befüllen wollen. Dann wäre dort eine Bewirtschaftung möglich gewesen, doch die Wasserverteilung habe ihm das Landratsamt aus der Hand genommen: "Das bissel so zu verteilen, dass es gar nichts nutzt, ist idiotisch." Längst sei die Vegetation dabei, die Teiche durch Bewuchs zurückzuerobern. Die Verantwortlichen, sagt Wolf, überließen das wertvolle Schutzgebiet sich selbst und opferten es auf diese Weise. "Ich versteh' die Welt nicht mehr. Aber mir sind die Hände gebunden", erklärt er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.05.2015
Ekke Schulreich

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