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Sprengung der beiden Schamottewerk-Essen bereitet Solarkraftwerk das Feld

Sprengung der beiden Schamottewerk-Essen bereitet Solarkraftwerk das Feld

Nur Sekunden dauerte es am Freitag Mittag, und die beiden Schornsteine des Schamottewerks am Bad Lausicker Stadtrand waren zu Ziegeln und Staub zerfallen. Drei Dutzend Schaulustige waren gekommen, um der Sprengung beizuwohnen.

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Der erste der beiden Schornsteine knickt ein und beginnt zu fallen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick. In den nächsten Monaten will der Investor Solverde auf der Industriebrache neben dem Betonwerk ein Solarkraftwerk errichten.

Kesselwärter war Bernhard Gruner aus Kitzscher fast 20 Jahre in der Bad Lausicker Schamotte „und dabei bis zum Schluss". Das letzte Kapitel des Abrisses seiner alten Arbeitsstätte verfolgte er emotionslos, wie er sagte: „Die zweite Esse war die vom Kesselhaus." Rund 50 Mitarbeiter hatte der Betrieb, der feuerfeste Steine für den Ofenbau produzierte; 1990 wurde er abgewickelt und geschlossen. Männer wie Gruner waren eine Zeit lang arbeitslos, ehe sie etwas Neues fanden. Dass Werner Weise aus Bad Lausick im Schamottewerk arbeitete, liegt viel weiter zurück. Auch in der Silika sei er gewesen, ehe er in den Espenhainer Tagebau gewechselt sei, sagte er: „Als die drei Silika-Schornsteine gesprengt wurden, war ebenfalls dabei. Da hatte ich die Enkel mit."

Um die Sprengung zu verfolgen, war Günter Rothe aus Flößberg herübergekommen, „einfach aus Interesse". - „Ich kenne das Werk noch in Betrieb, als die gebrannt und gemörtelt haben in der Nacht", erinnerte sich Siegfied Squarra, der mit dem Rad gekommen war. Die Brache zu beräumen und für Sonnenstrom zu nutzen, hält er für eine gute Idee; andererseits hätten einst viele Menschen hier Arbeit gehabt.

Mit einer messingglänzenden Fanfare warnte Sprengmeister Wolfgang Gießler kurz vor 13 Uhr das Publikum. Mit je vier Kilogramm Sprengstoff hatte er die beiden 50 und 58 Meter hohen Schlote präpariert. Mehr als 400 Essen habe er seit der Wende gesprengt, er warnte aber vor Routine: „Jeder Schornstein hat seinen eigenen Charakter." Seit Dienstag bereits war die Sprengung der knapp 100 Jahre alten Bauwerke vorbereitet worden. Dass Gießler zwischen beiden Sprengungen einige Minuten verstreichen ließ, hatte einen tierischen Grund: Auf einer benachbarten Wiese weideten Schafe. „Die Hälfte ist trächtig. Die dürfen sich nicht so erschrecken."

Als die erste Ladung zündete, erschreckten sich allenfalls die Tauben, die sich auf der Mauerkrone niedergelassen hatten. Mit einem klirrenden Geräusch lösten sich die Ziegel voneinander und stürzten in einer staubigen Wolke zu Boden. Den Großteil des Abbruchmaterials will Solverde-Geschäftsführer Nicolai Zwosta für die Ständer der Solarmodule verwenden, die bis zum Herbst aufgestellt werden und die auf vier Hektar Kollektorfläche für 1800 Menschen Sonnenstrom produzieren sollen. Doch dieser Zeitplan sei jetzt in Frage gestellt, denn eine Einspeisung des Stroms sei nicht wie geplant vor Ort in das Mittelspannungsnetz möglich, sondern müsse 2,5 Kilometer weiter nordöstlicherfolgen. Der Leitungsbau dorthin, vor allem aber die Dauer des zusätzlichen Genehmigungsverfahrens sei schwer abschätzbar, so Zwosta: „Haben wir das geklärt, gehen wir auf die Bürger zu, um sie für eine Beteiligung an unserem Kraftwerk zu gewinnen.

Ekkehard Schulreich

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