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Stadtchef: „Bauflächen in Frohburg sind gefragt“

Eigenheim-Standorte Stadtchef: „Bauflächen in Frohburg sind gefragt“

Auf Frohburgs größtem Eigenheim-Standort Apfelwiese wird der Platz längst knapp. Das zwingt die Stadt zum Handeln. Über Chancen und Herausforderungen, Frohburg als attraktiven Wohn- und Lebensort weiterzuentwickeln, spricht Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) im LVZ-Interview.

Das Wohngebiet An der Apfelwiese in Frohburg hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Es ist beinahe ausgereizt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg. Die Apfelwiese ist bei jenen, die in Frohburg bauen wollen oder das in den vergangenen Jahren bereits taten, ein Begriff: Das Areal am westlichen Rand der Kernstadt und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet Eschefelder Teiche ist Frohburgs größter Eigenheim-Standort. Dass dort der Platz längst knapp wird, ist für die Kommune einerseits erfreulich. Andererseits zwingt sie zum Handeln, nicht nur in der Kernstadt, sondern auch in den Ortsteilen. Über Chancen und Herausforderungen, Frohburg als attraktiven Wohn- und Lebensort weiterzuentwickeln, sprach die LVZ mit Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW).

Wie groß die Nachfrage nach Bauplätzen für Eigenheime und nach Wohnungen?

Die Nachfrage nach Flächen für den Einfamilienhausbau ist seit zwei Jahren ansteigend. Mietwohnungen mit gutem Standard sind in Frohburg seit Jahren knapp und sehr viel nachgefragt. Diese Nachfrage kann aber nur auf dem privaten Wohnungsmarkt abgedeckt werden. Private Investoren, die in den letzten Jahren Mietwohnungen durch Neubau oder Sanierung in Frohburg geschaffen haben, können bestätigen, dass die Wohnungen in der Regel bereits reserviert sind, bevor überhaupt mit dem Bau begonnen wurde. Wir suchen deshalb weitere Investoren für den Mietwohnungsbau. Leider gibt es für dieses Segment in Deutschland und Sachsen zu wenig staatliche Förderungen.

Zieht es Häuslebauer nur in die Kernstadt, oder sind auch Ortsteile gefragt?

Die Nachfrage in der Kernstadt ist deutlich höher als in den Ortsteilen. Bei Mietwohnungen ist der Unterschied noch viel größer. In den Ortsteilen fehlen vor allem Initiativen zur grundlegenden Modernisierung und Sanierung von Mietwohnungen und Gebäuden. Der Bestand in ehemaligen LPG-Häusern aus den Siebziger- bis Neunzigerjahren entspricht meist nicht mehr den Anforderungen an zeitgemäßes Wohnen. Es reicht nicht aus, Wohngebäude nur äußerlich aufzuwerten; Wohnungszuschnitte, Ausstattung, Balkone müssen zeitgemäß sein. Wenn man in Ortsteilen infrastrukturelle Einschränkungen in Kauf nehmen muss, so müssen zumindest Umfeld und Wohnungsqualität stimmen. Dazu sind aber vor allem Grundstückseigentümer und Investoren in Ortsteilen gefragt.

Wie ist die Auslastung aktueller kommunaler Baugebiete?

Die kommunalen Baugebiete „Am Kaplanberg/ Am Feldrain“ und „Am Wasserwerk/ Prießnitzer Straße“ sind komplett ausgelastet. „An der Apfelwiese“ sind 70 Prozent der Bauplätze verkauft. Dort besteht das Problem, dass wir den Verkauf nicht mit einer befristeten Bauverpflichtung verbunden haben. Deshalb sind einige bereits seit längerer Zeit verkaufte Grundstücke bis heute nicht bebaut. „An der Apfelwiese“ stehen wir in Verkaufsverhandlungen mit weiteren Interessenten; die Mehrzahl der noch verfügbaren 13 Bauplätze ist reserviert. Das private Baugebiet „Neu-Heuersdorf“ ist bis auf drei Baugrundstücke ausgelastet.

Wo könnten weitere Baugebiete entstehen?

Auf Grund der Nachfrage sollen durch die Stadt kurzfristig neben dem Baugebiet „Am Schützenhaus“ (16 Bauplätze, Bebaubarkeit ab August 2017) weitere kommunale Baugebiete „Am Wolfslückenweg“ (fünf bis sechs Bauplätze) und „Am Harzberg“ (sieben, acht Bauplätze) entwickelt werden. Ob dort aber bereits im nächsten Jahr Parzellen zum Verkauf angeboten werden können, kann erst nach Planungsfortschritt eingeschätzt werden. Ich hoffe, dass wir spätestens im ersten Halbjahr 2017 dazu Klarheit haben. Da die Stadt in Frohburg ansonsten selbst kaum über geeignete Flächen verfügt, ist sie künftig darauf angewiesen, dass private Grundstückseigentümer selbst Initiativen ergreifen oder geeignete Grundstücke der Stadt oder Erschließungsträgern günstig zum Erwerb anbieten. Für den Einfamilienhausbau in den Ortsteilen setzen wir vor allem auf privates Engagement. Wir werden hier voraussichtlich keine kommunalen Baugebiete für den Einfamilienhausbau entwickeln. Soweit im Einzelfall eine Bauland-Entwicklung im kleineren Rahmen begründbar ist und Stadtrat sowie Fachbehörden nicht von Anfang an die Aussichtslosigkeit derartiger Unterfangen erkennen, müssen solche Initiativen von den Grundstückseigentümern ausgehen. In der Regel müssen sie die Kosten für die erforderlichen Verfahren tragen. Für die nahe Zukunft werden das Plangebiet „Am Wyhrabogen“ für den Neubau sowie die Sanierung, Modernisierung und Umnutzung vorhandener Gebäude Schwerpunkte für den Wohnungsbau sein. „Am Wyhrabogen“ suchen wir aber einen Investor mit einem städtebaulichen Gesamtkonzept zur Bebauung der Fläche.

Welche privaten Initiativen gibt es?

In Frohburg und im Wohnpark „An der Apfelwiese“ haben bereits ortsansässige Grundstückseigentümer und Unternehmen Initiativen als Investoren für den Wohnungsneubau und andernorts die Modernisierung und Sanierung von Mietwohngebäuden übernommen. Es reicht aber nicht aus. Deshalb versucht die Stadt, weitere Interessenten für diese Ziele zu begeistern und teilweise geeignete Grundstücke zu vermitteln.

Welche Perspektive hat Frohburg als Wohn-Ort in den nächsten zehn Jahren? Wer muss dafür was leisten?

„Frohburg in der Wohnlage im Dreieck Leipzig – Chemnitz – Altenburg, mit gutem Wohnumfeld und Infrastruktur“ – das ist seit Jahren das im Stadtentwicklungskonzept formulierte Entwicklungsziel. Daran sollte festgehalten werden. Ich glaube, dass eine deutliche Mehrheit der Frohburger bestätigen wird, dass man in Frohburg gut wohnen und leben kann. Die Stadt muss aber dabei weiterhin das Aushängeschild und der Schwerpunkt für die Entwicklung als Wohnstandort Frohburg bleiben. In den Ortsteilen gibt es Unterschiede und andere Ausgangslagen. Dort ist die Wohnqualität neben einer guten Wohnung hauptsächlich von Ortsbildern, konkreter Wohnlage, Zusammengehörigkeitsgefühl der Dorfgemeinschaft und Vereinsleben im jeweiligen Ortsteil geprägt. Gute Beispiele für die Umnutzung alter Gebäude als Wohnhäuser gibt es in den Ortsteilen viele. Neben der Suche nach Investoren müssen aber vor allem die Stadt und auch die Bürger für Frohburg, die Ortsteile und das gute Wohnumfeld werben sowie selbst an der Verbesserung der Ortsbilder mitwirken. Wir müssen vor allem mehr Zuzugswillige von unseren Vorzügen als Wohnstandort überzeugen. Ausschlaggebend wird aber vor allem auch die Realisierung der Autobahn-Anschlussstelle Frohburg sein. Wann dieses Versprechen der Bundes- und Landespolitik eingelöst wird, will derzeit aber niemand sagen.

Von Ekkehard Schulreich

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