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Geithain Starker Regen verwandelt Eula in eine Kloake
Region Geithain Starker Regen verwandelt Eula in eine Kloake
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00:33 15.06.2015
Toilettenpapier und Fäkalien: So sah die Eula im Altdorf in dieser Woche aus. Quelle: Ekkehard Schulreich
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Geithain

25 Liter Wasser auf den Quadratmeter seien binnen dieser Stunde niedergegangen, sagt Anwohner Manfred Irmscher. Der Eula-Pegel sei um einen Meter hochgeschnellt, habe Toilettenpapier und Exkremente an den Ufern verteilt, wo sie zurückblieben, als das Wasser sank. "Die Verschmutzung ist unser größter Ärger." Immerhin sei die ekelhafte Brühe dieses Mal nicht in die Gärten gelaufen.

Womit Irmscher und die anderen Anrainer seit Jahren hadern, liegt aus Sicht der Landestalsperrenverwaltung (LTV) in der Verantwortung der Kommunalen Wasserwerke Grimma-Geithain. Axel Bobbe von der LTV: "Das ist Sache des Kläranlagen-Betreibers."

"Die Verunreinigungen im Uferbereich der Privatgrundstücke wurden inzwischen auf Veranlassung der KWW GmbH beräumt", sagt Lutz Kunath, Geschäftsführer des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain. Obwohl der Stauraumkanal wasserrechtlich genehmigt sei und dem Stand der Technik entspricht, berechne man jetzt die genauen Abflussmengen neu. Außerdem würden an mehreren Stellen im Kanalsystem der Stadt elektronische Messpunkte zur exakten Ermittlung der Abwassermengen, abhängig vom Niederschlag, eingerichtet. "Ziel ist, Erkenntnisse zu bekommen und Maßnahmen abzuleiten, um das Kanalsystem zu entlasten, indem zusätzliche Möglichkeiten zu Rückstau oder Abschlag von Mischwasser im Stadtpark gefunden werden." Darüber hinaus habe man den Anliegern der Eula eine finanzielle Unterstützung für Maßnahmen des individuellen Objektschutzes vor Hochwasser angeboten.

Manfred Irmscher versteht nicht, "dass das Umweltamt das so lange duldet. Da werden immer wieder Fäkalien ganz bewusst in den Fluss geleitet - und niemand kümmert's." Diese Aussage will man im Umweltamt des Landkreises so nicht stehen lassen, beurteilt die Lage allerdings zurückhaltender. "Es handelt sich hier um die Entlastung von stark verdünntem Mischwasser über ein Regenüberlaufbecken in die Eula. Das Regenüberlaufbecken samt Entlastung wurde im Jahr 2000 genehmigt und entspricht dem Stand der Technik", sagt Konstanze Morgenroth aus der Stabsstelle der Behörde. Ein solches System sei weit verbreitet. "Dass die Situation im Altdorf wegen der Nähe der Wohnbebauung sehr unbefriedigend ist, ist allen Beteiligten bekannt." Auf Einladung der Bürgermeisterin Romy Bauer (parteilos) habe es jährlich Beratungen mit Behörden und Anwohnern gegeben, um die Situation zu verbessern, die letzte am 4. Juni. Auf der habe man festgelegt, den Generalentwässerungsplan für Geithain zu überarbeiten. Morgenroth: "Das Planungsbüro ist beauftragt und wird Ende des Jahres Ergebnisse vorstellen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.06.2015
Ekkehard Schulreich

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