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Statt Kombüse auf hoher See Kochkunst im Kohrener Pflegeheim

Harald Kortschlag Statt Kombüse auf hoher See Kochkunst im Kohrener Pflegeheim

40 Jahre Küchenchef in ein und demselben Haus: Für Harald Kortschlag bringt der Jahreswechsel ein Jubiläum. Im Januar 1976 kam der Rand-Berliner in das Pflegeheim nach Kohren-Sahlis, um die Küche zu übernehmen – und dort kocht er noch immer.

Blumen für Harald Kortschlag (re.) von Steffen Graichen (li.), dem Chef der Wohnstätten.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis. Gelernt im Interhotel, von einer weltumspannenden Karriere als Schiffskoch geträumt – und vor Anker gegangen als Küchenleiter in Kohren-Sahlis: Harald Kortschlag, der Mann, bei dem das Berlinerische noch immer ein bisschen mitschwingt, hat nie bereut, sich in Kohren-Sahlis niedergelassen zu haben. Anfang Januar 1976 übernahm er die Regie in der Küche des Pflegeheims für psychisch Erkrankte – und er ist diesem Hause seit 40 Jahren treu. Eine Identifikation über Jahrzehnte, die heute längst nicht mehr üblich sei, sagt Steffen Graichen, der die 1991 in Trägerschaft des DRK-Kreisverbandes gekommene Wohnstätte heute leitet. „Die Menschen sind heute anders, viele wechseln vor Ablauf eines Jahrzehnts“, sagt er. Umso mehr freut er sich über Kortschlags Kontinuität – die durch den Magen geht. Nicht nur den Bewohnern und Mitarbeitern der Wohnstätte und des Seniorenheims „Waldblick“. Längst kochen Kortschlag und sein Team auch für die Behindertenwerkstatt in Geithain, für das Essen auf Rädern in mehreren Orten. 350 bis 400 Portionen kommen da Tag für Tag zusammen.

Als der heute 62-Jährige nach der Ausbildung in den Interhotels „Berolina“ und dem Neubau „Stadt Berlin“ direkt am Alex abgeschlossen hatte, ging er ins Werk nach Ludwigsfelde – es produzierte die W50-Lastwagen – Metallteile sägen („In der Küche war nichts frei“), später in ein gehobenes Lokal in Potsdam – um schließlich ins Kohrener Land überzusiedeln. Ein Kumpel von der Armee hatte den Kontakt hergestellt, und was Kortschlag neben dem Job überzeugte, waren die Lebensbedingungen: In der ehemaligen Liegehalle des Kohrener Komplexes fand die junge Familie Wohnung: zwei Zimmer, Küche, Bad, Fernheizung – Luxus. Eher rustikal ausgestattet war die Küche mit Kochkesseln, Wärmeschrank, Kipppfanne. „Wir haben noch mit Dampf gekocht. Der Heizer begann um vier, damit es um sechs etwas wurde mit unserer Morgensuppe.“

In den Siebziger-, Achtzigerjahren hatten er und seine Mitarbeiter eine Komplettverpflegung abzusichern. Einmal wurde die Küche modernisiert; ein großer Umbau folgte nach der Wende. „Über Monate haben wir auf dem Hof in einer Feldküche gekocht – wie beim Militär“, erinnert sich Harald Kortschlag, der sich 1995 zum Diätkoch qualifizierte. Heute kommen wahlweise Vollkost, Vegetarisches, Speisen ohne Gluten, Lactose, Fructose auf den Tisch, „um jedem gerecht zu werden“; manches wird auch püriert. Viele der Zutaten stammen aus der Region, die Kartoffeln kamen langen aus Greifenhain, heute liefert sie Kitzscher.

Kortschlag weiß, was seinen Essern schmeckt und was gut für sie ist. Ein Jahr noch wird er hier an Töpfen und Pfannen stehen; dann endet seine Berufslaufbahn. Dass ihm danach die Decke auf den Kopf fällt, steht nicht zu befürchten. Er hat seinen Kleingarten, ist Vorsitzender des Vereins Gellertbrunnen/Hainmühle. Er managt die Eigentümergemeinschaft, in der er mit seiner Frau lebt (die beiden Kinder haben im Süden und Westen Deutschlands Existenzen aufgebaut). Und er geht einmal im Monat kegeln. Doch eines Tages plötzlich den Kochlöffel aus der Hand geben? Harald Kortschlag lacht: „Es wird gehen. Und bis dahin habe ich ja noch ein paar Monate. Die genieße ich.“

Von Ekkehard Schulreich

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